Die Welser Krawall-Nacht hallt immer noch nach
WELS. Es waren 17 Einsätze, die die Feuerwehr in der Silvesternacht abzuarbeiten hatte. Die hatten es aber in sich. Denn es brannten nicht nur sogenannte Müllinseln, sondern auch die Zufahrt wurde blockiert und ein Kastenwagen gesprengt. Die Aufarbeitung hat begonnen.

Betroffen waren die Straubinger-Siedlung, Otto-Loewistraße und die Noitzmühle. Ziemlich genau um Mitternacht beschädigten die Täter einen Kastenwagen. Vermutlich wurden mehrere starke Böller gemeinsam gezündet. Die Polizei war rasch vor Ort und konnten einen 15-jährigen festnehmen. Die vielen anderen Jugendlichen verschwanden in der Nacht. Die Beamten nahmen dem Herrn das Handy ab und fanden ein Video von dem Kastenwagen-Vorfall. Das wird jetzt ausgewertet. Einen Vorwurf will sich der Stadtpolizeikommandant Klaus Hübner nicht gefallen lassen: „Wir hatten doppelt so viele Beamte eingesetzt wie in einer normalen Nacht. Gegen den Vorwurf, es waren zu wenig, wehre ich mich entschieden“, sagt der oberste Welser Polizist. Böller wurden in Mistkübel geworfen und mittels Spray erzeugten die Täter Stichflammen und setzten Abfallcontainer in Brand: „Das sind keine Bagatelldelikte. Es wurde schwerer Sachschaden erzeugt. Das hat weitreichende Folgen für die Jugendlichen“, so Hübner.
Neue Dimension
Feuerwehrkommandant Roland Weber spricht über die Nacht: „Körperliche Übergriffe auf die Feuerwehr gab es in diesem Jahr nicht. Aber die Barrikaden waren schon eine neue Dimension“. Damit spielt Weber auf die aufgebauten Hindernisse bei der Zufahrt an. Der Mob hat sich wohl zu diesen Aktionen zusammengerottet. Die Polizei will vermehrt Kontaktbeamte einsetzen, die eben Möglichkeiten zu Gesprächen mit den Jugendlichen suchen. Die Feuerwehr intensiviert den Kontakt zu den Kulturvereinen. Der Tenor: „Wir müssen Bewusstsein schaffen, was Sachbeschädigungen für Folgen für die Täter hat. Aber auch welche Gefahren sie womöglich Freunden oder der Familie aufhalsen, wenn Barrikaden aufgestellt oder Müllinseln in Brand gesetzt werden.
Blaulichtgipfel am 11. Jänner
Es geht auch um die politische Vorgehensweise. FP-Vizebürgermeister Gerhard Kroiß zuständig für Sicherheit, Integration und Jugend: „Am 11. Jänner gibt es einen Blaulichtgipfel. Einsatzkräfte, die betroffenen Wohnungsgenossenschaften und ich werden uns zusammensetzen und über weitere Vorgehensweisen reden“. Aufklären will Kroiß in den migrantischen Kulturvereinen. „Es geht um den Stellenwert der Polizei und Feuerwehr. Außerdem sind solche Brandstiftungen auch gefährlich. Das müssen wir noch deutlicher hervorheben. Die Täter müssen ausgeforscht und zur Rechenschaft gezogen werden. Die Schadenswiedergutmachung geht richtig ins Geld“.
Kritik kommt von der SPÖ und den Grünen: „Die Zahl der Streetworker in Wels ist halbiert worden“, ärgert sich SP-Vzbgm. Klaus Schinninger. Kroiß reagiert nur, aber er agiert nicht. Es brauche Prävention in der Jugendarbeit. Den Grünen fehlt es an Stadtteilarbeit und Streetwork. Die wird immer mehr ausgedünnt. „In der Noitzmühle hat es schon in den Wochen davor Sachbeschädigungen gegeben“, meint Stadtrat Thomas Rammerstorfer (Grüne). Passiert sei nichts. Den Vorwurf beim Streetwork spare die Stadt lässt Kroiß nicht gelten: „Wir haben gleich viele Mitarbeiter wie vergleichsweise andere Städte unserer Größe. Im Budget haben wir eine Aufstockung der Schulsozialarbeit beschlossen“. Diese kam allerdings erst auf Druck der Allianz (SP, VP, Grüne) zustande.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden