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Mobilität in Wels: „Wir müssen endlich wegkommen von diesen vielen Einzelmaßnahmen“

Gerald Nowak, 04.08.2022 11:38

WELS. Es ist lange her, dass es in der Stadt ein neues Verkehrskonzept gegeben hat. Das letzte größere Projekt war das für die Innenstadt unter der Ägide von VP-Verkehrsstadtrat Roland Strassl (2003 bis 2009). Immer wieder tauchte das Wort Mobilitätskonzept medial auf. Jetzt kommt hoffentlich Bewegung in die Materie, verspricht der zuständige Stadtrat Stefan Ganzert (SP).

Str. Stefan Ganzert hochkonzentriert am Rad. (Foto: SPÖ Wels)
Str. Stefan Ganzert hochkonzentriert am Rad. (Foto: SPÖ Wels)

Gleichwohl, das Konzept von Strassl ist 2022 noch nicht ganz umgesetzt. 2009 fehlte noch die Öffnung der Roseggerstraße. Durch die Gemeinderatswahl damals verließ die Verantwortlichen der Mut, dies zu tun. Dieses Detail wird bis heute heftigst diskutiert. Im September steht in der Ausschusssitzung beim Thema Verkehr wieder die Öffnung der Roseggerstraße auf dem Tableau: „Wir haben verschiedene Varianten. Die werden wir diskutieren und entscheiden“, sagt Ganzert. Gleichwohl der Referent meint: „Wir müssen endlich wegkommen von diesen vielen Einzelmaßnahmen. Wir brauchen ein Mobilitätskonzept für die ganze Stadt. Wir müssen diskutieren, wie die Mobilität 2035 aussehen soll und nach der Planung die Entscheidungen treffen.“ Wie er selbst zu einer Öffnung der Roseggerstraße steht, lässt er offen.

Zeitplan steht für Ganzert

Der Budgetansatz für die Planungen ist vorhanden: „Wir werden auch in die Gänge kommen. Ich gehe davon aus, dass wir auf Expertenebene rund 18 Monate brauchen werden. Grundsätzlich wird zuerst auf fachlicher Expertenebene diskutiert und geplant“, so Ganzert. Es gibt auch Förderungen seitens des Bundes. Grundsätzlich verfolgt der Referent nachhaltige urbane Mobilitätspläne, sogenannte Sump. „Ich glaube, dass der Individualverkehr mit dem Auto weniger werden muss. Vor allem in der Innenstadt. Kürzeste Wege müssen nicht mit dem Auto erledigt werden“, sagt der Referent.

Deswegen kann er grundsätzlich mit der derzeit lautstarken Forderung nach mehr Radverkehr etwas anfangen: „Doch zuerst müssen wir festlegen, wieviel Anteil am Gesamtverkehr wir daran haben wollen. Dann können Maßnahmen gesetzt werden. Es muss aber auch jedem bewusst sein, dass dies zu gravierenden Änderungen, Wegfall von Parkplätzen und so weiter, führen kann. Es geht zu Lasten anderer Verkehrsteilnehmer“, sagt Ganzert.

Jetzt noch schnell Radstreifen auf die Straße zu pinseln ist zu wenig. Politisch folgt auf die Planungen seitens der Experten sowieso die Nagelprobe, ob man die Maßnahmen mittragen wird und es zu einer Mehrheit kommen kann. Er rechne mit einer politischen Diskussion im Jahre 2024. „Dann folgt die Nagelprobe der politischen Entscheidung, was man haben will oder auch nicht!“

„Viele Wege führen durch Wels“

Grundsätzlich kann Ganzert mit der Forderung nach beispielsweise mehr Radverkehr etwas anfangen. „Wir müssen sicher mutige Schritte setzen, aber auch Anreize setzen. Aber ich kann beispielsweise auf höherrangigen Straßen nicht einfach einen Radfahrstreifen markieren. Viele Wege führen durch Wels. Auf niederrangigen Parallelstraßen kann man vieles machen.“ Wichtig ist für ihn, die Erreichbarkeit zu erhöhen und das betrifft auch Fußgänger und den öffentlichen Nahverkehr. Ein autofreier Stadtplatz ist immer wieder ein Thema: „Eine Bekannte erzählt immer, dass sie so gerne mit dem Auto über den Stadtplatz fährt, um zu sehen, ob Bekannte in den Kaffeehäusern sitzen. Ich halte immer dagegen. Du kannst auch mit dem Rad hinfahren oder das Auto im Messegelände stehen lassen und die fünf Minuten zu Fuß gehen, um in die Stadt zu kommen.“ Man muss die Planungsphase intensiv nutzen, um die Mobilität zukunftsfähig für die nächsten Jahre zu gestalten. Das Auto alleine ist keine Lösung.

Tiefgaragen und Parkplätze

Ein weiteres Detail wird beim Mobilitätskonzept aber auch das Thema Parkgebühren sein. „Es ist in der Stadt sagenhaft billig. Mit einem Euro kann man zwei beziehungsweise über Mittag drei Stunden parken. Die Tiefgaragen sind oft leer. Es stellt sich die Frage, ob wir die Autos an der Oberfläche halten wollen. Das werden wir diskutieren müssen. Es zeigt sich in vielen Städten immer wieder, wenn die Verkehrsberuhigung erfolgt, dann steigert sich die Aufenthaltsqualität für die Menschen. Sie bleiben auch länger. Das ist auch eine große Chance für das Zentrum. Das heißt beispielsweise Grünzonen“, ist Ganzert völlig überzeugt.

Baustellen im Sommer

Derzeit wird in der Stadt viel gebaut und einige Hauptrouten sind erschwert passierbar. Manche sprechen von Chaos: „Das ist in jedem Sommer das Gleiche. Einige regen sich auf. Doch im Verkehrsfunk höre ich nie, dass es Stau in Wels gibt. Den gibt es leider nur nach Unfällen.“

Ermessensbudget auf null

Einige Dinge würde Ganzert schon gerne umsetzen. „Doch das Ermessensbudget steht bei null. Ich kann nicht einfach wo Geld herzaubern. Für Bewusstseinsmaßnahmen bleibt da gar nichts übrig“, kritisiert der rote Stadtrat den freiheitlichen Finanzreferenten, sprich Bürgermeister. Aber bei einer Maßnahme habe Ganzert zumindest im Haus Magistrat einiges erreicht: „Auch wenn die Fahrradstraße an der Traun nicht gerade als der große Wurf gesehen wird. Intern hat sich hier einiges getan. Es wird offener über Maßnahmen für den Radverkehr diskutiert“, sagt Ganzert abschließend.


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