Hermann Knoflacher: Einbahnstraße Waldviertelautobahn

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Eva Leutgeb Eva Leutgeb, Tips Redaktion, 20.10.2019 07:00 Uhr

WALDVIERTEL/SPRÖGNITZ. Der Firma Sonnentor mit Sitz in Sprögnitz im Bezirk Zwettl ist es ein wichtiges Anliegen, dass die Waldviertel Autobahn in der Öffentlichkeit kritisch diskutiert wird. Aus diesem Grund war der Verkehrsexperte Hermann Knoflacher zu Gast beim Bio-Pionier.

„Autobahnen taugen nicht als Regionalentwicklungsprogramm. Sie führen zu verstärkter Pendeltätigkeit, zum Umstieg vom Zug auf die Straße, zu Abwanderung von Unternehmen sowie Arbeitskräften“, weist der Experte anhand der Systemwirkungen und praktischen Erfahrungen nach. Sonnentor Gründer Johannes Gutmann stimmt dem zu: „Uns wird von der Politik erzählt: “Eine Waldviertel Autobahn bringe Arbeitsplätze.„ Eine Autobahn schafft keine Arbeitsplätze, innovative Ideen und Menschen mit Mut schaffen Arbeitsplätze. Sonnentor transportiert auch auf den bestehenden Straßen über 30.000 Paletten pro Jahr. Passen wir auf unsere einzigartige Landschaft gut auf und opfern wir diese nicht der schnellen und schmutzigen Gier.“

Aufklärende Fakten

In seinem Vortrag weist Knoflacher unter anderem darauf hin, dass in Österreich 254 Kilometer Autobahn pro Million Einwohner existieren. Damit ist das Autobahnnetz im Verhältnis zur Einwohnerzahl um rund 70 Prozent größer als jenes von Deutschland. Außerdem sei es eine Tatsache, dass sich an Autobahnen Konzerne ansiedeln und die Kaufkraft absaugen. Zudem beschäftigen Shoppingzentren und Konzerne bei gleichem Umsatz nur ein Fünftel der Menschen als vergleichbare lokale Betriebe und Geschäfte. Anwesende Gäste aus Stockerau stimmten der Gefahr einer solch negativen Entwicklung zu. Seien solche Folgen doch genau vor ihrer Haustüre passiert.

Meinungsführer fordern Umdenken

Neben Knoflacher brachten auch andere anwesende Meinungsführer ihre Bedenken zu diesem Thema ein. Etwa plädierte Teichwirt Thomas Kainz von der „Plattform lebenswertes Waldviertel“ darauf, nicht alles blind zu glauben, was die Politik aktuell verspricht: „Auch wenn postuliert wird, dass keine Rede von einer Transitautobahn ist – wenn die Straße fertig ist, wird der Transitverkehr sicher kommen“. Kainz fordert daher eine Prüfung des Verkehrs durch unabhängige Fachleute in einem offenen Verfahren unter Einbindung der Bevölkerung der betroffenen Regionen. So könnten mit weniger Budget klimafreundlichere Lösungen geschaffen werden. Auch Knoflacher setzt sich für eine umweltschonende zukunftsfähige Verkehrspolitik ohne weiteren Ausbau von Autobahnen ein: „Zukunftsfähige Länder verbessern und fördern den öffentlichen Verkehr mit flexiblen Lösungen. Das schafft auch Beschäftigungen.“ So rechnet der Experte vor, dass der Ausbau einer Autobahn pro Milliarde Euro rund 10.000 Arbeitsplätze bringt – während es beim öffentlichen Verkehr 16.440 Arbeitsplätze wären – ein Plus von satten 64,4 Prozent, wobei bei der Revitalisierung der Nebenbahnen vor allem die lokalen Unternehmen zum Zuge kommen. „Ich hoffe, dass die Entscheidungsträger sich mit diesen Fakten auseinandersetzen, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird“, betont Gutmann.

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Kommentare

  1. Waldviertel ObenAuf
    Waldviertel ObenAuf 22.10.2019 19:20 Uhr

    Autostrada vs. Lebens- u. Naturraum - Liebe LeserInnen, liebes Tips Team! Danke für den wichtigen Beitrag! Finde die Bemühungen gegen die Reisenstraße sehr Gut ! Österreich als Vorbild im Naturschutz ist weltberühmt - ein Autobahnbau widerspricht dem. Sogar E. Pröll war dagegen - hat die Umfahrung Maissau gebaut. Ein wenig Entspannung würde den "Verantwortlichen" sehr gut tun - Sie wirken derzeit wohl überfordert, alternativlos, ausgebrannt und fremdgesteuert. Alles Gute für die Initiative ! Betroffene Waldviertlerin

    • Betina Z22.10.2019 20:10 Uhr

      Natura 2000 Gebiete - Hallo,

      Eine Planung einer Autobahn durch und neben bestehende Natura 2000 Gebiete erachte ich weder als besonders nachhaltig oder als klug. Ob das rechtlich hält? Eine EU Klage wegen naturschutzrechtlicher Bedenken ist vorhersehbar. Das darf dann alles wieder die Steuerzahlerin blechen. Mit solchen Plänen ist in naher und weiterer Zukunft keinen in der Region geholfen! Mann stell sich nur die Belastungen beim Bau vor! Vor 40 Jahren ist die Trasse schon einmal gescheitert. Warum soll das jetzt gehen? Andere Optionen für einen Neubau sind ähnlich bescheuert!

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