Nachmittagsbetreuung, mehr Geld in die Infrastruktur und Kulturleitbild
WELS. Die Schule hat wieder begonnen. Johann Reindl-Schwaighofer ist als Bildungsreferent für viele Projekte zuständig. Dazu kommen noch die Kulturagenden. Ein kleiner Streifzug durch das Aufgabengebiet des SP-Stadtrates.

Tips: Das Schuljahr 2018/19 ist wenige Tage alt. Was sind aktuell die größten Herausforderungen im Pflichtschulbereich?
Reindl-Schwaighofer: Als Schulerhalter müssen wir die benötigten Gruppen- und Klassenräume zur Verfügung stellen. Wir haben aber erst nach Schulanfang Klarheit über die tatsächliche Anzahl der Kinder mit Nachmittagsbetreuung. Heuer ist Planung besonders schwierig – vor allem an Schulstandorten, wo es bereits jetzt räumlich sehr knapp ist oder wo es mehr Anmeldungen für ganztägige Betreuung gibt, als Plätze vorhanden sind. Eine Herausforderung für die Schulen ist die Organisation der Deutschförderklassen. Da muss viel improvisiert werden und es gibt großen Erklärungsbedarf bei Eltern.
Tips: Wo wollen Sie als Bildungsreferent Akzente setzen?
Reindl-Schwaighofer: Der Ausbau von ganztägigen Schulformen (GTS) ist ein ganz wichtiges Vorhaben. Nur wenn es uns gelingt, dass wir keine Kinder und Jugendlichen auf dem Bildungsweg verlieren, werden wir in Zukunft genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung haben. Wels hat leider die meisten Schul- und Ausbildungsabbrecher in Österreich. Das muss sich ändern! Ich möchte das Angebot in den nächsten Jahren so ausbauen, dass kein Kind, das einen Nachmittagsbetreuungsplatz braucht, abgewiesen werden muss.
Tips: Demnächst startet eine Evaluierung der Nachmittagsbetreuung an Welser Schulen. Worum geht es?
Reindl-Schwaighofer: Ausgehend von einer Bedarfserhebung soll ein Zukunftsplan erarbeitet und umgesetzt werden. Es muss in jedem Stadtteil ein ganztägiges Betreuungsangebot für die Volksschule und die NMS geben – auch für Ferien und freie Tage während des Schuljahres. Mein Ziel ist eine Qualitätsverbesserung bei der schulischen Nachmittagsbetreuung. Diese muss kostenlos sein, damit auch Kinder aus Familien mit geringem Einkommen davon profitieren und Betreuungszeiten sollen an die Arbeitssituation der Eltern angepasst werden.
Tips: Über die Ganztagsschule gehen die Meinungen auseinander. Was erwarten Sie sich davon?
Reindl-Schwaighofer: Es ist inzwischen unumstritten, dass Familien mit schulpflichtigen Kindern Unterstützung brauchen. Drei von vier Elternteilen lernen regelmäßig zuhause mit ihren Kindern. Das ist besonders für berufstätige Mütter und Väter eine große zeitliche Belastung. Der Ausbau von Ganztagsbetreuung in Welser Schulen senkt die Kosten für Nachhilfeunterricht. Wie gut das funktioniert, wenn die Hausaufgaben bereits in der Schule erledigt werden, zeigt das Projekt „schultaschenfreie NMS“ in Lichtenegg. Durch solche Systeme können Familien wirklich entlastet werden.
Tips: Die SPÖ setzt sich vehement für eine neue Schule im Westen der Stadt ein. Warum braucht Wels gerade dort eine Ganztagsschule?
Reindl-Schwaighofer: Die Kinder sollen dort zur Schule gehen, wo sie wohnen. Laut Prognose der Stadtentwicklung werden wir für den Bereich Lichtenegg, Noitzmühle, Gartenstadt und Wimpassing aufgrund des Zuzugs von Familien mehr als sechs Klassen zusätzlich benötigen. Die Lichtenegger VS 10 muss wegen des schlechten Bauzustandes und der Raumknappheit ohnehin erneuert werden. In der Nähe der Noitzmühle hat die Stadt bereits ein Grundstück für eine neue, größere Volksschule erworben. Wir könnten sofort bauen, wenn der Bürgermeister die erforderlichen Mittel verfügbar macht. Generell sollte in Wels mehr Geld in die Schulinfrastruktur und in pädagogisch hochwertige ganztägige Betreuung in den Pflichtschulen investiert werden. Damit erhöhen sich die Job- und Lebenschancen der Welser Kinder – unabhängig von ihrem familiären, finanziellen, kulturellen oder sozialen Hintergrund.
Tips: Eine letzte Frage an den Kulturreferenten. Was passiert hier in den kommenden Monaten?
Reindl-Schwaighofer: Am 25. September startet ein Bürgerbeteiligungsprozess mit Workshops. Da kann mitbestimmt werden, wie sich Wels in Zukunft kulturell ausrichten wird.Im Oktober soll im Gemeinderat der Beschluss für die Bestellung des Bücherbusses gefasst werden, der dann ab Schulbeginn 2019/20 im Einsatz sein wird. Auf Hochtouren läuft die Planung für ein interessantes Programm zum 500. Todestag von Kaiser Maximilian im nächsten Jahr. 2019 wird auch erstmals ein gemeinsames Kulturmagazin der Stadtregion erscheinen, mit Veranstaltungskalender von Wels-Stadt und Wels-Land.


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