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BEZIRK VÖCKLABRUCK. Zum Tag der Arbeitslosen am 30. April fordert die Volkshilfe Vöcklabruck nicht nur Respekt für arbeitssuchenden Menschen, sondern einmal mehr eine Erhöhung der Nettoersatzrate von 55 auf 70 Prozent. Arbeitslosen Unwilligkeit zu unterstellen, erhöhe den Druck auf diese Menschen. Besonders betroffen seien langzeitarbeitslose Männer und Frauen.

Hermann Krenn (Vorsitzender der Volkshilfe Vöcklabruck) und seine Mitstreiterin Theresa Stockhammer fordern Respekt für arbeitslose Menschen. (Foto: VH Vöcklabruck)

„Lang andauernde Erwerbslosigkeit geht nicht nur mit teils dramatischen finanziellen Engpässen einher, sondern hat auf die Betroffenen auch starke psychische und körperliche Auswirkungen. Vor allem, wenn ihnen Unwilligkeit unterstellt wird“, erklärt Hermann Krenn, Vorsitzender der Volkshilfe Vöcklabruck, und fordert anlässlich des Tages der Arbeitslosen am 30. April „Menschenwürde und Respekt für diese Menschen“.

Geringere Lebenszufriedenheit

Depressionen und Ängste seien in der Gruppe der Langzeiterwerbslosen deutlich weiterverbreitet als im Rest der Bevölkerung, die Folge sei eine insgesamt geringere Lebenszufriedenheit. „Nur 36 Prozent der Langzeitarbeitslosen und 52 Prozent der arbeitslosen Menschen sind mit ihrem Leben im Großen und Ganzen zufrieden. Bei Berufstätigen sind es 70 Prozent. Wir dürfen daher keinesfalls auf die langzeitarbeitslosen Männer und Frauen im Land vergessen. Vor allem, weil deren Zahl nach wie vor deutlich höher als vor der Pandemie ist“, so Krenn. Und es sollte nicht vergessen werden, dass die Arbeitslosigkeit eines oder gar beider Elternteile auch gravierende Auswirkungen auf deren Kinder haben kann. „Arbeitslose Eltern sind für Kinder ein Turbo auf dem Weg in die Armut“, erklärt Krenn.

70 statt 55 Prozent Nettoersatzrate

Der Vorsitzende der Volkshilfe Vöcklabruck weist aus diesen Gründen darauf hin, dass besonders langzeitarbeitslose, geringqualifizierte oder zugezogene Menschen ausführliche und individuelle Beratung und Unterstützung bei der Arbeitssuche oder einen existenzsichernden Arbeitsplatz in gemeinnützigen, sozialökonomischen Betrieben brauchen. „Die dabei eingesetzten Fördermittel fließen innerhalb weniger Jahre wieder als Einnahmen an den Staat zurück, das belegen zahlreiche Social Return On Investment-Berechnungen“, erklärt Krenn und fordert einmal mehr eine Erhöhung der Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes auf mindestens 70 Prozent.

„Der deutliche Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Armutsgefährdung belegt, dass 55 Prozent Nettoersatzrate deutlich zu wenig ist. Erwerbslosigkeit darf nicht automatisch zu Armut führen“, so Krenn. Eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes würde sowohl aus volkswirtschaftlicher, als auch aus sozialpolitischer Perspektive Sinn ergeben. Krenn: „Nicht nur das Armutsrisiko bei Erwerbslosigkeit könnte durch eine höhere Nettoersatzrate gesenkt werden. Auch auf den Gesundheitsbereich hätte dies einen positiven Einfluss. Die schweren gesundheitlichen Belastungen, die durch Arbeitslosigkeit ausgelöst werden, würden durch eine Verbesserung der Lebenssituation während der Arbeitslosigkeit gemildert.“


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