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Bitcoin: Das „Goldschürfen“ im digitalen Zeitalter - eine Bestandsaufnahme

Katharina Vogl, 09.03.2018 19:00

ZWETTL/WALDVIERTEL. Kryptowährungen sind in aller Munde. Doch die wenigsten wissen wirklich, was dahinter steckt. In jedem Fall eine komplexe mathematische Höchstleistung. Tips hat sich den Hype rund um die digitale Währung genauer angesehen.

Patricia Mayerhofer vor einem Bitcoin-Automaten in Linz
  1 / 4   Patricia Mayerhofer vor einem Bitcoin-Automaten in Linz

Er wird nicht physisch gedruckt, sondern mithilfe einer speziellen Software, die mathematischen Formeln folgt, generiert - der Bitcoin, die dominanteste aller rund 1500 digitalen Währungen am Markt. Mit entsprechender Hochleistungs-Hardware, der geeigneten Software und einem entsprechendem Know-how könnte theoretisch jeder zum „Miner“ werden, sich also elektronisch seine eigenen Bitcoins erschaffen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Zuhause am Computer zu schürfen kostet nicht nur viel Strom - der Rechner surrt, produziert viel Lärm und heiße Luft. „Ein normaler PC würde die benötigte Leistung nie erbringen“, weiß Patricia Mayerhofer, die 2017 in das Mining-Geschäft eingestiegen ist (“frau-bitcoin.at“) Daher vertreibt sie für das Unternehmen „Wachsende Werte“ auf selbstständiger Basis die dafür eigens konzipierte Hardware, den sogenannten „Miner“. Dieser erbringt die erforderliche Rechenleistung im Dauerbetrieb, mit der die Kryptowährung schließlich erzeugt werden kann. Die entsprechenden Miner werden durch Hostingunternehmen in Betrieb genommen und gewartet und sollten idealerweise dann Erträge auf das jeweilige Bitcoin-Konto (“Wallet“) abwerfen. Das jeweilige Konto ist wiederum über eine spezielle App abrufbar.

Blockchain - die Zukunft?

Die komplexe Technologie hinter Bitcoin nennt sich Blockchain, diese weckt gerade das Interesse von Unternehmen, Institutionen und Regierungen. Patricia Mayerhofer sieht in dieser dezentralen Verwaltung, die keiner Kontrolle durch eine Institution bedarf, sogar die Zukunft. „Es ist grenzenlos, man kann transnationale Transaktionen schnell und mit einem Klick abwickeln, es wird nicht von einer Zentrale überwacht, die wiederum ein Stück vom Kuchen möchte“, erläutert Mayerhofer.

Streng limitiert

Sie vertraut nach eigenen Angaben der Kryptowährung mittlerweile mehr als dem Euro, denn im Gegensatz zur jährlichen Inflation gäbe es bei den Kryptos eine Deflation. Zudem steuere keine Zentralbank und kein Staat das Geld, indem es einfach mehr drucke, sondern der Bitcoin ist gemäß einem Protokoll streng limitiert. „Maximal 21 Millionen Bitcoins können geschürft werden“, weiß Mayerhofer. Dabei sei das nicht nur mengenmäßig sondern auch zeitmäßig limitiert, „innerhalb einer gewissen Zeit kann vom Netzwerk nur eine gewisse Menge erzeugt werden“, damit wird die genannte Maximalmenge nach jetzigen Schätzungen erst im Jahr 2130 erreicht.

Die 32-Jährige verfügt selbst über eine geringe Menge an Bitcoins, allerdings viel mehr als Wertanlage, nicht um damit spekulativ zu handeln. Auch sie war anfangs skeptisch, ein getätigter Kontoauszug und der darauffolgende Ärger über die kaum vorhandenen Zinsen veranlasste sie, die „Seiten zu wechseln“.

Diebstahl ist Thema

An einigen Standorten, gibt es bereits Automaten, wo man eine gewünschte Geldsumme an Euro in Bitcoins umtauschen kann. Der nächste findet sich in Gars am Kamp. Mittels QR-Code wird die jeweilige Summe auf das Konto (“Wallet“) geladen, am Ende erhält man einen Beleg. „Diesen bitte unbedingt aufheben, der wird wichtig, wenn du die Coins wieder umtauschen möchtest“, rät Patricia zur Ordnung. Hat man den Wert auf sein Smartphone geladen, sollte der Bitcoin-Inhaber dieses gut im Auge behalten. „Wir hatten schon Fälle, wo Hacker das Handy anzapften und die Bitcoins waren weg.“

Immer wieder wird Diebstahl in Zusammenhang mit digitaler Währung zum Thema. Sobald ein gewisser Betrag am Konto ist, empfiehlt Patricia die Verwahrung in einem sogenannten „Ledger“. „Das ist ein gut gesicherter Tresor, wo man die Bitcoins und andere Kryptos einfach rüberspielt.“

Immenser Stromverbrauch

Was man wissen muss: Die als Schürfen oder Mining bezeichnete Herstellung von Bitcoin benötigt eine hohe Rechenleistung. Für jeden neuen Mining-Vorgang wird die gesamte Kette der bisherigen Transaktionen dokumentiert, wodurch der Aufwand mit jedem neu geschaffenen Bitcoin höher wird. Im November des vergangenen Jahres titelten Nachrichtenagenturen, dass das System hinter Bitcoin mittlerweile mehr elektrische Energie benötige (jährlich 29,863 Terawattstunden), als 159 Staaten der Erde zusammen. Hält der Bitcoin seinen Erfolgskurs, so bräuchten die Miner, hypothetischen Rechnungen zufolge, bis 2020 den weltweit produzierten Strom, den alle (heute bestehenden) Kraftwerke liefern würden.

Immer mehr setzen daher auf „ökologisches Schürfen“, so auch die bereits genannte Firma „Wachsende Werte“, für die Patricia Mayerhofer die Miner verkauft. „Wir hängen an Wasserkraftwerken und sprechen daher von Green-Mining.“ Kleine Kraftwerke profitieren vom Boom rund um ihre Untermieter, die sogenannten „Mining-Farmen“, da nicht zuletzt da ein 24-Stunden-Stromverbrauch garantiert wird. Im Gegensatz zum Waldviertel, wo laut Mayerhofers Erfahrung noch vielfach Skepsis vorherrsche, boomt das Mining etwa in Island, nicht zuletzt aufgrund der günstigen Strompreise und den kühlen Temperaturen.

Banken sind skeptisch

Banken, allen voran die Österreichische Nationalbank, stehen der neuen Zahlungsmethode naturgemäß skeptisch gegenüber.

So spricht auch Franz Pruckner, Vorstandsvorsitzender der Waldviertler Sparkasse von einem spannenden, aber stark risikobehafteten Phänomen: „Der Wert der jeweiligen Währung hängt rein vom Interesse und Vertrauen ab und ist völlig entkoppelt von realwirtschaftlichen Entwicklungen. Das bedeutet, dass Höhenflüge, wie sie etwa bei Bitcoin vorkommen, möglich sind, aber ebenso ein Wertverlust bis zum Totalverlust eintreten kann. Wir raten von solchen Investments aufgrund des extrem spekulativen Charakters und den aktuell noch vielen Unsicherheitsfaktoren jedenfalls ab. Bitcoins und andere Internet-Währungen haben das Potential, zu einer Verunsicherung des Geldsystems zu führen, haben Sicherheitslücken, sind anfällig für Hacker und Phishing, intransparent und sind bislang ein System ohne entsprechender Kontrolle.“

Für Patricia Mayerhofer ist die skeptische Einstellung der Banken kein Geheimnis, schließlich sei es ein Konkurrenzprodukt. „Wobei es mich nicht wundern würde, wenn einige Banker privat die Kryptowährungen im „Keller“ horten“, meint sie mit einem Augenzwinkern.

Kastner: „Stehen erst am Anfang einer spannenden Entwicklung“

Etliche Onlineshops oder Firmen wie Tesla oder Lieferando akzeptieren die digitale Währung mittlerweile als Zahlungsmittel. Auch die Kastner Online-Partnerfirma myProduct.at bietet als erster österreichischer Lebensmittelonlineshop Kryptowährungen als Zahlungsmittel an.

„Einerseits ist es für uns wichtig zu lernen, wie solche Kryptowährungen funktionieren. Andererseits ist die Technologie, die dahinter steht, die Blockchain, hochinteressant“, meint Christof Kastner, geschäftsführende Gesellschafter der Kastner Gruppe. Der oft zitierte riesige Stromverbrauch sei für ihn ein relatives Argument. „Dabei wird verschleiert, dass die gesamte Produktion von Münzen und Papiergeld sowie die Logistik dahinter ein enorm aufwendiger Prozess ist.“ Dies reiche von den Rohstoffen, die für die stetige Geldproduktion benötigt werden, bis zum Betrieb von Bankomaten und Druckereien.

Kastner selbst ist ebenso im Besitz von digitaler Währung, wenn auch nur von geringem Wert. „Es ist für mich wichtig, um ein erstes Gefühl dafür zu bekommen. Wir stehen erst am Anfang einer spannenden Entwicklung, die aus meiner Sicht großes Potential hat, wo aber noch viele Fragen im Raum stehen.“

„Das Schwanken musst du aushalten können“

Auch wenn in den ersten Wochen 2018 oft vom Sinkflug des Bitcoin zu lesen war, glaubt Patricia Mayerhofer fest an den Durchbruch der digitalen Währung, ein Totalverlust des Bitcoins erscheint ihr sehr unwahrscheinlich. „In Summe ist Bitcoin seit 2009 stetig gestiegen, das Schwanken musst du aushalten können.“

Das Geschäft mit der digitalen Währung läuft gut. International zu wachsen, das ist die Vision, die Patricia Mayerhofer mit vielen teilt. Das begeisterte Feedback ihrer Kunden treibt sie weiter an - sie wird diesen Sommer unter anderem in die USA reisen, um dort das Netzwerk auszubauen und schrittweise Fuß zu fassen.

Apropos: der Bitcoin knackte Mitte Februar wieder die 10.000-Dollar-Marke, aktuell liegt der Kurs bei 8.836,59 Dollar (Stanbd 9. Februar 2018, Quelle: coinmarketcap.com).


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