Schweinebauern in Wels unter Druck: Existenz gefährdet
WELS. Österreichs Schweinebauern schlagen Alarm. Aufgrund internationaler Verwerfungen und der Dürre ist die Situation in der Schweinehaltung aktuell mehr als schwierig. Besonders betroffen ist die Region Wels: Wels und Wels-Land sind neben der Südoststeiermark der schweinedichteste Bezirk Österreichs. In den beiden Bezirken gibt es mehr als 53.000 Schweine bei insgesamt 426 schweinehaltenden Betrieben.

Landwirtschaftskammerpräsident Franz Waldenberger und Johann Stinglmayr, Leiter der Beratungsstelle Schweinehaltung der Landwirtschaftskammer, informierten in einer Pressekonferenz über die bedrohliche Lage – auch für die Schweinebauern in der Region.
Zölle und Dürre
Der internationale Markt und die Dürre setzen Österreichs Schweinebauern gewaltig unter Druck. Zum einen verhindert China mit Zöllen die üblichen Importe von spanischem Schweinefleisch, welches nun billig den europäischen Markt überschwemmt. Zum anderen gibt es aufgrund der Dürre einen Mangel an heimischen Futtermitteln. „Die Frage ist nur, wann der Mais zu Ende geht. Und dann stehen die Ferkelmäster vor der Entscheidung, ob sie Futter zukaufen oder keine Ferkel mehr einstellen“, kennt Waldenberger das Dilemma.
Tatsache ist, die Preise für Schweine sinken (Anfang Oktober lag der Deckungsbeitrag pro Mastschwein bei minus sechs Euro) und die Produktionskosten für Futter und Energie steigen. „Die Stimmung ist entsprechend gedrückt“, weiß der Kammerpräsident.
Massive Investitionen notwendig
„Die Bauern zahlen momentan dazu und wir machen uns wirklich Sorgen, wie das weitergehen kann“, gibt Waldenberger zu bedenken. Denn die Anforderungen steigen weiter. Bis 2033 braucht es Bewegungsbuchten im Abferkelbereich und im Deckzentrum. Aufgrund des Vollspaltenverbots sind bis 2034 außerdem neue Ferkelaufzuchtställe und Mastplätze notwendig.
Die gesetzlichen Vorgaben stellen die Schweinebauern vor massive Investitionen. „Wir rechnen mit Investitionen von bis zu 1,5 Millionen Euro, um sich für die Zukunft aufzustellen“, erklärt der Präsident, was auf die Betriebe zukommt. „Dabei sind die Ställe teilweise noch gar nicht abgeschrieben. Es braucht also Unterstützung durch die öffentliche Hand. Die in Aussicht gestellten Förderungen sind bei weitem nicht mehr ausreichend“, stellt Waldenberger klar.
Existenz zahlreicher Familienbetriebe gefährdet
Johann Stinglmayr, der viele Schweinehalter berät, fordert vom Gesetzgeber, die Übergangsfristen neu zu überdenken, weil die Bauern massive Einkommensverluste hinnehmen müssen. „Selbst leistungsstarke Betriebe können ihre Vollkosten nicht mehr voll decken. Die aktuelle Situation gefährdet die wirtschaftliche Existenz zahlreicher Familienbetriebe“, stellt Stinglmayr fest.
Er und Waldenberger fordern außerdem einen vollen Ausgleich durch die öffentliche Hand für den Wettbewerbsnachteil, den heimische Bauern aufgrund der in Österreich geltenden höheren Standards gegenüber anderen EU-Produzenten haben.
„Wer höhere Standards in der Produktion fordert, muss auch dafür sorgen, dass die Betriebe diese finanzieren können. Unsere Schweinehalter brauchen jetzt Marktperspektiven und Planungssicherheit, damit sie in Stallungen zur Erfüllung der neuen Tierhaltungsstandards investieren können“, fordert Waldenberger.
„Derzeit haben wir 100 Prozent Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch. Es besteht aber die Gefahr, dass uns die Schweineproduktion wegbricht“, warnt der Landwirtschaftskammerpräsident angesichts der prekären Situation für die Schweinebauern.
Dauerausstellung Abferkelbuchten
Um die Schweinezüchtern der Region zu unterstützen hat die Landwirtschaftskammer in der Bezirksbauernkammer Wels mit einer Dauerausstellung für Abferkelbuchten einen Bildungs- und Beratungsschwerpunk gesetzt. Weil die Besichtigung von bereits umgebauten Schweinestallungen eines Berufskollegen in Zeiten von Afrikanischer Schweinepest und Maul- und Klauenseuche nicht mehr möglich ist, hat die Beratungsstelle für Schweinehaltung eine permanente Ausstellung in Wels eingerichtet.
„In enger Zusammenarbeit mit den namhaften heimischen Stallbaufirmen wurden dort fünf unterschiedliche Bewegungsbuchten in Originalgröße eingebaut“, erklärt Stinglmayr. Schweinehalter können die verschiedenen Bewegungsbuchten vor Ort vergleichen und das für ihren Betrieb passende System auswählen. Alle ausgestellten Lösungen sind bereits in der Praxis im Einsatz und verbinden höhere Tierwohlstandards mit Praxistauglichkeit. Eine Beratung seitens der Kammer wird ebenfalls angeboten.








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