Neue Zukunftsstrategie soll Camping-Boom verstärken

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Martina Ebner Martina Ebner, Tips Redaktion, 21.10.2021 18:49 Uhr

OBERÖSTERREICH/TIEFGRABEN. Nach Schaffung eines zeitgemäßen Campingrechts soll eine Zukunftsstrategie für Camping und Nature Lodging für weiteren Aufschwung sorgen. „Oberösterreichs 150 gewerbliche Campingplätze sowie Kleinstcampingplätze bei Gasthäusern oder Bauernhöfen verzeichneten in den letzten zehn Jahren - trotz ‚Corona-Delle‘ im Sommer 2020 - einen Nächtigungszuwachs von knapp 70 Prozent auf rund 340.000 Nächtigungen“, so Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat Markus Achleitner.

Nicht nur die Campingplätze freuen sich über steigende Nächtigungszahlen, auch die Hersteller von Wohnwägen und Wohnmobilen verzeichneten in den vergangenen Jahren Rekordergebnisse. So hat sich die Zahl der jährlich neu zugelassenen Wohnmobile in Österreich um 290 Prozent erhöht. „Der Trend zur Erholung und Urlaub in der Natur verstärken den Camping-Boom weiter. Experten sind sich daher einig, dass auch für die nächsten Jahre die Nachfrage auf den Campingplätzen gesichert ist“, erklärt Landesrat Markus Achleitner.

Steigende Ansprüche

Dementsprechend hat sich in den vergangenen Jahren auch die Nachfrage nach zusätzlichen Campingmöglichkeiten gewandelt. Klassische Campingplätze sehen sich steigenden Ausstattungs- und Komfortansprüchen der Campingurlauber gegenüber und verzeichnen eine zusätzliche Nachfrage nach Mietobjekten, wie etwa Schlaffässer oder TinyHouses. Hinzu kommt die wachsende Zahl der Wohnmobilreisenden, die verstärkt zusätzliche Campingmöglichkeiten auf eigens für sie eingerichteten Wohnmobilstellplätzen oder auf Kleinstcampingplätzen suchen.

Neue gesetzliche Campingbestimmungen seit 01. Juli

„Mit dem OÖ. Campingrechtsänderungsgesetzes 2021, das seit 1. Juli dieses Jahres gilt, wird das bestehende OÖ. Campingplatz-Gesetz aus dem Jahre 1967 ersatzlos gestrichen. Die weiterhin notwendigen gesetzlichen Bestimmungen werden im OÖ. Tourismusgesetz verankert. Mit der Novellierung ermöglichen wir auch neue Entwicklungen im Tourismus, wie Mini-Häuser oder Schlaffässer. Zugleich bekommen die Gemeinden in Oberösterreich auch eine Handhabe gegen ‚wildes Campieren‘ und andere Auswüchse“, erläutert Landesrat Achleitner.

Wesentliche Neuerungen

Neben den bereits bestehenden Typen des „klassischen“, bewilligungspflichtigen Campingplatzes und des Jugendzeltlagers wurden mit Kleinstcampingplätzen, Kurzzeitcampingplätzen und Wohnmobilstellplätzen drei neue Campingplatztypen geschaffen, die bewilligungsfrei betrieben werden dürfen und nur eine Anzeige bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft bzw. dem zuständigen Magistrat erfordern. Alle Campingplatztypen gelten als Unterkunftsbetriebe und sind somit hin-sichtlich Ortstaxen- und Meldepflicht gleichgestellt. Campingplatzbetreiber haben nunmehr die Möglichkeit, auch Mietobjekte für Gäste anzubieten, die einen naturnahen Aufenthalt am Campingplatz erleben, aber nicht im Zelt oder Wohnwagen übernachten wollen. Gemeinden erhalten die Möglichkeit, für bestimmte Orte oder das gesamte Gemeindegebiet das Campieren auf öffentlichen Flächen außerhalb von Campingplätzen zu verbieten.

Neue Landes-Strategie für Camping und Nature Lodging

Die oö. Camping-Strategie wurde von Oberösterreich Tourismus gemeinsam mit Experten und Branchenvertretern, wie etwa Betreibern von Campingplätzen und Nature Lodging-Angeboten, der WKOÖ-Fachgruppe Freizeit- und Sportbetriebe und der Standortagentur des Landes OÖ, Business Upper Austria, erarbeitet. Sie basiert auf einer ausführlichen Analyse der Ausgangslage, Experten-Interviews und Workshops zur Erarbeitung der Entwicklungsziele, Kernstrategie und daraus abgeleiteter Maßnahmen entlang definierter Aktionsfelder. Oberösterreich wird sich künftig noch stärker als die Destination für Camping, Nature Lodging und Micro-Camping mit persönlichen Begegnungen und originellen Naturunterkünften positionieren. Dazu wurde eine Reihe ambitionierter Ziele definiert: Steigerung der Basisqualität der Campingplätze, Neuentwicklung von Campingangeboten mit (thematisch-qualitativer) Spitzenqualität, Angebots-Wachstumsschub bei Nature Lodging (vor allem Glamping), Ausbau der Anzahl an Wohnmobilstellplätzen flächig über Oberösterreich und Digitalisierung der kleinteiligen Dienstleistungskette als Beschleuniger für Verkauf und Ausbau der Gästezufriedenheit. Wertschöpfungsorientierte Ziele sind: Steigerung der Campingnächtigungen um rund 50 Prozent bis 2030 (im Vergleich zu 2019) durch Angebotserweiterung, Qualitätsverbesserung und Auslastungssteigerung in der Nebensaison, rund 100.000 Nature Lodging-Nächtigungen durch Ausbau des Angebots, Steigerung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer um einen Tag sowie Saisonverlängerung und Stärkung ganzjähriger Angebote.

Diese Ziele sollen von den Umsetzungspartnern Land OÖ, WKOÖ, Betriebe, Oberösterreich Tourismus und Tourismusverbände entsprechend ihrer Stärken und Kompetenzen bis 2030 verwirklicht werden. Auch die Business Upper Austria wird insbesondere bei künftigen Betriebsansiedelungen und in der branchenübergreifenden Vernetzung ihre Expertise einbringen. So werden zukünftig gemeinsam mit dem Möbel- und Holzbau-Cluster „Nature Lodging-Lösungen“ entwickelt.

Zusammenarbeit und Vernetzung stärken

„Durch die neue Campingstrategie liegt erstmals eine ausführliche Analyse der Ausgangslage sämtlicher Campingbetriebe in Oberösterreich vor. Diese Analyse zeigt uns die Trends und Entwicklungen am Markt, vor allem aber auch die Stärken der heimischen Anbieter, welche nun nachhaltig weiter ausgebaut werden sollen“, begrüßt Herta Wiedlroither, Eigentümerin vom Camp Mondseeland in der Gemeinde Tiefgraben die Zukunftsstrategie. Insbesondere die Betreiberstruktur in Form von großteils familiengeführten Campingplätzen zeigt auf, dass es künftig eine noch viel engere fachliche Zusammenarbeit und Vernetzung der Campingplätze und der Nature Lodging-Anbieter braucht. Wiedlroither: „Die in der Strategie definierten Maßnahmen und Möglichkeiten dazu sind vielfältig. Gemeinsam sollten wir unsere Interessen bündeln, Ideen weiterentwickeln, Kapazitäten betriebsübergreifend managen sowie Qualifizierungs- oder Vermarktungsinitiativen forcieren. Diese Camping-Strategie wird somit zukunftsweisend und trägt zur weiteren Professionalisierung der Branche bei. Vor allem aber können wir gemeinsam sichtbar werden und neue Gäste für Oberösterreich begeistern.“

Naturnahe Angebote mit hohem Qualitätsanspruch

Die Fachgruppe der Freizeit- und Sportbetriebe ist für 35 verschiedene Branchen, darunter die Campingplätze, verantwortlich. Damit die Leistungen dieser Unternehmen als „Freizeitprofis“ sichtbarer werden, wurde mit den Öffnungsschritten im Mai dieses Jahres eine Social Media Kampagne gestartet, in der die Campingwirtschaft einen prominenten Platz erhielt. Ziel war es, auf die Leistungen der gewerblichen Freizeitwirtschaft aufmerksam zu machen. „Die Entwicklungen im Campingtourismus sollen künftig noch stärker mit den unterschiedlichsten Erlebnissen in der Region verschränkt und auch in wertschöpfungsorientierte Packages gebündelt werden. Der Camping-Gast soll Ausflugsziele, Freizeit- oder Naturerlebnisse als Gesamterlebnis wahrnehmen und auch buchen können“, skizziert Petra Riffert, Obfrau der Freizeit- und Sportbetriebe Oberösterreich, WKOÖ den künftigen Weg.

Der Luxus, in der Natur aufzuwachen

Hinter den großteils familiengeführten Campingplätzen und Nature Lodges stehen authentische Persönlichkeiten und Gastgeber, die ihre Begeisterung und Kenntnis der Region gerne weiter geben. Menschen, die durch echte Begegnungen zu gelungenen Urlaubsmomenten der Gäste beitragen. „Diesen Gastgebern wollen wir künftig eine Bühne geben. Denn, durch die Kleinstrukturiertheit der betrieblichen Ebene braucht es eine koordinierte touristische Kommunikation und Bündelung im Marketing“, weiß Andreas Winkelhofer, Geschäftsführer des Oberösterreich Tourismus. Um am nationalen und internationalen Markt sichtbar zu werden, soll ein Kommunikationskonzept entwickelt und gemeinsam mit Tourismusverbänden und Camping- und Nature Lodging-Anbietern auf den Zielmärkten Österreich, Deutschland, Tschechien und Niederlande umgesetzt werden.

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