Senegalesen holten sich im Mühlviertel Lösungsvorschläge zum Klima- und Bodenschutz
AIGEN-SCHLÄGL/HASLACH. Der Senegal ist vom Klimawandel besonders stark betroffen – die Menschen dort gehören allerdings nicht zu den Verursachern. Vielmehr tragen wir in Europa mit Schuld an den Problemen des afrikanischen Landes. Und doch holten sich zwei Landwirtschaftsexperten hier in Europa, im Mühlviertel, Lösungsansätze.

Die erste österreichische Bioschule in Aigen-Schlägl, der Biogartenhof Mühlland und die Bemühungen Haslachs zur Gemeinde-Innenentwicklung sind positive Beispiele, wie man Klima und Boden schützen kann. Diese drei Initiativen schauten sich Ismael Ndao und Abdourahmane Guèye aus dem Senegal im Rahmen ihrer Delegationsreise durch Österreich, Polen und Ungarn näher an. Beide Gemeinden sind seit vielen Jahren Klimabündnis-Gemeinde; Haslach außerdem Bodenbündnis-Gemeinde. „Im Rahmen dieser globalen Partnerschaft werden auch Projekte im Senegal unterstützt, die sich dem Kampf gegen Hunger, dem Verbessern des Einkommens und dem Bodenschutz und der Bodenverbesserung widmen“, erklärt Gerlinde Larndorfer vom Bodenbündnis OÖ. „Der Besuch unserer Projektpartner soll ein Bewusstsein dafür schaffen, dass wir in Europa nicht unwesentlich am Klimawandel und Landraub im Senegal schuld sind.“
Den Bioschülern in Schlägl etwa war nicht bewusst, dass für den heimischen Bedarf an Agrotreibstoffen in Benzin und Diesel in Ländern wie dem Senegal große Monokulturen angebaut werden (zum Beispiel Zuckerrohr). Heimische Bauern verlieren dabei oft Land und sind außerdem vom hohen Pestizideinsatz der Plantagen betroffen.
Austausch engagierter Experten
Im Bio-Gemeinschaftsgarten Mühlland zeigte Roswitha Diaz Winter, wie Gemüse und Blumen nach den Prinzipien der Permakultur im Einklang mit der Natur gedeihen. „Selbst im heurigen extrem heißen Sommer mussten die Pflanzen nicht gegossen werden“, verriet die leidenschaftliche Gärtnerin den beiden Besuchern. Diesen gab sie auch gleich ein Geschenk mit auf den Heimweg: Ringelblumen-Samen und Tagetes als Kraut gegen Nematoden (Fadenwürmer).
In Haslach gewannen die afrikanischen Landwirtschaftsexperten noch einen Einblick in die Web-Kultur. Im Webereimuseum konnten sich Ismael und Abdourahmane von der Vielfalt des alten Gewerbes überzeugen und erfuhren mehr über die Bemühungen der Gemeinde-Innenentwicklung.
Senegal gehört zu den 15 afrikanischen Ländern, die vom Klimawandel besonders stark betroffen sind. Es häufen sich heftige Regenfälle einerseits und extreme Dürreperioden andererseits. Das führt zu Ernteausfällen und verschärft die Hungerkrisen. Zusätzlich werden Kleinbauernfamilien durch die Landnahme großer Unternehmen vertrieben. Landwirte und Fischer leiden unter der Subventionspolitik der EU. Auf den Märkten findet man kaum einheimisches Gemüse und Obst – dafür aus Holland oder Italien. Lokale Milchproduzenten können ihre Milch nur schwer verkaufen, weil importierte Trockenmilch billiger ist. Die Gewässer wurden von großen Fabrikschiffen aus Europa, Japan und Russland leergefischt, senegalesische Fischer können deshalb ihre Familien nicht mehr ernähren. Die Boote, die früher für die Fischerei verwendet wurden, werden nun teilweise an Menschenhändler und Schlepper vermietet.


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