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Wien/OÖ. Was die Zukunft der gedruckten Zeitung angeht, scheiden sich die Geister der Fachleute: Die einen leisten dem Print Sterbebegleitung und sehen in den multimedialen und interaktiven Möglichkeiten, die das Internet bietet, neue Chancen. Die anderen sorgen sich um das gedruckte Wort und damit auch um den Qualitätsjournalismus. Am Printgipfel der Österreichischen Medientage diskutierten heimische und deutsche Experten über die „Zukunft des Gedruckten“.

Digitalisierung nicht zum Aufhalten
Digitalisierung nicht zum Aufhalten

Print überlebt schon länger als vor Jahren noch gedacht und hat Daseinsberechtigung. Dennoch kommt in der Debatte am Campus der Wiener Wirtschaftsuni  immer wieder der Begriff „Digitalisierung“ auf den Tisch. „Wer konkurrenzfähig sein will, muss längst radikal digitalisiert haben“, so Oliver Eckert, Geschäftsführer des deutschen digitalen Publishers Burda Forward. Eine Zeit lang könne man mit dem Printprodukt noch Geld verdienen, doch diese müssen sich in naher Zukunft in die Nische verabschieden. Der Tiroler Verleger Hermann Petz, Chef der Moser Holding, zu der auch die „Tiroler Tageszeitung“ gehört, sieht das nicht so. Er stellte klar, dass die gedruckte Zeitung im Regionalbereich noch immer eine große Rolle spielt. Print mache in seinem Hause etwas mehr als 50 Prozent aus und sei sehr profitabel.

Die Zeitung als ultimative Browser

Das Printstück am Frühstückstisch biete dem Leser in wenigen Minuten einen Nachrichtenüberblick, lobt Eugen Russ, Geschäftsführer der Russmedia, die gedruckte Zeitung. 800 Meldungen auf 36 Seiten, durchgeblättert in fünf bis sieben Minuten – kein Internetbrowser biete einen so schnellen Überblick wie die Zeitung. Zudem seien die klassischen Redakteure speedmäßig ebenso schnell wie die Online-Welt. Man bedenke, was alles eine Stunde vor Redaktionsschluss geschehen kann: Aufmacher-Story, Headline, Foto und vielleicht sogar noch eine Hintergrundstory.

Zukunft kann nicht verdrängt werden

Der Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Mathias Müller von Blumencron, meint: „Es ist nicht relevant, in welcher Form Journalismus erscheint. Wir können die Zukunft nicht verdrängen, sondern Verlage müssten lernen, digital zu verkaufen, und alle Tricks des E-Commerce nutzen.“  Es seien die besten Zeiten für Journalismus, aber eine dramatische Krise im Geschäftsmodell, meint der frühere Spiegel-Online-Chef.  Um der sinkenden Reichweite von Print entgegenzuwirken, müsse man, so sein Appell, „innerhalb der Verlage eine Start-up-Kultur etablieren“, neue Ideen gegeneinander antreten lassen, um Innovation zu fördern.

Schlussrunde

Das Podium einigte sich letztendlich darauf, dass das Gedruckte, also Printmedien, eine Zukunft habe, jedoch die Online-Flut schon da sei. Zudem sei die Qualität im Print unterm Strich eine bessere. Oliver Eckert, der sich seit 15 Jahren mit dem Digitalen beschäftigt, brachte dazu ein nettes Beispiel: Auch das erste Handy sei in punkto Gesprächsqualität hinter dem altbewährten Festnetz zurückgeblieben. Heute gibt es das Festnetz nicht mehr, führte Eckert aus: „Die digitalen Medien werden mit zunehmender Profitabilität auch qualitativ besser werden.“


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