Lernen in und aus der Krise

Ulrike Kühhaas, Leserartikel, 31.03.2020 13:51 Uhr

Seit rund zwei Wochen sind die höheren Schulen geschlossen, von verlängerten Ferien keine Spur. Gelernt wird weiterhin: daheim, vor dem PC, Laptop oder Handy, im Garten oder auf der Couch. E-Learning ist angesagt.

Für Schüler der HAK/HAS Amstetten läuft der Unterricht laut Stundenplan weiter. Über Lernplattformen werden Arbeitsaufträge verteilt oder „Videostunden“ abgehalten. Fragen an die Lehrer können über einen Chat, per E-Mail oder auch direkt per Videokonferenz über „MS Teams“ oder „Zoom“ gestellt werden.  Anschließend werden die Aufgaben (Texte, Podcasts, Videos, Fotos, etc.)  wieder hochgeladen und von Lehrern korrigiert bzw. kontrolliert.

E-Learning gehört zum Schulalltag

Der abrupte Umstieg auf E-Learning von einem Tag auf den anderen ist leichter gefallen als gedacht, denn der Einsatz von Computern, Laptops und Handys zu Unterrichtszwecken steht in der HAK/HAS ohnehin an der Tagesordnung. Berufsbildende Schulen sind, was die Ausstattung mit Computern betrifft, hier klar im Vorteil. Die Lehrer der HAK/HAS Amstetten sind in der glücklichen Lage, mit einem MS Surface zu arbeiten. Dadurch können Texte auf dem Bildschirm mittels Stift korrigiert werden und Videokonferenzen abgehalten werden. Das motivierte Lehrerteam unterstützt sich gegenseitig: Ideen werden geteilt und Know-how wird an Kollegen weitergegeben.

Turnen vor dem Bildschirm

Der Einfallsreichtum kennt dabei keine Grenzen. Sogar die Turnstunde wird live übertragen und ganze Familien machen mit ihren Kindern vor dem Bildschirm mit. Die sportlichen Leistungen der Schüler werden mit Hilfe der App „runtastic“ dokumentiert.

Selbstverantwortung lernen

Bis jetzt funktioniert das Distance Learning trotz strapazierter Internetverbindungen sehr gut und die meisten sind mit Eifer dabei, viele arbeiten und lernen sogar eifriger als je zuvor. Von Schülerseite wird das Aufrechterhalten einer gewissen Routine begrüßt, auch wenn sie viel zu tun haben.

„Die letzte Woche war durch die neue Situation des Coronavirus schon herausfordernd genug, deshalb ist es umso besser, dass auf den Online-Lernplattformen alles so gut funktioniert. Das Schwerste - nämlich diese erste Eingewöhnungswoch - ist nun auch überstanden. Von vielen Mitschülern und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich der Umfang und die Menge der Aufträge noch im machbaren Bereich befinden. Ich persönlich empfinde diese Zeit als intensive Lernphase, nicht nur von schulischen Kompetenzen, sondern auch von Disziplin, Ordnung und Selbstverantwortung. Und wer weiß, vielleicht offenbaren sich hier neue Chancen für unser Schulsystem“, berichtet Schulsprecher Theodor Kloibhofer.

Sozialer Lebensraum Schule

Ein anderer Schüler meint sogar, er sei froh etwas zu haben, das Sinn gibt in dieser schwierigen Zeit. Am schlimmsten ist es für die Jugendlichen, ihre Freunde nicht mehr treffen zu können. Dass Kontakte über Social Media die direkten Kontakte mit Freunden und Klassenkollegen nicht ersetzen können, wird nun vielen bewusst. Und vor allem, dass Schule ein Ort ist, der einem auch abgehen kann, weil man dort täglich Freunde trifft und neben dem Lernen Spaß hat, sogar mit den Lehrern.

Distance Learning fordert Schüler und Lehrer

E-Learning ist anstrengend für alle Beteiligten. Die Schüler fordern die Kontrolle der gemachten Aufgaben ein. Sie sind in einem Schulsystem sozialisiert worden, in dem hauptsächlich für Noten, Punkte und Prozent gelernt wird, nicht für den persönlichen Wissenszuwachs.

Hunderte Texte auf dem Bildschirm zu korrigieren oder Podcasts anzuhören bzw. Videos anzusehen und mit Feedback zu versehen dauert. Im Minuten-Takt Fragen verschiedenster Schüler zu beantworten fordert.  Es strapaziert Augen und Nerven. Lehrerarbeit, die immer schon im Home Office stattfindet, aber selten wahrgenommen wird. Genauso wie die Vorbereitung der einzelnen Stunden, die ständig mit der Zeit gehen muss, zurzeit mehr denn je.

Mehr Zeit für individuelles Feedback

Distance Learning hat aber auch Vorteile. Man scheint dadurch auch jene Jugendlichen anzusprechen, die man oft im großen Klassenverband nicht erreicht, oder diejenigen, die sich ihre Zeit gerne selber einteilen und vielleicht um 7.25 Uhr noch nicht „funktionieren“, dafür aber nachtaktiv sind. Durch den Wegfall von Supplierstunden und der vielen bürokratischen Arbeit haben Lehrer zurzeit etwas mehr Zeit, persönliches Feedback zu geben und auch Übungen individuell an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schüler anzupassen. Wichtige Dinge, für die im herkömmlichen Schulalltag kaum Zeit bleiben.

Chance für unser Bildungssystem

Eines ist klar: Den persönlichen Kontakt zwischen Lehrer und Schüler kann E-Learning nicht ersetzen, aber es ist eine sinnvolle Ergänzung zum Unterricht in der Klasse.

Die derzeitige Krise zeigt, dass Lernen und Arbeiten auch anders funktionieren können. Hoffentlich greift unser Schulsystem diese Chance auf und  lernt etwas dazu.

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