Flüchtlinge am Welser Bahnhof: Durchgangsstation am Weg nach Deutschland
WELS. Die Informationen änderten sich im Minutentakt. Fakt war, dass um 17.26 Uhr ein ÖBB Sonderzug mit rund 500 Flüchtlingen an Bord, am Welser Bahnhof ankommen wird. Diese sollen dann auf reguläre Züge in Richtung Salzburg und Passau verteilt werden. Die Zusammenarbeit zwischen ÖBB, Polizei, Rotes Kreuz und Magistrat funktionierte bestens.

Für die ÖBB hatte Einsatzleiter August Stadlhuber das Kommando. Ständig änderten sich die Informationen, welche Züge wieviele Flüchtlinge aufnehmen können. Es ist dies ein Hantieren, Schätzen und viel Telefonieren. Am Ende können alle Flüchtlinge nach gut zwei Stunden die Weiterreise antreten. Die Übersetzer, die das Magistrat organisierte, leisteten wertvolle Arbeit und halfen bei der Verteilung. Bürgermeister Peter Koits (SP): „Die Notbetten, die wir in der Messehalle 4 aufgestellt haben, bleiben vorerst bis 4. Oktober bestehen. Wenn in der Linzer Tabaktrafik nicht alle Flüchtlinge aufgenommen werden können, dann ist Wels der nächste Anlaufpunkt“.
Alles lief ruhig und geordnet ab. Den Menschen stand die lange Reise ins Gesicht geschrieben. Nach Ungarn wollen sie nicht mehr zurück. Die Behandlung durch die dortige Polizei ist unmenschlich, so der einhellige Tenor. „Es ist der Horror, wie uns die Polizei in Ungarn behandelte. Schläge, kein Essen. Es war der Horror Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes versorgten die Flüchtlinge mit Wasser: „Die Menschen klagen vor allem über Kopfweh“, so die Einsatzkräfte. Die Beamten der Polizei eskortierten die Männer und viele Familien über den Bahnsteig und halfen beim Einstieg. „Die Menschen waren freundlich, haben sich bedankt. Es ist alles sehr geordnet abgelaufen“, sagt Andreas Weidinger vom Stadtpolizeikommando.
Die Menschen waren froh, dass sie weiterfahren können. Kurzes Winken und schnell in den Züg. Die Müdigkeit, die lange Reise zerrt an den Kräften. Viele wirkten apathisch, abgekämpft. Einzelne in der Gruppe übernahmen aber das Kommando und gaben den Takt vor. Für den Mittwoch war dies der einzige Zug. Aber der Flüchtlingsstrom wird nicht abreißen. Das Rote Kreuz hat gemeinsam mit der Feuerwehr einen Raum mit Getränken gefüllt, um schnell bei Bedarf die Flüchtlinge mit Wasser versorgen zu können. Derzeit lässt sich aber nicht abschätzen, wann Züge ankommen. Die Informationen sind spärlich.
Am Donnerstag vormittag dann der nächste Einsatz am Bahnhof. Dieses Mal kommen Busse an. Wieder mit 400 Flüchtlingen, die auf Züge in Richtung Deutschland verteilt werden. Die Einsatzkräfte sind wieder gefordert. Es wird Essen organisiert. Menschen gehen zum Spar am Bahnhof und kaufen ein. Glücklicherweise fragen sie vorher, was benötigt wird. Das größte Problem ist die Nicht-Information. „Wir wissen nicht – wie in diesem Fall – haben die Flüchtlinge in Nickelsdorf eine Grundversorgung bekommen oder nicht. Die Ankunftszeiten ändern sich permanent“, sagen die Einsatzkräfte. Unbürokratisch wird zusammengearbeitet und geholfen. Dies wird in den nächsten Tagen auch in Wels noch sehr oft der Fall sein, wenn die Flüchtlingswelle weiter rollt.
Und sie rollte den gesamten Donnerstag. Am Nachmittag kamen 300 Flüchtlinge wieder mit Bussen direkt aus Nickelsdorf. Freiwillige kamen und brachten Sachspenden Die Einsatzkräfte vorort am Bahnhof danken den Menschen, die helfen wollen. Trotzdem bleibt die große Bitte vorher zu fragen, was benötigt wird. Der Vorrat an Wasserflaschen ist groß. Hier wird nichts benötigt.
. Auf Facebook hat sich die Gruppe „Wels hilft“ gegründet. https://www.facebook.com/welshilft?fref=nf Diese Gruppe nimmt Spenden entgegen und will diese dort, wo sie benötigt werden (egal ob Wels, Linz, Traiskirchen oder sonstwo) , verteilen. Die Liste an benötigten Dingen wird immer aktualisiert. Die Sachspenden werden gesammelt. Am Donnerstag abend kommt noch einmal aus Zug aus Wien. Wieder rund 600 Flüchtlinge, die auf reguläre Züge richtung Deutschland verteilt werden. Der Strom reißt nicht ab.
Aber noch einmal der Hinweis der Einsatzkräfte: „Vorher fragen, was benötigt wird. Bitte nicht einfach Sachen am Bahnhof abgeben. Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes wissen Bescheid, welche Dinge benötigt werden. Es helfen auch Geldspenden“.


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