„Eine Stadt Wels ohne Messe und ohne Volksfest ist nicht vorstellbar“
WELS. Es gibt viele Themen, die es in der Messestadt zu besprechen gilt. Deswegen bat Tips FP-Bürgermeister Andreas Rabl zum Interview.

Tips: Die Corona-Situation macht es für Wels nicht einfach. Wie geht es in den kommenden Wochen und Monate weiter?
Rabl: Wels ist bislang gut durch die Krise gekommen. Wir haben relativ rasch Hilfspakete geschnürt, von denen der Handel, die Gastronomie und auch Vereine profitiert haben. Auch für besonders betroffene Welserinnen und Welser gab es finanzielle Unterstützung. Wir alle hoffen, dass es im Mai erste Lockerungsschritte geben wird und die Gastronomie und Hotellerie endlich wieder öffnen dürfen. Eine verlässliche Prognose, ob wir bereits diesen Sommer unsere alte Normalität zurückhaben werden, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt allerdings nicht abgeben. In Wels setzten wir trotz der Krise alle geplanten Projekte um, um Arbeitsplätze zu sichern und die Wirtschaft zu stärken.
Tips: Im Zentrum wird viel gebaut. Was passiert in den Stadtteilen?
Rabl: In Wels tut sich derzeit einiges. Größtes Projekt ist natürlich der Umbau des Kaiser-Josef-Platzes, gefolgt von der Attraktivierung des Wochenmarktes und der Rundum-Sanierung des Pollheimerparks im Zentrum von Wels. Aber auch in den Stadtteilen werden viele Vorhaben verwirklicht. Im Stadtteil Pernau entsteht gerade das neue Altstoffsammelzentrum in der Mitterhoferstraße. Die Feuerwache Pernau wird heuer noch in einen Neubau beim Zentralen Betriebsgebäude der Stadt Wels übersiedeln. Und in der Negrellistraße wird der Bau für die neue Kinderbetreuungseinrichtung mit sechs Kindergarten- und zwei Krabbelstubengruppen fertiggestellt. In der Laahen wird der Franziskus-Park neu errichtet, in der Schafwiesen wird Ende des heurigen Jahres der Traunplatz mit einer generalüberholten BMX-Anlage, einem überdachten Rastplatz, einem Kleinkinderspielplatz mit Sand- und Wasserelementen und einem Abenteuerspielplatz mit Niederseilgarten gestaltet und in Lichtenegg wird noch heuer mit der Attraktivierung mit der Parkanlage Am Rosenhag begonnen. Ob dort auch noch mit der Sanierung des barocken Torbogens im Schlosspark gestartet wird, ist noch offen.
Tips: Wie geht es weiter mit der Messe Wels?
Rabl: Seit über einem Jahr sind alle Messen abgesagt. Die gesamte Branche ist daher von massiven Umwälzungen und Verlusten betroffen. Als Stadt stehen wir aber naturgemäß zu unserer Messe und haben diese finanziell abgesichert. Corona hat die Messelandschaft aber nachhaltig verändert. Ich gehe davon aus, dass Publikumsmessen eher an Bedeutung verlieren und Fachmessen mehr in den Fokus rücken werden. Künftig wird auch die Digitalisierung im Messegeschäft eine größere Rolle spielen. Da wir in Wels eine sehr gute Messeinfrastruktur haben, sind wir für Fachmessen und Kongresse aber besonders gut aufgestellt. Es wird auf jeden Fall weitergehen. Eine Stadt Wels ohne Messe und ohne Volksfest ist nicht vorstellbar.
Tips: Im Herbst wird gewählt. Derzeit überschlagen sich die Vorschläge für Projekte fast täglich. Was kommt noch in die Umsetzung?
Rabl: Wir haben in den vergangenen fünf Jahren vieles geschafft und Wels wieder aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Zahlreiche Rankings bescheren uns Bestplätze und bestätigen uns auch in unserer Arbeit. Die Welserinnen und Welser sind wieder stolz auf ihre Stadt. Wir sind aber noch lange nicht am Ende. Es gibt noch vieles, was ich verwirklichen möchte. Ich habe eine klare Zukunftsvision für Wels. In der Politik ist es aber wichtig, mit Augenmaß und Hausverstand vorzugehen, den Menschen zuzuhören, zu verstehen und erst dann zu handeln. Das erste Ziel ist jetzt, die Corona-Folgen zu bewältigen und drohende Armut und Arbeitslosigkeit zu verhindern.
Tips: Ein langfristiger Blick auf Wels. Wie sieht die Stadt 2030 aus?
Rabl: 2030 wird statt dem Messegelände Ost ein „Central Park“ als große Grün-Oase an der Traun entstanden sein. Wels hat ein eigenes S-Bahnsystem und eine gut ausgebaute Radfahrinfrastruktur. Wels ist 2030 Universitätsstadt und für jedes Kind steht ein Kindergarten- oder Krabbelstubenplatz bereit. Die Vermittlung der deutschen Sprache hat oberste Priorität. Wir haben unsere historische Innenstadt erhalten und ausgebaut, sind wirtschaftlich erfolgreich und schuldenfrei, haben eine schlanke Verwaltung und rund 65.000 Einwohner. Wels wird eine pulsierende und lebenswerte Stadt sein.
Tips: Was ist aus Ihrer Sicht derzeit das größte Zukunftsproblem?
Rabl: Sorgen machen mir die fehlenden Deutschkenntnisse in den Kindergärten und Schulen. So haben mehr als 72 Prozent der Kinder in den städtischen Kindergärten Sprachförderbedarf. In den Volksschulen ist dieser Wert noch höher. Die von der Stadt eingeführte Sprachförderung in den Kindergärten wirkt bereits, es braucht aber mehr Anstrengungen von Seiten des Landes und des Bundes. Nur mit ausreichenden Sprachkenntnissen haben diese Kinder die Chance auf eine gute Ausbildung und einen sicheren Job. Wir brauchen daher – insbesondere nach Corona - auch für Wels eine Bildungsoffensive.


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