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LENZING. Die Geschäftsentwicklung der Lenzing Gruppe, ein weltweit führender Anbieter von Spezialfasern für die Textil- und Vliesstoffindustrien, spiegelte im ersten Halbjahr 2023 die verhaltenen Marktentwicklungen weitgehend wider.

Lenzing AG (Foto: Lenzing AG)
Lenzing AG (Foto: Lenzing AG)

Nachdem sich das Marktumfeld im zweiten Halbjahr 2022 deutlich verschlechtert hatte, waren während des ersten und zweiten Quartals 2023 sowohl bei den Rohstoff- und Energiekosten als auch bei der Nachfrage Anzeichen der Erholung erkennbar. Textilfasern verzeichneten eine sich verbessernde Nachfrage, das Geschäft mit Fasern für Vliesstoffe und mit Faserzellstoff entwickelte sich sehr stabil.

Die Umsatzerlöse gingen in der Berichtsperiode um 3,4 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres auf 1,25 Mrd. Euro zurück. Dieser Rückgang ist primär auf niedrigere Faserumsätze zurückzuführen, während die Zellstoffumsätze stiegen. Die Ergebnisentwicklung war neben dem aktuellen Marktumfeld insbesondere durch positive Sondereffekte aus der Bewertung der biologischen Vermögenswerte und der Vorratsbewertung beeinflusst. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) ging im ersten Halbjahr 2023 um 27,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 136,5 Mio. Euro zurück. Das Periodenergebnis lag bei minus 65,8 Mio. Euro (nach 72,3 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2022), das Ergebnis je Aktie bei minus 3,92 Euro (nach 2,36 Euro im ersten Halbjahr 2022).

Erholung gegenüber dem ersten Quartal

Mit Blick auf die Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal verzeichnete die Lenzing Gruppe eine Erholung gegenüber dem ersten Quartal 2023. Die Umsatzerlöse stiegen um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal auf 627,1 Mio. Euro. Das EBITDA lag bei 106,8 Mio. Euro (nach 29,7 Mio. Euro), das Periodenergebnis bei minus 0,8 Mio. Euro (nach minus EUR 64,9 Mio. im ersten Quartal 2023).

„Lenzing befindet sich, wie insbesondere der Vergleich mit dem Vorquartal zeigt, auf einem Erholungskurs, auch wenn das aktuelle Marktumfeld das Konsumklima und damit die Auftragslage in vielen Industrien weiterhin belastet. Wir haben sowohl auf der Kosten- und Liquiditätsseite als auch auf der Vertriebsseite frühzeitig und proaktiv Optimierungsmaßnahmen gesetzt, die sich zunehmend positiv auswirken“, sagt Stephan Sielaff, Vorstandsvorsitzender der Lenzing Gruppe. „Insgesamt bleiben wir vorsichtig optimistisch, wenngleich die Visibilität insbesondere im Textilsegment eingeschränkt bleibt. Mittel- und langfristig gehen wir weiter von einem stark steigenden Bedarf an nachhaltigen Produkten der Lenzing aus. Die zügig und erfolgreich umgesetzte Kapitalerhöhung verschafft Lenzing finanzielle Flexibilität und Stärke, und wird eine solide Grundlage für unser strategisches Wachstum sein.“

Effektive Maßnahmen gestartet

Lenzing startete im dritten Quartal 2022 ein Programm zur Reorganisation und Kostensenkung und liegt mit der Umsetzung voll im Plan. Es werden nach vollständiger Implementierung des Programmes jährlich mehr als 70 Mio. Euro an Kosteneinsparungen angestrebt. Darüber hinaus wurden Maßnahmen zur Stärkung des Free Cashflow eingeleitet, weitere Schritte zur Reduktion des Working Capital umgesetzt sowie das Währungs- und Energiepreis-Hedging neu aufgestellt.

Gleichzeitig startete Lenzing in der Berichtsperiode ein Programm zur Stärkung der Vertriebsaktivitäten und der Umsatzverbesserung. Um die Marktanforderungen auf höchstem Niveau zu erfüllen, investiert Lenzing gemäß ihrer Unternehmensstrategie „Better Growth“ weiterhin in die Entwicklung von Premiumprodukten und -dienstleistungen und rückt die Kundenbedürfnisse dabei konsequent ins Zentrum ihrer Arbeit.

Lenzing setzte außerdem in der Berichtsperiode eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten für bestehende Aktionäre erfolgreich um. Der Brutto-Emissionserlös von ca. 400 Mio. Euro wird zur Stärkung der Bilanz- und Liquiditätsposition, zur Schaffung zusätzlicher Flexibilität im Hinblick auf die Finanzierungsstrategie sowie zur Unterstützung der Better Growth Strategie verwendet. Die Auswirkungen der Kapitalerhöhung werden sich erst ab dem dritten Quartal auf die Cashflow- und Bilanz-Kennzahlen der Lenzing Gruppe niederschlagen.

„Better Growth“ weiter vorangetrieben

Im ersten Halbjahr 2023 wurde auch die Umsetzung der Unternehmensstrategie „Better Growth“ weiter vorangetrieben. Sie zielt im Wesentlichen darauf ab, die strukturell stark wachsende Nachfrage nach Spezialfasern der Marken TENCEL™, LENZING™ ECOVERO™ und VEOCEL™ besser zu bedienen. Gemäß der Strategie wird Lenzing nach der erfolgreichen Umsetzung ihrer Schlüsselprojekte einen profitablen Wachstumskurs verfolgen, ihren Fokus auf nachhaltige und hochwertige Premiumfasern für Textilien und Vliesstoffe schärfen und parallel den Übergang zu einem Modell der Kreislaufwirtschaft weiter forcieren.

Ausblick

Der Krieg in der Ukraine und die restriktivere Geldpolitik vieler Notenbanken zur Bekämpfung der Inflation werden das weltweite wirtschaftliche Geschehen voraussichtlich weiterhin beeinflussen. Der IWF warnt davor, dass die Risiken insgesamt erhöht bleiben, und geht für 2023 und 2024 von einem Wachstum von drei Prozent aus. Das Wechselkursumfeld bleibt in den für Lenzing wichtigen Regionen voraussichtlich volatil. Dieses Marktumfeld belastet auch weiterhin das Konsumklima und die Stimmung in den für Lenzing relevanten Industrien. Zuletzt hellte sich der Ausblick laut weltweiter Umfrage der ITMF3 allerdings etwas auf.

Im richtungsweisenden Markt für Baumwolle zeichnet sich in der laufenden Erntesaison 2022/23 ein weiterer Lageraufbau ab. Erste Prognosen gehen auch für 2023/24 von einem weiteren Lageraufbau aus, allerdings in geringerem Ausmaß.Trotz Anzeichen der Erholung sowohl bei der Nachfrage als auch bei den Rohstoff- und Energiekosten bleibt die Ergebnisvisibilität allerdings insgesamt eingeschränkt.

Lenzing ist mit der Umsetzung des Programmes zur Reorganisation und Kostensenkung voll im Plan. Diese und weitere Maßnahmen haben das Ziel, Lenzing für die erwartete Markterholung bestmöglich zu positionieren.Strukturell geht Lenzing unverändert von einem steigenden Bedarf an umweltverträglichen Fasern für die Textil- und Bekleidungsindustrie sowie die Hygiene- und Medizinbranchen aus. Lenzing ist daher mit ihrer „Better Growth“ Strategie sehr gut positioniert und plant sowohl das Wachstum mit Spezialfasern als auch ihre Nachhaltigkeitsziele einschließlich der Transformation von einem linearen zu einem Modell der Kreislaufwirtschaft weiter voranzutreiben.Die erfolgreiche Umsetzung der Schlüsselprojekte in Thailand und Brasilien sowie die Investitionsprojekte in China und Indonesien werden die Positionierung der Lenzing dahingehend weiter stärken.

Unter Berücksichtigung der genannten Faktoren und unter der Voraussetzung einer weiteren Markterholung im laufenden Geschäftsjahr geht die Lenzing Gruppe für 2023 unverändert von einem EBITDA in einer Bandbreite von 320 Mio. Euro bis 420 Mio. Euro aus.


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