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Vorchdorfer Rallye-Ass Gerhard Aigner sensationell Zweiter auf Eis und Schnee

Hans Promberger, 08.01.2018 09:19

VORCHDORFf. Gerhard Aigner zählt seit der Jänner-Rallye endgültig zu Österreichs Topfahrer. Mit Platz 2 erreichte er mit Beifahrer Marco Hübler auf seinem Ford Fiesta R5 sein Karrierehoch.

Zu einem sensationellen zweiten Platz kurvte Gerhard Aigner bei der Jännerrallye. Foto: Daniel Fessl

65 Starter zählte heuer die Jänner Rallye im Raum Freistadt, wo die rund 80.000 Zuseher Spannung und Dramatik bis zum Schluss erlebten. Auf Grund der schwierigen Bedingungen mit wechselnden Verhältnissen – trockener Asphalt, Glatteis und Schneefahrbahnen – forderte das Rallye-Event den Piloten alles ab. Letztlich scheiterte ein Viertel vorzeitig.

Ex-Staatsmeister als „Eisspion“

So wie viele Fahrer setzte auch Aigner zum Start der Rallye einen „Eisspion“ ein. Ex-Staatsmeister Willi Stengg spionierte bereits um 4.30 Uhr morgens die erste Sonderprüfung auf Glatteis aus. So wurde „eisfrei“ an die Piloten gemeldet, doch die Witterungsverhältnisse änderten sich und die Fahrer hatten es ab Mitte der Sonderprüfung mit Glatteis zu tun. „Dass es zweieinhalb Stunden später anzog, konnte man nicht wissen. So kam es bei den Pierbach-Kehren zu diesen vielen Unfällen. Wir haben die Passage eigentlich recht gut gemeistert und konnten gleich eine drittbeste Zeit markieren. Wir hatten mit Willi Stengg und Richard Golatsch aber auch exzellente Berater - sie haben die Strecken besichtigt und vor dem Start noch gemeinsam mit meinem Copiloten Marco Hübler unseren Aufschrieb aktualisiert. Ich war in diesem Punkt also wirklich bestens beraten.“ Während sich reihenweise Autos überschlugen und im Graben landeten, konnte Aigner die gefürchtete Bergabstelle nur mit Hilfe der Böschung bewältigen und sich so über die Gefahrenstelle retten.

Auf und Ab und Aufholjagd

Aigner lag nach den ersten Sonderprüfungen auf dem dritten Platz. Doch der gute Einstieg ließ den an sich umsichtigen Aigner dann doch ein wenig übermütig werden: „Auf der dritten Prüfung war ich zu motiviert und so habe ich mir einen schweren Fehler erlaubt. Wir sind in einer an sich harmlosen Kurve abgeflogen und hernach 1,5 Minuten im Schnee stecken geblieben. Zuschauer waren keine vor Ort, so mussten wir uns durch Hin- und Herschieben selbst befreien. Dann gab es noch das Problem, dass wir jenen Abhang, den wir hinunter gerutscht sind, nicht mehr hinauf kamen. Da war glücklicherweise dann doch ein Hausbesitzer, der die Rallye gemütlich vor seinem Haus stehend genossen hat und der uns den Weg zurück auf die Strecke gezeigt hat, wofür ich mich herzlich bedanken möchte.“ Aigner verlor jedoch wertvolle Zeit und wurde auf Rang 10 durchgereicht. Mit einer tollen Aufholjagd konnte sich der Vorchdorfer noch bis zur Nachtprüfung auf den vierten Gesamtrang vorkämpfen.

„Natürlich war ich verärgert. Wir waren ja gut dabei! Aber ich habe ja schon ein paar Jännerrallyes absolviert und wusste daher, dass dieser Fehler noch lange kein Grund ist, aufzugeben - denn vielen passiert der eine oder andere Fehler“, so der Vorchdorf zu seinem „Lapsus“. Einen solchen wollte er jedoch kein zweites Mal riskieren: „Daher haben wir im zweiten Durchgang etwas Tempo herausgenommen.“

Ärger mit Reifenwahl

Die falsche Reifenwahl kostete Aigner gleich zu Beginn des zweiten Tages einen Rang. „Ich habe mir in Ungarn 18 Zoll-Räder bestellt, doch diese Reifen dürften schon länger gelagert worden sein und waren daher nicht mehr erste Wahl.“ Mit diesen Reifen musste Aigner jedoch den gesamten, aus drei Prüfungen bestehenden Vormittagsdurchgang bestreiten. „Bei normalen PKW-Reifen hat man eine Produktionskennzahl, sodass man weiß, wann diese Pneus produziert und wie lange sie also gelagert wurden. Das könnte man durchaus auch bei Racingreifen einführen, schließlich zahlen wir auch dafür“, so der Vorchdorfer.

Erstmals zwei Bestzeiten in Folge

Für den abschließenden zweiten Durchgang wechselte Aigner wieder auf die alten, schon am Vortag benützten Reifen - und sie  passten vortrefflich: Die Ausbeute waren zwei Bestzeiten am Stück, eine davon, die abschließende „Powerstage“ brachte gar drei zusätzliche ORM-Punkte. Gerhard schüttelt den Kopf: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mehr am Limit bin als ich es zuvor gewesen bin. Ich bin ganz einfach nur mein Tempo gefahren und die Bestzeiten haben mich dann schon ein bisschen überrascht.“

Doch dank vieler Ausfälle und den absoluten Bestzeiten auf den letzten beiden Sonderprüfungen katapultierte sich der Vorchdorfer mit Beifahrer Marco Hübler auf den zweiten Gesamtrang nach vor. Es waren dies die beiden ersten Bestzeiten in Aigners Karriere.

Mit Umsicht aufs Podest

Der Sensationszweite hofft nun weitere Sponsoren zu gewinnen, um auch bei den nächsten Rallyes an den Start gehen zu können. „Man mietet so ein R5-Auto natürlich, um vorne mitspielen zu können“, sagt Gerhard Aigner. Dass er am Ende jedoch bei der äußerst selektiven Jännerrallye den großartigen zweiten Platz belegen könnte - das kam dem 43-jährigen Busunternehmer nicht in den Sinn: „Die Top 6 waren unser grobes Ziel. Natürlich profitieren wir von einigen Ausfällen, das ist schon klar, aber gerade die Jännerrallye war schon immer ein Bewerb, bei dem nicht nur der reine Speed zählt, sondern auch jene Umsicht, die einen ins Ziel kommen lässt.“

        


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