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Freizeitunfall kostete Bäcker den Job: AK Zwettl präsentierte Halbjahresbilanz

Olivia Lentschig, 27.08.2018 08:00

BEZIRK ZWETTL. Doppeltes Unglück widerfuhr einem jungen Bäcker aus dem Bezirk Zwettl. Nicht nur dass er sich am Arm verletzte und sich daher krankmelden musste. Auch seinen Job in der Bäckerei, in der er auch schon seine Lehre absolviert hatte, kostete ihn der Unfall in der Freizeit. Denn als der Chef von der Verletzung des Zwettlers erfuhr, sprach er prompt die Kündigung aus. Mit der Endabrechnung kam der junge Mann schließlich zur AK, um die Zahlen kontrollieren zu lassen.  

Insgesamt hat die Bezirksstelle im ersten Halbjahr fast 900.000 Euro für Arbeitnehmer der Region erstritten, sagt Bezirksstellenleiter Jürgen Binder. Foto: AK Zwettl

„Aus den Unterlagen wurde ersichtlich, dass es sich um eine Kündigung im Krankenstand gehandelt hat“, erklärt Jürgen Binder, Leiter der Bezirksstelle Zwettl. Das bedeutete für den Bäcker, dass ihm die Entgeltfortzahlung bis zum Zeitpunkt der Gesundmeldung rund vier Wochen später zustand. Außerdem waren ihm auch weitere offene Ansprüche wie die Bezahlung von 80 Überstunden vorenthalten worden. „Wir konnten mit dem Dienstgeber einen Vergleich schließen. Der Bäcker bekam mehr als 3.400 Euro brutto nachbezahlt“, so der Arbeitsrechtsexperte.

Bilanz 1. Halbjahr 2018 – Arbeiterkammer Bezirk Zwettl

Beratungen:                                                             1.906

Im Arbeits- und Sozialrecht eingebracht                626.310 Euro

Davon Insolvenzvertretung:                                    26.841 Euro

Für die Mitglieder insgesamt erreicht:                   884.912 Euro

Insgesamt hat die Bezirksstelle im ersten Halbjahr fast 900.000 Euro für Arbeitnehmer der Region erstritten, sagt Bezirksstellenleiter Jürgen Binder. „Das umfasst sowohl die Steuerrückholaktion als auch den Konsumentenschutz. Den größten Brocken macht naturgemäß unsere Hilfe bei Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen aus.“ Insgesamt haben sich in der ersten Jahreshälfte 2018 mehr als 1.900 Ratsuchende an die Bezirksstelle gewandt.

„Das zeigt, wie wichtig wir als Anlaufstelle in allen Lebenslagen sind“, sagt Binder. Dieses Profil schärft man auch mit zahlreichen Veranstaltungen. „Schulen greifen vermehrt auf unser Wissen zurück und auch den Sprechtag zum Konsumentenschutz nutzen immer mehr Menschen“, bilanziert er die Vielzahl von Veranstaltungen, die von AK-Experten im Bezirk durchgeführt werden.

39,5 Mio. Euro für Beschäftigte in ganz Niederösterreich

Landesweit hat die AK Niederösterreich 78.000 Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 2018 bei Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen geholfen. „Wir haben mehr als 39 Millionen Euro für sie erkämpft“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser.

„Tausende Arbeitnehmer wandten sich heuer an die AK Niederösterreich, nachdem ihnen der Arbeitgeber zum Beispiel geleistete Überstunden nicht bezahlt hatte. 3.300 brauchten Unterstützung, nachdem ihre Firma in Insolvenz gegangen war“, so Wieser.

12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche erhebliche Belastungen für die Arbeitnehmer

Häufig wenden sich Arbeitnehmer an die AK-Experten, da ihnen monatelang, mitunter oft jahrelang, geleistete Arbeits- und Überstunden nicht ausbezahlt wurden. Erhebungen zufolge wird jede fünfte Mehr- oder Überstunde weder bezahlt, noch gibt es dafür Zeitausgleich. „Hier wird den Arbeitnehmern mitunter sehr viel Geld vorenthalten“, so Wieser.

Durch das von der Bundesregierung durchgepeitschte Arbeitszeitgesetz - Stichwort 12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche – kommen hier weitere erhebliche Lohneinbußen auf die Arbeitnehmer zu. „Und dass bei der Ableistung von Mehrstunden von Freiwilligkeit gesprochen wird, hat mit der Realität nichts zu tun und ist eine Verhöhnung der Arbeitnehmer“, sagt Wieser. Komme ein Beschäftigter dem Wunsch des Arbeitgebers nämlich nicht nach, müsse er natürlich mit Nachteilen rechnen, was bis zur Kündigung führen kann.


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