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WAIDHOFEN/THAYA. Am Montag, 22. Mai lud die Waldviertel Akademie in die Raiffeisenbank Waidhofen/Thaya. Unter großem Interesse diskutierten der Berliner Internetsoziologe Stephan Humer, die Journalistin Ingrid Brodnig und der ehemalige HAK-Schulsprecher Jakob Müssauer über „Social Media. Nutzen oder Gefahr?“.

Bei der Diskussion (v.l.): Moderatorin Ursula Vogl-Köhler, Raiffeisen-Direktor Kurt Bogg, Geschäftsführer Christoph Mayer, Stephan Humer, Ingrid Brodnig, Jakob Müssauer, Stadträtin Melitta Biedermann und Waldviertel Akademie-Vorsitzender Ernst Wurz.

Raiffeisen-Direktor Kurt Bogg führte bei seiner Begrüßung auch kurz in das Thema ein: „Alles verfolgt uns, alles hat seine Vor- und Nachteile. Aber wie sicher sind unsere Daten? Wie wirkt es sich auf unsere Versicherung aus, wenn unsere Fitnessdaten dort landen?“

Entfremdung im Internet

„Unser Leben hat sich sehr stark verändert“, auf diese Aussage einigten sich die Experten bereits vor der Diskussion. Ingrid Brodnig, Journalistin und Autorin des Buches „Hass im Netz“ zeigte zu Beginn einige Besorgnis erregende Entwicklungen im Umgang mit dem Internet (“Shitstorm“, Bedrohungen und vieles mehr) auf. „Die meisten Leute würden das nicht okay finden, hier zu schreiben, man brauche sich nicht wundern, wenn ihren Kindern etwas passiert“, so Brodnig zu einem Bedrohungsszenario. Die „Entfremdung des Internets“ könne positiv sein, aber auch negativ, „wenn Menschen ihre dunkelsten Seiten ausleben“. Brodnig appellierte aber auch dafür, bei den Plattformen Verantwortung einzufordern und sich auch selbst zu engagieren: „Jeder Einzelne kann etwas machen und Umgangsformen einfordern.“

Strategien gegen Hasspostings

Stephan Humer, Gründer und Forschungsleiter des Arbeitsbereichs Internetsoziologe an der Universität der Freien Künste Berlin stellte im Bezug auf Hasspostings zunächst klar: „Der Schwerpunkt darf nicht im technischen Bereich liegen, sondern es ist eine kulturelle Frage. Am Ende bleibt immer die soziale Komponente über.“ Auch Humer appellierte an die Menschen selbst: „Man muss selber aktiv werden, wir sind zivilgesellschaftlich verpflichtet, dagegen zu arbeiten. Wir müssen hier eine aktivere Rolle einnehmen. Wenn Sie die Spielregeln nicht mitbestimmen, dann machen das eben andere.“ Humer zeigte auch auf, nicht immer nur die negativen Seiten zu sehen, sondern einen positiveren Umgang mit der Digitalisierung zu pflegen. „Digitalisierung ist eine Kraft, wie auch die Elektrizität, die Sie nicht mehr wegbekommen!“, so Humer abschließend.

Aus der Sicht eines Jugendlichen

Der Waidhofner Jakob Müssauer, zuletzt Schulsprecher an der HAK und derzeit mitten in der Absolvierung der Matura zeigt die Nutzung von sozialen Medien in seiner Generation auf. „Ich bin damit aufgewachsen, war schon mit 13 aktiv auf Facebook, da hat man eigentlich keine Ahnung, was man macht“, so Müssauer. Vier Stunden täglich verbringe er auf den sozialen Medien, vorrangig um sich zu informieren, aber auch einfach zum Zeitvertreib. „Wir nutzen vieles zur Unterhaltung. Wenn mir fad ist, schaue ich nach, was sich tut“, so Müssauer.

Fazit

Das zahlreich gekommene Publikum nutzte im Anschluss an die Impulsreferate die Möglichkeit für eine intensive Diskussion mit den Experten, in der vor allem auch die Themen Bildung und Medienkompetenz abgehandelt wurden. „Mit der heutigen Veranstaltung haben wir wieder ein hochaktuelles Thema mit sehr hochkarätigen  Referenten angesprochen“, so Waldviertel Akademie-Geschäftsführer Christoph Mayer zufrieden, „die Digitalisierung wird uns auf jede Fall alle in ihren Bann ziehen.“


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