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VÖCKLABRUCK. Der vergangene Woche stattgefundene Bürgerbeteiligungsprozess zur Gestaltung der Begegnungszone am Vöcklabrucker Stadtplatz erwies sich für die veranstaltenden Architekturbüros Gärtner+Neururer, ArchitekturSchlager und s_arquitex Schreder & Partner als großer Erfolg. 

Vor Ort, am Vöcklabrucker Stadtplatz, konnten einzelne Ideen gemeinsam mit den Architekten begutachtet werden. Foto: Mac

Der Andrang war groß, als am 5. und 6. März zum „Werkstattgespräch“ in einem leerstehenden Geschäftslokal in der Vöcklabrucker Innenstadt geladen wurde. Bei der zweitägigen Veranstaltung ging es um die Miteinbeziehung der Öffentlichkeit bei der Planung der Begegnungszone. Die beauftragten und zugleich ortsansässigen Architekturbüros Gärtner+Neururer, Architektur Schlager und s_Arquitex Schreder & Partner, die sich für dieses Vorhaben zu einer Projektgemeinschaft zusammenschlossen hatten, freuten sich über das enorme Interesse an dem Projekt und die hohe Beteiligung an der Diskussion. Die Begegnungszone wurde von der Stadt Vöcklabruck, unter Einbeziehung der Wirtschaftstreibenden und der Bevölkerung, bereits 2019beschlossen. Die aktuelle partizipative Planung befasst sich nun rein mit der gestalterischen Umsetzung der Begegnungszone.

Die Qualität des Ergebnisses lebt von der Mitarbeit Vieler

Zu Beginn hatten die BesucherInnen Gelegenheit, sich Plakate und Modell in Ruhe anzusehen und ins persönliche Gespräch mit den Planern zu treten. Hauptprogrammpunkt war eine informative und außergewöhnlich dynamischen Präsentation des Entwurfes, bei der alle Architekten zu Wort kamen. Anschließend folgte eine Diskussionsrunde, bei der die Besucher angehalten waren, Fragen und Anregungen in Kleingruppen zu formulieren, um diese anschließend im Plenum zu diskutieren. Dabei wurden Maßnahmen seitens der Planer argumentiert sowie Anregungen und Kritik mit Interesse aufgenommen. Sämtliche Beiträge der Diskussion wurden auf knapp 300 Post-its gesammelt und dokumentiert. Das achtköpfige ArchitektInnenteam erhielten dabei Unterstützung von einer externen Moderatorin, die durch die Diskussion führte und emotionale Beiträge ebenso wie zurückhaltendere Stimmen einfing, kritische Fragen, konstruktive Kritik und neue Ideen sammelte, welche in die weitere Gestaltung des Projekts miteinfießen sollen. Denn, wie das Planungsteam immer wieder betonte, ist das vorgestellte Gestaltungskonzept als Prozess zu verstehen. Durch ihre Teilnahmen können die BürgerInnen und Bürger den Entwurf aktiv mitgehalten und verbessern. Ziel der ArchitektInnen ist es, dem Anspruch einer gemeinsamen, für alle Beteiligten funktionierenden Begegnungszone gerecht zu werden.

Die Reaktionen

Viele der Besucher zeigten sich ebenso erstaunt wie erfreut darüber, wie die Gestaltung einer tatsächlichen Begegnungszone dem Vöcklabrucker Stadtkern eine neue Qualität verleihen könnte. Die Schaffung attraktiver, konsumfreier Verweilzonen, mehr Grün, weniger Durchfahrtsverkehr und eine Reduzierung der Geschwindigkeit stießen auf viel Zuspruch. Kritisch wurde jedoch, vor Allem von Seiten der Wirtschaftstreibenden, die Reduzierung der Parkplatzanzahl angemerkt. Einig war man sich im Zuge dessen aber, dass mit der Umsetzung der Begegnungszone das gesamte innerstädtische Verkehrsnetz sowie das Parkplatzangebot untersucht und mitgedacht werden muss. Über 200 BesucherInnen, darunter PolitikerInnen, Geschäftsleute, Gastronomen, Anrainer und Besucher der Innenstadt waren zahlreich zu der Veranstaltung erschienen. Die Zusammenarbeit der drei direkt am Stadtplatz angesiedelten Architekturbüros war in dieser Art eine Neuheit und erwies sich als äußerst produktiv und inspirierend.

Der Stadtplatz 1:100

Zur Vermittlung der Ideen dienten Grundrisspläne des Stadtplatzes, erläuternde Plakate und Auszüge aus Gesetzestexten sowie ein 1:100 Modell des Stadtplatzes. Zusätzlich wurde im Bereich des unteren Stadtplatzes, mittels abwaschbarer Farbe und mobilen Sitzgarnituren, eine 1:1 Simulation der geplanten Begegnungszone umgesetzt, was bei manchen PassantInnen für Verwirrung sorgte, bei anderen Neugier und Begeisterung hervorrief.

Der Entwurf im Überblick

Seit dem Umbau des unteren Stadtplatzes und der Öffnung für den Verkehr ist das Vöcklabrucker Zentrum eher mehr Parkplatz als ein Stadtplatz. Dem Auto, sei es fahrend oder ruhend, wir ein hoher Stellenwert eingeräumt, worunter die FußgängerInnen und Gäste der Schanigärten leiden. Die straßenrechtlich bereits festgesetzte Begegnungszone soll nun aber auch gestalterisch einer solchen gerecht werden. Die Ziele sind unter Anderem eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität, eine faire Verteilung des Straßenraumes, sowie die Beseitigung der Trennwirkung von Fahrbahn und Gehsteig und folglich eine Stärkung des nichtmotorisierten Verkehrs. Um dies zu erzielen lautet der Vorschlag der ArchitektInnen: Einbahn statt Gegenfahrbahn, Verschwenken der Fahrbahn um Geschwindigkeit zu reduzieren, Verringerung der Parkplatzanzahl zugunsten einer Verbreiterung des gemeinsam, von Autos sowie Fußgänger und Radfahrer, genutzten Straßenraumes sowie Schaffung qualitativer, konsumfreier Verweilzonen und Erhöhung des Grünanteils. Den Rahmen dafür soll eine farblich grafische Gestaltung des Bodens bilden, bei dem Rücksicht auf die vorhanden Pflasterung genommen wurde. Der Entwurf basiert auf einer intensiven Auseinandersetzung mit rechtlichen Grundlagen(Straßenverkehrsordnung) und Erkenntnissen aus dem Innenstadt-Impuls-Programm, durchgeführt im Frühjahr 2019. Auch in Österreich bereits umgesetzte und gut funktionierende Begegnungszonen in Städten vergleichbarer Größe dienten dabei als Referenzen.


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