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WELS. „Warum?“ ist eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die in ihrer Familie einen Kontaktabbruch erlebt oder sich dafür selbst entschieden haben. Mehrere Treffen hat die Gruppe rund um das Gründer-Duo Katja Frey und Harry Sumah bereits absolviert. Tips-Redakteur Gerald Nowak hat sich mit den beiden unterhalten.

Katja Frey und Harry Sumah (Foto: privat)
Katja Frey und Harry Sumah (Foto: privat)

Tips: Seit einem halben Jahr gibt es die Selbsthilfegruppe „Warum?“ Wie waren eure Erfahrungen in dieser Zeit?

Harry:Wir wurden von der Zahl der Teilnehmenden und der Vielfalt ihrer Geschichten überrascht. Gleichzeitig fühlen wir uns bestätigt: Der Bedarf an einer solchen Gruppe ist eindeutig da. Bei jedem Treffen zeigt sich, wie wertvoll der Austausch ist. Viele erleben, mit ihrer Situation nicht allein zu sein, und erkennen sich in den Geschichten der anderen wieder.

Katja:Wir haben außerdem gemerkt, dass es zwei geschützte Räume braucht: einen für Menschen, die den Kontakt abgebrochen haben, und einen für jene, zu denen der Kontakt abgebrochen wurde. Die Bedürfnisse und Erwartungen unterscheiden sich deutlich. Deshalb werden wir die Gruppen künftig abwechselnd trennen, damit beide Perspektiven ausreichend Platz bekommen.

Tips: Kontaktabbruch bei Familien, Entfremdung und Einsamkeit sind eigentlich Themen, die gesellschaftlich sind. Trotzdem wird geschwiegen. Woran liegt es?

Harry:Bei unseren Treffen zeigt sich, wie schambehaftet dieses Thema ist. Viele erzählen, dass niemand in ihrem Umfeld davon weiß. Besonders Menschen, zu denen der Kontakt abgebrochen wurde, haben sich oft nicht getraut, nach dem „Warum?“ zu fragen. Sie bleiben verletzt und mit offenen Fragen zurück. Katja: Wir schweigen, weil familiäre Entfremdung nicht zu unserem Idealbild von Familie passt. Viele fürchten, als undankbar, schwierig oder selbst schuld beurteilt zu werden. Auch Einsamkeit wird individualisiert: Man solle sich mehr bemühen oder den Kontakt wieder aufnehmen. Dabei kann Abstand ein notwendiger Schutz sein, und einsam können sich auch Menschen fühlen, die nach außen gut funktionieren. Wir brauchen mehr Verständnis, weniger Schuldzuweisungen und die Bereitschaft, offen über diese Themen zu sprechen.

Tips: Bei einem früheren Gespräch war eure Absicht hinter der Gründung: Eine Gruppe kann mehr bewegen als ein Einzelner. Hat sich das bestätigt?

Harry:Ja, diese Erfahrung machen wir. Einige sind mit konkreten Ideen aus den Treffen gegangen. Ob diese bereits umgesetzt wurden, wissen wir noch nicht. Ein Erfolg ist aber sichtbar: Viele verlassen die Treffen erleichtert und hoffnungsvoller. Sie erleben, dass ihre Geschichte gehört wird und andere ähnliche Situationen kennen. Nach einem halben Jahr ist die Gruppe noch im Aufbau. Wir hoffen, dass sie sich weiter etabliert und die Mitglieder sich künftig eigenständig vernetzen und unterstützen.

Tips: Am 28. Oktober ist das nächste Treffen im Alten Schlachthof. Wer kann kommen?

Katja: Bisher waren unsere Treffen gemischt. Wir haben jedoch gemerkt, dass es hilfreicher ist, Eltern und Großeltern von erwachsenen Kindern beziehungsweise Enkelkindern zu trennen. Die Bedürfnisse von Menschen, die den Kontakt abgebrochen haben, unterscheiden sich deutlich von jenen, deren Kontakt abgebrochen wurde. Deshalb finden die Treffen künftig abwechselnd statt: Für Eltern und Großeltern in ungeraden, für erwachsene Kinder und Enkelkinder in geraden Monaten. Im Oktober ist der Raum für Kinder und Enkelkinder geöffnet. Bitte respektiert den geschützten Raum und die monatliche Zuordnung.

Das nächste Treffen findet am Mittwoch, 28. Oktober um 19 Uhr im FreiRaum im Alten Schlachthof, Dragonerstraße 22 in Wels statt. Kontakt: hallo@selbsthilfe.at. Informationen und Termine: www.warum-selbsthilfe.at


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