510 PS und 725 Newtonmeter in einem E-Auto sind cool, aber nicht bahnbrechend. Es sei denn das Auto ist ein klassischer Roadster.
Als vor einigen Jahren das MG-Logo an den chinesischen SAIC-Konzern abgegeben wurde gab es zwei Reaktionen: Tiefe Erschütterung bei jenen, welche sich noch an die britische Traditionsmarke erinnern konnten. Große Freude bei jenen, welche von neuen Modellen einer unbekannten Marke aus Fernost schon damals nicht genug bekommen konnten. Der neue Cyberster eint diese Gruppen jetzt und nimmt dabei noch alle mit, die Freude am Fahren als höchstes Gut definieren.
Schon die Tatsache, dass es sich um einen Roadster handelt, ist schlicht unpackbar. Das alleine macht ihn schon zu einer Rarität, der E-Antrieb final zu einem Fahrzeug ohne direkten Konkurrenten. Und auch ohne direkten Vorbilder. Beim Design konnte man frei von Zwängen agieren und hat dabei nur richtige Entscheidungen getroffen. Zum Beispiel die Hinwendung zu klassischen Roadster-Proportionen, die sich via langer Haube und kurzem Heck präsentieren.
Auch hat man sich für ein in Summe ruhiges Design mit schon schicken, aber nicht martialischen Spitzen entschieden. Und selbst wenn doch, die elektrisch nach oben hin öffnenden Scherentüren stellen eh alles in den Schatten. Funktioniert alles via Knopfdruck, Sensoren verhindern ungewollte Kontaktaufnahme mit Passanten oder Nachbarn an der Ladesäule. Wo man übrigens, und das ist die pure Wahrheit, immer, also wirklich immer in mindestens ein Gespräch verwickelt wird.
Da ist es auch dem Teslajünger im Winter nicht zu blöd auszusteigen und nach einer Sitzprobe zu fragen. Der Einstieg gestaltet sich relativ leicht und er findet sich in einem hochdigitalen und fein verarbeiteten Interieur. Auch hier hat MG nichts auf Druck neu erfunden, wobei vier Touchscreens in echt doch eine Challenge sein können. Aber man hat sich rasch daran gewöhnt, die Bedienung gibt keine zu großen Rätsel auf und fügt sich im besten Fall unauffällig in den Cyberster ein.
Weil drehen tut sich eh alles ums Fahren. Schon der Gedanke an ansatzlosen E-Schub in einem sportlichen und kurvengierigen Roadster befeuert unsere Hormone. Und der MG liefert. Die Basisversion mit 340 PS und Heckantrieb ist bestimmt ein Quell der Freude, trotzdem führt eigentlich fast kein Weg am Top-Modell „GT“ vorbei. Via der schon genannten Leistung stürmt der Cyberster in 3,2 Sekunden von 0 auf 100 m/h. Komplett leichtfüßig und entspannt, ganz ohne Brutalität.
Auch im Performance-Modus wird der Cyberster zu keiner harten Fahrmaschine. Eh klar wird man vom Rausbeschleunigen aus engen Kurven nie genug bekommen. Aber im MG schlummert auch ein kleiner Gran Turismo. Mit komfortablen Zügen, einem gut nutzbaren Kofferraum und feinen Platzverhältnissen. Roadsterfahren ist auch Genussfahren, die WLTP-Reichweite von 443 Kilometern hat auch nichts dagegen. Geladen wird der 77 kWh große Akku mit maximal 144 kW.
Dass sind jetzt alles keine Rekordwerte, aber mehr als ausreichend um den Cyberster artgerecht zu bewegen. Zum Schluss gibt es aber eh noch einen Bestwert:
Kaufpreis für den MG Cyberster GT: 67.990,00 EUR. Mehr Fahrspaß für weniger Geld werden sie nirgends finden.
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Echt lässig: Das Maximum an Alleinstellungsmerkmal.
Echt stressig: Die ungezählten Anfragen zur Mitfahrt.
Echt fett: Was trotz Kälte und Winterreifen querdynamisch geht.
Echt schade: Testtermin im Winter.
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Daten MG Cyberster GT Performance
Motor: 77,0 Akku (Netto)
Leistung: 510 PS
Max. Drehmoment: 725 Nm
Reichweite: ca. 300 km
Vmax: 200 km/h
0 auf 100 km/h: 3,2 Sek
Preis Testmodell 67.990,00 EUR
Preis Basismodell ab 59.990,00 EUR
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