Lambachs Bauern sind kritisch und doch optimistisch
LAMBACH. Mehr Anerkennung für ihre Arbeit, weniger Bürokratie und Steuerentlastungen. Die Gründe, warum Bauern in den vergangenen Wochen in vielen Städten Europas auf die Straße gingen, ist lang. - Eine die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat, ist Maya Lauren Matschek. Die junge Lambacherin hat in der Tips-Redaktion geschnuppert und diese Zeit genutzt, um mit zwei Landwirten aus Wels-Land über deren Erfahrungen und die Herausforderungen hierzulande zu sprechen.

Matscheks Reportage dürfen wir nun veröffentlichen:
Freitagvormittag ist am Lambacher Hauptplatz Wochenmarkt angesagt: Regionale Selbsterzeuger wie Inge Oberleitner aus Gunskirchen und Franz Grabner aus Neukirchen bei Lambach verkaufen hier schon seit Jahren ihre Produkte wie Gemüse und Obst, Würstl und Fleisch. Ein Angebot, das vor allem Einwohner immer wieder kommen lässt.
Optimistisch und weltoffen
„Die meisten von ihnen sind (heimische) Stammkunden, aber auch Wiederverkäufer“, erklärt Oberleitner ihre Hauptkäuferschaft. Die Landwirtin führt unter anderem einen Gartenbau, „die Kinder halten Ziegen und Hühner.“ Schon mindestens seit ihrer Pensionierung vor 15 Jahren steht sie regelmäßig alleine auf den Verkaufsständen in Lambach und Wels. An ihrem Beruf gefalle ihr am meisten der Kundenkontakt, sie hat mit verschiedensten Persönlichkeiten zu tun.
„Und auch wenn einer mal grantig ist. Dann ist er das eben heute und beim nächsten Mal ist er wieder gut drauf“, zeigt sich die Gunskirchnerin stets optimistisch.
Doch manchmal versuchten Passanten auch schon, einzelnes Obst oder Geld zu stehlen. „Vielleicht werden die Menschen immer unverschämter“, befürchtet sie. Oberleitner ist nun zwar vorsichtiger, aber immer noch offen für Neues: „Im April möchte ich bei der diesjährigen Gartenmesse ,Blühendes Österreich´ mitmachen.“
Wertgeschätzte Arbeit
Grabner, der sich auf Ackerbau und Viehhaltung spezialisiert hat, berichtet davon, dass der Handel und seine billigen Preise für Lebensmittel Landwirte zwar zunehmend unter Druck setze. Er persönlich habe sich jedoch (mit dem Wochenmarkt) vor allem bei Einwohnern, „die immer wieder kommen“, wettbewerbsfähig positionieren können, „für alle nachkommenden Bauern könnte das zukünftig schwieriger werden.“
Der Neukirchner selbst geht bei der Produktion seiner Ware stets mit der Zeit. Das fängt beim sich ständig verändernden Ernährungsverhalten der Kunden an – „Wir haben einmal Wurst ohne Pökelsalz hergestellt, weil das gefragt war“ – und geht bis zum Umstieg auf moderne Alternativen der Stromversorgung – „Ich habe auch auf meinem Hof Solar-Panels“.
„Vielfältige Landwirtschaft“
Neue Technologien bringen aber auch neue Herausforderungen: „Die Landwirtschaft insgesamt wird immer vielfältiger. Auch im Hinblick auf die Technik. Ich persönlich kann noch vieles selbst reparieren“, erklärt er. „Fatal“ sei es jedoch, „wenn man landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge nicht mehr herrichten und neu anschaffen muss“, kann Grabner zumindest die Demonstrationen in Deutschland gegen geplante Steuerkürzungen dahingehend nachvollziehen.
„Und ja, auch die Bürokratie ist manchmal viel. Aber am Ende des Tages geht es darum, dass man mit seinen eigenen Händen etwas erwirtschaftet hat. Das man aus dem, was man hat, etwas macht.“
Zukunftswünsche
Für die Zukunft der Landwirtschaft wünschen sich die beiden, dass sich entgegen den Arbeitstrends vergangener Jahre – hin zu mehr Freizeit – noch viele motivierte und geschickte junge Leute finden, die den Beruf eines Vollzeit-Landwirts ausüben wollen: „Dafür muss man vor allem schnell sein“, weiß Oberleitner, die oft viele Kunden gleichzeitig bedient. Und: „Für die Landwirtschaft muss man einfach leben“, fasst Grabner zusammen.


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