Grenzgeschichten: Die Rauhnächte im Böhmerwald
Der Böhmerwald wird in mehrere Regionen gegliedert. Diese unterscheiden sich nicht nur in ihren Lebensgewohnheiten, sondern auch in ihrer Sprache. Alle aber zählten sich einst zur christlichen Religion.

So wundert es nicht, dass die Zahl der Rauhnächte regional zwischen vier und vierzehn variierte. Gehen wir von vier Raunächten aus, dann denken wir an den südlichen Wald, der sich begrenzen lässt mit den hohen Waldbergen vom Plöckenstein bis hinunter zum Hagerberg. Diese Region verfügte bis in die Siebzigerjahre noch über keine elektrische Beleuchtung. Hier grübelten die Waldbewohner viele interessante Erlebnisse zusammen, die sie zuweil bei Kerzenlicht auch niederschrieben. Wir erfuhren daher, dass bei ihnen die Rauhnächte mit der Thomasnacht am 21. Dezember begannen und die Zeit der Dreikönige diese unselige Zeit beendete. Dazwischen lagen die stillen kalten Nächte, in denen man gegen Geisterspuk und Hexenrache gewappnet sein musste.
Trotz Weihnachten und der goldenen Silvesterhoffnungen lag darin viel Ungewisses. Der gesamte Zeitabschnitt war ob der kirchlichen Feste arbeitsarm, aber von Angst durchsetzt. Die Nächte verleiteten zum Hinaushören in die Winterstürme, zum Erinnern an den Wilden Jäger und zum ständigen Kontrollieren der eigenen Behausung. All das zusammen verleitete nicht nur zum nächtlichen Rosenkranzgebet, sondern auch zur schützenden Betreuung von Haus und Stall.
Böse Geister vertreiben
Das wiederum bestand im Beräuchern der Wohnstätte des Hauses wie der Stallungen. Im Räuchern lag ein sichtbares Zeichen der Vertreibung böser Geister. Darum konnte man nicht oft genug, manche auch jede Nacht, den Hausvater mit der Räucherpfanne umherziehen sehen. Aber nicht von der Anzahl der Beräucherung sollte der Schutz abhängig gewesen sein, sondern von den in den glühenden Kohlen verglimmenden heilbringenden Kräutern, Hölzern und den dabei gesprochenen Zauberformeln. Wenig Wert wurde den Weihrauchkörnern zugeschrieben, die man an den Wallfahrtstätten in Laufe des Sommers erworben hatte. Heilsame Kräuter und Hölzer, deren man im Laufe des Sommers bei den Tätigkeiten im weitläufigen Böhmerwald im Bewusstsein einer Fügung Gottes gefunden hatte, hat man darum mehr vertraut.
Verfasser: Fritz Winkler
(Die hier verwendete alte Schreibweise der „Raunächte“ ist vom Verfasser gewünscht und daher beabsichtigt).


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