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WELS. Am 26. April jährt sich der Super-Gau von Tschernobyl zum 30. Mal. Der Welser Fotograf Clemens Pierer war damals sechs Jahre alt und kann sich noch erinnern, dass er nicht zum Spielen nach draußen durfte.

Clemens Pierer hat Tschernobyl besucht und seine Eindrücke in einem Buch gesammelt. Foto: Pierer
Clemens Pierer hat Tschernobyl besucht und seine Eindrücke in einem Buch gesammelt. Foto: Pierer

25 Jahre später hat sein Umfeld zwar Bedenken, aber davon abhalten, direkt ins Zentrum der Reaktorkatastrophe zu fahren, kann ihn 2011 keiner mehr. Bereits seit Jahren spukt die Idee in Pierers Kopf herum und als die Abschluss-Arbeit für die Fotografie-Schule anstand, war der triftige Grund für die Reise da. Zwei Tage nachdem ein Tsunami das Kernkraftwerk in Fukushima zerstört hat, tritt Pierer seine Reise an. Eine Woche lang ist er mit Fahrer, analoger Kamera und Geigerzähler in der Sperrzone unterwegs. „Das größte Geschäft dort ist der Wodkaladen“, erzählt Pierer von der Stadt, in der die Hilfskräfte leben. Die Stimmung ist düster. „Die Menschen sind ruppig und können nicht verstehen, woher die Neugierde für den Ort kommt, wo sie es als Bestrafung sehen, dort zu leben“, erzählt der Fotograf. Ihn reizen einerseits abgeschiedene Orte, die Vergänglichkeit, aber auch die Frage, ob es möglich ist, dorthin zurückzukehren. „Die Natur holt sich vieles zurück. Es gibt Wildpferde, die vom Aussterben bedroht waren und sich dort wieder vermehrt haben. Für den Menschen ist die Gegend unbewohnbar. Aber das hat ja auch etwas Schönes, man muss ja nicht alles besitzen.“ An Schönem findet der Welser in der Ukraine nicht viel. „Der Raum voller Gasmasken in einem Kindergarten – das war wie in einem Horrorfilm“, erzählt Pierer von der ständigen Anspannung. „Die Gefahr ist jederzeit da, aber man hört, riecht und spürt es nicht“, bis dann der Geigerzähler wieder aufgeregt piept. 400 Bilder hat Pierer in der Geisterstadt, im roten Wald und in geplünderten Bauernhöfen geschossen, die er nun in seinem Bildband „Das friedliche Atom“ zeigt. Zu beziehen über info@clemenspierer.com


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