Alles was ein Lehrling wissen muss: Vom Lehrvertrag bis hin zur Probezeit

Carina Kerbl, BSc MSSc, Leserartikel, 24.08.2018 12:07 Uhr

BEZIRK KIRCHDORF. Viele Lehrlinge fragen sich, vor allem zu Beginn eines Lehrverhältnisses, was es alles zu bedenken gibt. Tips hat bei der Arbeiterkammer Kirchdorf nachgefragt.

Ein Lehrvertrag muss die Bezeichnung des Lehrberufes, den Standort der tatsächlichen Ausbildungsstätte, die Daten des Lehrberechtigten und des Lehrlings, die Sozialversicherungsnummer, den Namen des Ausbilders, das Datum des Beginns und des Endes des Lehrverhältnisses (Dauer des Lehrverhältnisses), etwaige Ausbildungsverbundmaßnahmen, die Lehrlingsentschädigung und die Pflicht zum Besuch der Berufsschule enthalten.

Wer unterschreibt den Lehrvertrag?

Der Lehrvertrag wird vom Lehrberechtigten, vom Lehrling und bei minderjährigen Lehrlingen zusätzlich von den gesetzlichen Vertretern unterschrieben. Der Lehrberechtigte hat den Lehrvertrag ohne unnötigen Aufschub, jedenfalls binnen drei Wochen ab Beginn des Lehrverhältnisses, bei der Lehrlingsstelle anzumelden und den Lehrling davon zu informieren. Außerdem muss der Lehrberechtigte den Lehrling unverzüglich bei der Gebietskrankenkasse und innerhalb von zwei Wochen in der Berufsschule anmelden.

Recht auf ordnungsgemäße Ausbildung

Jeder Lehrling hat das Recht auf eine ordnungsgemäße Ausbildung. Das heißt, dass alle erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten eines Lehrberufes vermittelt werden. Lehrlinge dürfen nur zu Tätigkeiten herangezogen werden, die mit dem Wesen der Ausbildung vereinbar sind und ihre Kräfte nicht übersteigen.

Keine Überstunden und keine Nachtarbeit

Weiters haben Lehrlinge das Recht auf regelmäßige Lehrlings­entschädigung, eine bezahlte Freistellung für die Lehrabschlussprüfung und den Ersatz der Prüfungsgebühr durch den Lehrberechtigten. Für Jugendliche gelten eigene Arbeitszeitbestimmungen. Sie dürfen zum Beispiel keine Überstunden machen und grundsätzlich auch keine Nachtarbeit leisten. Lehrverhältnisse sind geschützte Arbeitsverhältnisse, die von beiden Vertragspartnern nicht wie bei „normalen“ Arbeitsverhältnissen gekündigt werden können.

Auflösung in der Probezeit

Eine Auflösung kann von beiden Seiten nur in der Probezeit ohne Angaben von Gründen erfolgen. Einvernehmlich kann ein Lehrverhältnis immer aufgelöst werden; jedoch ist zur Rechtsgültigkeit eine Belehrungsbescheinigung von der Arbeiterkammer einzuholen. Bei schuldhaftem Verhalten des Lehrberechtigten, z. B. bei Nichtbezahlung der Lehrlingsentschädigung, oder des Lehrlings, z. B. bei einem unerlaubten Fernbleiben vom Arbeitsplatz, können beide Seiten das Lehrverhältnis einseitig auflösen.

Besuch der Berufsschule ist Pflicht

Lehrlinge müssen sich bemühen, den gewählten Lehrberuf zu erlernen und dafür regelmäßig die Berufsschule zu besuchen. Sie müssen Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse für sich behalten und bei einer Erkrankung oder einer sonstigen Verhinderung sofort den Lehrberechtigten verständigen. Außerdem müssen sie mit Betriebseigentum, wie Werkzeugen, Werkstoffe und Gerätschaften, sorgsam umgehen. Wenn Lehrlinge ihre Pflichten vernachlässigen, kann das Lehrverhältnis vorzeitig aufgelöst werden. Das Lehrverhältnis beginnt mit einer dreimonatigen Probezeit. In dieser Probezeit können sowohl der Lehrbetrieb als auch der Lehrling das Lehrverhältnis ohne Angabe von Gründen beenden.

Übernahme der Internatskosten

Die Arbeiterkammer hat sich gemeinsam mit den Gewerkschaften jahrelang dafür eingesetzt, dass Internatskosten nicht mehr von den Lehrlingen selbst, sondern von den Lehrberechtigten getragen wird. Seit 1. Jänner 2018 ist die Regelung in Kraft, dass die Internatskosten für Berufsschüler künftig von den Betrieben übernommen werden müssen. Die Betriebe können sich aber die Kosten wieder aus Mitteln des Insolvenz-Entgelt-Fonds zurückholen.

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