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ZELKING-MATZLEINSDORF. Anton Harrer erforschte die Geschichte der Herren und Frauen von Zelking und verfasste ein Buch zu dem Thema. Bei einem Vortrag im Stift Melk berichtete er von seinen Erkenntnissen. Im Gespräch mit Tips verrät der Forscher interessante Details seiner Arbeit.

Heimatforscher Anton Harrer.
Heimatforscher Anton Harrer.

Tips: Herr Harrer, wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, ein Buch über die Historie der Herren und Frauen von Zelking zu schreiben?

Harrer: Ich bin in Zelking aufgewachsen und hatte die Ruine Zelking täglich vor Augen. Da die Informationen über den geschichtlichen Hintergrund der Ruine für mich unbefriedigend waren, habe ich mich immer wieder mit der Geschichte der Burg und ihrer Besitzer auseinandergesetzt. Nach meiner Pensionierung intensivierte ich diese Nachforschungen und erreichte schließlich einen Informationsstand, von dem ich mir dachte, es könnte auch andere interessieren. Und so war die Idee zum Buch geboren.

Tips: Welche sind Ihre interessantesten Forschungserkenntnisse?

Harrer: Dass das anfangs von mir als ziemlich bedeutungslos eingeschätzte Geschlecht der Herren von Zelking weit mehr Bedeutung und Gewicht hatte und dass auch diese adeligen Menschen waren – mit all den täglichen Problemen, wie Krankheit und Todesfällen – und wie in der Familie damit umgegangen wurde. Spannend ist auch, dass die Herren von Zelking als Vorfahren in fast sämtlichen Stammbäumen der europäischen Königshäuser vorkommen.

Tips: Welche Rolle haben die Herren und Frauen von Zelking für die Landes- und Kulturgeschichte Niederösterreichs gehabt?

Harrer: Diese Frage ist schwer zu beantworten. Tatsache ist, dass sie bei der Gründung des Klosters Seitenstetten eine bedeutende Rolle gespielt haben. Reginbert von Zelking (Hagenau) gründete ursprünglich gemeinsam mit seinem Schwager Udalschalk von Heft und Stille ein Kanonikerstift Seitenstetten. Nach dessen Auflösung gründete Udalschalk alleine das Benediktinerstift, welches aber zahlreiche Grundstücke in und um Zelking dazu erhielt. Über viele Jahre hindurch waren die Zelkinger Grundherren in Zelking, Schönegg, Freid­egg, Schallaburg, Sierndorf und Dürnstein - Tal Wachau. Zahlreiche Markterhebungen gehen auf ihre Initiativen zurück. Sie waren in hohen politischen Ämtern tätig und traten durch kulturelle Stiftungen in Erscheinung. Ihre Bedeutung ist auch für Oberösterreich sehr groß. Das Schloss Weinberg war über Jahrhunderte ihr Zentrum und der Flügelaltar Kefermarkt ist ihre Stiftung.

Tips: Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet und wie sah die Quellenlage aus?

Harrer: Seit den 70er Jahren habe ich mich immer wieder mit diesem Thema befasst, dazwischen waren aber auch immer wieder mehrjährige Pausen. Die Quellenlage ist sehr gut, was auch die Bedeutung dieses Geschlechts unterstreicht. Die Unterlagen über die Weinberger Linie der Zelkinger befinden sich im OÖ Landesarchiv. Im NÖ Landesarchiv befinden sich ebenfalls zahlreiche Originalurkunden. Speziell das Archiv der Zinzendorfer war mit 37 Archivkartons eine wahre Fundgrube.

Tips: Was macht das Thema für heutige Generationen interessant?

Harrer: Wenn man sich die Lebensbedingungen ab dem 16. Jahrhundert anschaut, dann wird man viele Ähnlichkeiten zu heute finden. Ständige Bedrohung durch die heranrückenden Feinde, Glaubensspaltung, Religionskämpfe, Konfrontation mit dem Tod und die Hilflosigkeit in der Krankheit. Wie ging man mit Bildung um? Die Geldwirtschaft – auf der einen Seite unglaublicher Prunk, auf der anderen Seite extreme Armut. Schulden über Schulden, kaum dass jemand seine Kredite wirklich zurückzahlen konnte. Die Stellung der Frauen, und so weiter. Da kann man sich die Frage stellen: Wie gut geht es uns im Verhältnis dazu eigentlich heute? Jede Eigentumswohnung ist mir lieber als das prächtigste Schloss.

Die Herren und Frauen von Zelking

Das Buch „Die Herren und Frauen von Zelking. Eine Spurensuche“ ist beim Bildungs- und Heimatwerk NÖ erhältlich - Telefon: 02742/311337


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