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57 Jahre im Einsatz: Zwei Mal mit dem Rot-Kreuz-Auto rund um den Erdball gefahren

Gerald Nowak, 12.01.2021 11:22

WELS. Die Rot-Kreuz-Karriere von Franz Weingartner begann in einer Garage in der Theodor Körner Straße. Dort war 1963 die Bezirksstelle untergebracht. 57 Jahre später endete sie wieder in einer Garage mit viel Blaulicht und Applaus.

Franz Weingartner war 57 Jahre beim Roten Kreuz aktiv. Foto: Tips
Franz Weingartner war 57 Jahre beim Roten Kreuz aktiv. Foto: Tips

 “Ich habe von dem Ganzen nichts gewusst und kann nur Danke sagen. Es hat mich wirklich tief berührt“, sagt der 77-Jährige im Tips-Gespräch. Neben viel Applaus von den Anwesenden gab es auch noch zahlreiche Geschenke für den langjährigen freiwilligen Helfer.

Bilanz

Eine genaue Bilanz kann Weingartner nicht vorlegen: „Es müssten so um die 22.000 freiwillige Stunden gewesen sein. Als Lenker mit dem Sanitäts-Einsatzwagen bin ich sicher zwei Mal um die Erde gefahren.“ Er war 52 Jahre im aktiven Rettungsdienst tätig. Bei vielen Großveranstaltungen fungierte Weingartner als Einsatzleiter. Der nunmehrige Rot-Kreuz-Pensionist kümmerte sich um die Aus- und Weiterbildung der Helfer. Als Freiwilligen-Referent gehörte er über zwei Jahrzehnte zum Bezirksrettungskommando. Da gibt es naturgemäß viele Geschichten zu erzählen: „Das Prägendste war aber sicher eine Hausgeburt.“ Schwere Verkehrsunfälle gehören leider auch dazu. Doch darüber will Weingartner nicht reden. „Ich erinnere mich lieber an die schönen Stunden und die Menschen, denen wir helfen konnten.“

Die Anfänge

Das war auch der Antrieb, warum er Anfang der 1960er Jahre die ehrenamtliche Arbeit beim Roten Kreuz begann: „Meine Freunde waren da. Wir haben uns alle gekannt und uns teilweise beim Hausbauen geholfen. Die Kameradschaft war vor Jahren sicher größer. Das liegt aber auch daran, dass die Anforderungen an die Helfer mehr als deutlich gestiegen sind. Man ist jetzt eigentlich nur noch unterwegs“, blickt Weingartner zurück.

Zu Beginn seiner Rot-Kreuz-Karriere war es normal, dass man alleine zu Einsätzen ausrückte, ebenso wie 24-Stunden-Schichten: „Wenn ich das jetzt einem Jungen erzähle, der schaut etwas ungläubig.“ Über die Jahre seien die Anforderungen (Krankentransporte, Überstellungen und so weiter) viel, viel mehr geworden. „Jetzt sind 18 Fahrten bei einem 12-Stunden-Dienst fast normal. Da bleibt einfach weniger Zeit übrig, an die Ortsstelle zu kommen.“ Eines muss er aber auch festhalten: „Die Rücksichtslosigkeit der Menschen ist größer geworden. Was sich bei Einsätzen teilweise abspielt, ist nicht feierlich. Die Leute werden uns gegenüber immer aggressiver und unfreundlicher.“

Ski, Rennrad und Haus 

Das ist jetzt für Weingartner endgültig Geschichte. Dafür werden die Tourenski ausgepackt und, wenn es wärmer wird, das Rennrad: „Bei meinem Haus und bei meiner Tochter gibt es auch viel zu tun.“ Also Pensionsschock wird es wohl keinen geben.


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