16.274 Handy am Steuer-Lenker erwischt – dreimal mehr als Alko-Lenker

Nora  Heindl Nora Heindl, Tips Redaktion, 26.08.2020 12:05 Uhr

OÖ. Im Vorjahr hat die Exekutive in Oberösterreich 16.274 Lenker beim Handy-Telefonieren am Steuer erwischt, das sind dreimal mehr als Alko-Lenker (5.040). Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Lenker mit 0,8 Promille, wer während des Lenkens ein SMS schreibt, ist bis zu zwei Sekunden im Blindflug unterwegs. Der VCÖ spricht sich für die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem aus sowie für verstärkte Kontrollen insbesondere im Ortsgebiet.

Im Vorjahr wurden in Oberösterreich im Schnitt jede halbe Stunde ein Lenker beim verbotenen Handy-Telefonieren am Steuer erwischt, verdeutlicht der VCÖ. Die Zahl der geahndeten Handy-am-Steuer-Delikte ist in Oberösterreich im Vorjahr um 2.897 gestiegen, das war die dritte Zunahme in Folge, wie aktuelle Daten des BMI zeigen. Wie viele Vergehen geahndet werden, hängt vor allem auch von der Kontrolldichte ab, betont der VCÖ.

Die tatsächliche Anzahl der Vergehen ist um ein Vielfaches höher. Eine Erhebung des KfV gab, dass Österreichs Autofahrer allein an einem Tag mehrere Hunderttausend Telefonate ohne Freisprecheinrichtung führen. „Handy am Steuer ist kein Kavaliersdelikt, sondern erhöht massiv das Unfallrisiko“, stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest.

Erhöhte Unfallgefahr

Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille. Handy-Telefonierende Autofahrer reagieren etwa um eine halbe Sekunde später. Im Straßenverkehr, wo oft ein Bruchteil einer Sekunde entscheidet, ob es zu einem Unfall kommt oder nicht, kann das fatale Folgen haben, wie ein Beispiel des VCÖ zeigt: Läuft ein Kind zwölf Meter vor einem Pkw, der 30 km/h fährt, auf die Straße, kann ein aufmerksamer Lenker sein Auto vor dem Kind zum Stillstand bringen. Ein Autofahrer, der eine halbe Sekunde verzögert reagiert, fährt das Kind mit einer Geschwindigkeit von rund 25 km/h nieder, was zu schweren Verletzungen führen kann. Die derzeitige Strafhöhe von 50 Euro steht in keinem Verhältnis zum Gefährdungspotenzial des Delikts.

Wer beim Autolenken am Handy tippt oder im Internet surft, ist sogar bis zu zwei Sekunden im Blindflug unterwegs. Ein Pkw legt mit 30 km/h in zwei Sekunden rund 17 Meter zurück, bei 50 km/h rund 28 Meter, 44 Meter bei 80 km/h, rund 55 Meter bei 100 km/h und 72 Meter bei 130 km/h.

Höhere Strafen in anderen Ländern

In anderen Staaten Europas sind die Strafen für Handy-am-Steuer um ein Vielfaches höher. In Italien beträgt die Mindeststrafe 165 Euro, in Spanien und Dänemark jeweils 200 Euro, in Großbritannien umgerechnet 235 Euro und in den Niederlanden 240 Euro. In vielen Staaten ist Handy am Steuer auch ein Delikt im Punkteführerschein bzw. Vormerksystem. „Ein großer Vorteil der Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystems ist, dass damit gezielt bei jenen Lenkerinnen und Lenker, die ein Vergehen begangen haben, Bewusstseinsarbeit gemacht werden kann. Deshalb ist es wichtig, dass Handy am Steuer endlich auch in Österreich Teil des Vormerksystems wird“, betont VCÖ-Sprecher Gratzer.

Eine höhere Kontrolldichte ist vor allem im Ortsgebiet wichtig, wo die schwächsten Verkehrsteilnehmer, wie Kinder sowie ältere Fußgänger durch Handy-Lenker besonders gefährdet sind. In Oberösterreich wurden im Vorjahr mehr als dreimal so viele Handy-Vergehen wie Alkohol am Steuer (5.040) geahndet.

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