Fotogener Jahresausklang

Claudia Schallauer, , 14.12.2021 19:00 Uhr

Pregarten: Schon lange wollte ich über eine Wanderung schreiben, die mit Öffis gut erreichbar ist - was uns leider in (Ober)Österreich (noch) nicht immer besonders leicht gemacht wird.

Die heutige wunderschöne Rundtour ist für alle perfekt: Zug- und Busanreiser, Autofahrer/-gemeinschaften, für absolute Genießer, Familien, Hundebesitzer und auch Fotografen. Ich stelle heute eine Variante mit der Dauer von etwa 3,5 gemütlichen Stunden vor, es gibt Verlängerungen und Abkürzungen für jeden Geschmack und jedes Wetter.

 

DAS hier ist die lange, ganz ausführliche Version der Wegbeschreibung. Eine gekürzte Form wurde in den Tips am 15.12. veröffentlicht und ist im Anhang nachzulesen.

 

Vorab: Ich bedanke mich für jedes Feedback zu meinen Wander-Artikeln und versuche die konstruktiven Ideen so rasch als möglich umzusetzen. Meinen heutigen Öffi-Text möchte ich Frau Neumeyer und allen umweltbewussten Menschen widmen.

 

 

Der Aist entgegen

Wir starten am Bahnhof Pregarten und müssen uns hier erstmal entscheiden, in welche Richtung wir den Rundweg starten. Da ich heute auch auf „Fotojagd“ bin, wähle ich den Uhrzeiger-Sinn. Wir gehen bis ans hinterste (östliche) Ende vom Parkplatzes, wo zuerst ein Schild einen Fußweg anzeigt und wenige Meter später (ca. 20m von den Gleisen entfernt) eines mit „Bruckmühle“. Wir nehmen diesen rechts abzweigenden Weg (dort ist „Wasser-Erlebnispark“ angeschrieben) und bewegen uns von den Gleisen im Rücken weg. Wir kommen in einem Bogen runter, folgend dem Weg dann geradeaus und immer dem Pfeil „Bruckmühle“. Es geht markant bergab, danach queren wir eine Straße, halten uns dann links am Fußweg auf der anderen Straßenseite, wo wir das 1. Mal die Aist überqueren. Nach diesem Übergang gleich rechts abbiegen (Weg „Untere Feldaist“), wo wir rechterhand auf einen weiteren Autoparkplatz treffen (optimaler, wenn wir nicht den Rundweg gehen).

 

Willkommen im Winter

Wir folgen zuerst dem Flussverlauf in einer Rechtskurve, danach verlassen wir ihn kurz, um einen Wiesenweg zu nehmen, der uns Richtung Autobrücke führt. Wir passieren dabei ein Haus auf der linken Seite, durchschreiten die mächtige Brücke und erreichen dann einen Waldweg. Dort scheint es, als ob wir eine Märchenlandschaft betreten. Die Wiese magisch angezuckert vom morgendlichen Tau, jeder Schritt knirscht. Dazu das beruhigende Plätschern der Aist, die in diesem Abschnitt noch sehr schüchtern neben uns her fließt. Die ersten Granitsteine erfreuen mein Fotografenherz, die Stimmung ist einzigartig. Auf der Gegenüberliegende Seite (auf der wir später zurück gehen werden) scheint schon die Sonne und bereitet einen wunderschön beleuchteten Hintergrund und optimale Verhältnisse für die Spiegelungen im Wasser. Wir verweilen für ein paar Minuten, um die Schwelle vom Alltag in die Natur auch mit der Seele zu überschreiten.

 

Gleichklang mit der Natur

Ein wunderschöner Waldweg, gepflügt mit Eichenblättern, führt in einem verspielten Auf und Ab durch den 3-Jahreszeiten-Wald: saftiges Moos wie im Frühling, herbstliche Farben und winterliche Spuren und Temperaturen. Unser Puls beschleunigt sich im Gleichklang mit der Aist, die uns mit den ersten kleinen Wasserfällen begrüßt. Wir dagegen gewinnen an Höhenmetern und erreichen schon bald die Brückmühle, die wie ein Relikt aus einer früheren Zeit erscheint. Das Wasser ist wieder ganz ruhig geworden und übergibt die Bühne an das sich im gleichen Takt drehende Mühlrad.

Wir überqueren die Brücke (Achtung, etwas rutschig) an dieser Stelle (wer nur wenig Zeit hat, könnte hier schon umkehren und nach der Brücke rechts - und ist in ca. 15min. zurück beim Parkplatz) und halten uns danach gleich links an der Häuserwand entlang, um kurz danach wieder direkt an der Aist entlang zu spazieren. Wir folgen dem Flusslauf auf dessen rechten Ufer, widerstehen einer Abzweigung und kurz nach einer Rechtskurve der Aist streicheln die ersten Sonnenstrahlen unser Gesicht.

Ab hier ist der Weg gut auffindbar - im Optimalfall ergänzt durch einen GPS-Track (siehe Tourinfos) oder die Wegführung als Screenshot oderFoto abgespeichert.

 

Vom dichten Urwald…

Es scheint, als ob wir nun ins Land der Kobolde eintauchen. Das satte Grün der moosbewachsenen Bäume und Steine lässt jegliches Zeitgefühl vergessen, ein Teil der Aist bildet für wenige Meter einen kleinen Nebenarm und diese Wildheit und Ursprünglichkeit versetzt uns für kurze Zeit in ein Urwaldfeeling. Immer wieder faszinierende Granitstein-Gebilde, verspielte Wasserfälle.

Wir passieren eine Brücke auf der linken Seite und bleiben gerade auf einem schmäleren Weg, der leicht bergauf führt. Auf der folgenden Lichtung erwartet uns eine Bank, bei der wir uns etwas stärken und uns mit Sonne auftanken.

 

... zwischen den Granitsteinen hindurch... 

Wir folgen dem Weg weiter, halten uns rechts und passieren den wohl imposantesten Steinblock des Weges rechterhand, während linkerhand ein sehr kahl geschlagener Hang den Kontrast bildet.

Es geht nochmal bergauf, an großen Blöcken vorbei, manchmal sogar direkt daran und am Schluss durchschreiten wir sogar zwei davon in einem schmäleren Durchstieg. Wir bleiben der Aist treu, die eine Kurve macht bis wir zur nächsten Brücke kommen, die wir nun überqueren und uns jetzt links des Flusses befinden. Davor unbedingt einen Stopp auf der Brücke einlegen und genießen oder fotografieren. Nach den letzten Stufen halten wir uns rechts, noch ein kleines Stück, bis wir unseren heutigen Umkehrpunkt erreichen. Wir sind jetzt etwa 2,5 SEHR gemütliche Stunden unterwegs. (Reine Gehzeit ca. 1,5-2h).

 

… in die Mühlviertler Weite

Wir bleiben am Fluss und folgen dem Schild „Aisttalrundweg“ und erblicken das Gasthaus Kriemühle auf der gegenüberliegenden Seite, das wir nun über eine Brücke ansteuern, d.h. uns danach rechts halten. Hier verlassen wir das Schutzgebiet und folgen wenige Meter der Straße. Aber nur kurz, denn vor dem kleinen Parkplatz geht es auch schon rechts zum Acker hinauf, dem wir an seiner Kante entlang folgen. Wir sind überrascht und begeistert von der perfekten und regelmäßigen Beschilderung im weiteren Verlauf des Weges, der eine Mischung aus Wiesenweg, Schotter- und Asphaltstraße darstellt. Dabei durchqueren und passieren wir einige Höfe. Wir genießen nach der Mystik des Waldes die herrliche und sonnige Weite mit tollen Panoramen über die sanfte geschwungene Mühlviertler Landschaft. Wir sammeln weitere Höhenmeter und freuen uns auf eine weitere kurze Rast, die wir wenige Minuten später bei einer wunderschönen Kapelle genießen dürfen. Davor geht es kurz durch einen Wald, entlang einer Häuserzeile in einer Rechtskurve auf eine Wiese bis zu einem Pferdehof (in wunderschöner Fassade) und diesen im Rücken einen Wiesenhang hinauf. Drei Bänke laden nun ein, uns noch einmal zu stärken. Wir blicken auf Wartberg ob der Aist und rechts davon zur Autobrücke, die wir danach anpeilen.

 

Der Kreis schließt sich

Dazu lassen wir die Kapelle hinter uns, biegen 2x rechts ab (das 2. Mal beim Sportplatz) und folgen dem Weg zurück in den Wald. Ein ganz kurzes Stück ist unmarkiert, dies ist aber der direkte Rückweg. Wir halten uns immer links und erreichen mit einem kurzen etwas steileren Abstieg (für ca. 3 Minuten) das Haus bei der Bruchmühle. Hier schließt sich der 1. Kreis, wenige Meter folgen, die wir schon kennen. Dann queren wir die Brücke aber NICHT mehr (wobei das auch eine schöne Option ist, am mystischen bereits bekannten Waldweg zurück zu gehen) sondern folgen zum Ausgehen dem gegenüber liegenden Asphaltweg, sodass wir das Naturschauspiel von der anderen Seite aus betrachten können.

Ein letztes Mal geht es bergauf, wir machen eine Rechtskurve unter der Brücke durch und sehen schon den Bahnhof vor uns. Die Runde schließt sich nach etwa 4,5h an der frischen Luft für heute, und wir sind bereichert und erfüllt von den Eindrücken dieser sowohl gehtechnisch als auch landschaftlich extrem abwechslungsreichen Tour.

 

 

Ein Tipp: Wer mehr noch auf Sonne aus ist, kann der Weg auch in der Gegenrichtung gehen. Je nach Uhrzeit lockt dann schon am Hinweg die Sonne von vorne und am Rückweg ist ein Teil des Waldweges am Ende beleuchtet. Online findet ihr einen Track, an dem ihr euch großteils orientieren könnt.

 

 

Tourinfos

  • AUSGANGSPUNKT: (Parkplatz am) Bahnhof Pregarten
  • GEHZEIT: Vorgeschlagene Runde: ca. 3-3,5h Gehzeit, Varianten möglich
  • HÖHENMETER, LÄNGE: ca. 9,5 km, ca. 200hm
  • WEGBESCHAFFENHEIT: Eine gute Mischung aus Wald- und Wiese, Schotter und (nicht zu viel) Asphalt
  • GEEIGNET FÜR: Familien (keine Kinderwagen), Hundebesitzer, Fotoliebhaber, Genießer

 

GPS-Track zur Orientierung von der Seite Komoot: https://www.komoot.de/smarttour/445712bis auf das ganz letzte Stück (wir sind erst beim Sportplatz abgebogen) sind wir genau diesen Weg gegangen

 

Claudias Tipp:

Reine Luft statt Geschenkpapier-Berge

 

Weihnachten bietet an, über Geschenk-Tipps für Wanderliebhaber zu schreiben. Aber, in Zeiten wie diesen, möchte ich für Gemeinsam-Zeit statt Konsum plädieren. Das größte Geschenk, das wir Menschen uns gegenseitig geben können, ist Zeit füreinander, für gemeinsame Erlebnisse in der Natur. Und diese bei uns großteils noch sehr intakte Umwelt, sollten wir mit wertschätzendem Verhalten beschenken.

 

Dazu drei Gedanken:

*   Beim Wandern NICHTS zurücklassen (zB. Bananenschalen verrotten in 1-3 Jahren!).

*   Keine Taschentücher beim „Austreten“ hinterlassen - nehmt ein Plastiksackerl mit.

*   Versucht mit den Öffis (ganz neu: das österreichweite Klimaticket) oder in Fahrgemeinschaften anzureisen.

Danke für euer Mitwirken, dass wir den folgenden Generationen jene Bergerlebnisse ermöglichen, die wir selbst genießen.

 

GEWINNEN: Als Dankeschön für unsere 1. gemeinsame Wandersaison und euer geschätztes Feedback möchte ich euch, liebe LeserInnen, ein Geschenk machen - ich verlose unter allen Emails mit KW „Kalender“ an schallauerclaudia@gmail.com am. Mo. 20.12. einen meiner A3-Wander-Foto-Kalender. Details im unterstehenden QR-Code.

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