Artenvielfalt beim Vogelhäuschen geht verloren
AIGEN-SCHLÄGL. Alle Vögel sind schon da – mitnichten: Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Vogelarten stetig ab. Grund dafür ist der Rückgang der Nahrungsquelle Insekten. Deshalb heißt es: Bitte füttern. Und zwar das ganze Jahr hindurch, wie Ornithologe Reinhold Petz appelliert.

Am Futterhäuschen kann man die Entwicklung der heimischen Vogelarten sehr gut beobachten. Und hier merkt man, dass der Betrieb zurückgegangen ist, sagt Reinhold Petz, der in Aigen-Schlägl das Vogelmuseum und eine Vogelberingungsstation betreibt. „Auffällig ist, dass es immer weniger verschiedene Vogelarten gibt“, ergänzt er.
Als Beispiel nennt Petz etwa die Amsel, deren Bestand sehr zurückgegangen ist, wenn auch mit lokalen Unterschieden. Einen massiven Einbruch gab es beim Grünling, auch bei den Gimpeln gebe es heuer sehr wenige Pärchen, weiß der Vogelkundler. Selbst beim Haussperling, dem Spatz, geht der Bestand zurück. „Er brütet unter dem Dach. Weil aber viele Dächer Maus- und Insektendicht gemacht werden, kann auch der Spatz nicht mehr zu seinem Brutplatz.“ Beim Feldsperling hingegen, der schon fast nicht mehr zu sehen war, hat sich der Bestand wieder erholt.
Körnerfutter für die Alten, Insekten für die Jungen
Am häufigsten sind noch Kohl- und Blaumeisen als Gäste beim Vogelhäuschen zu sehen. „Das sind Universalfresser, die überall mit Nahrung versorgt werden“, berichtet Reinhold Petz und nennt damit auch einen Grund für den Artenschwund. „Vögel brauchen Weichnahrung, also Insekten oder Raupen, um ihre Jungen zu füttern. Finden sie allerdings zu wenig Insekten, brauchen sie diese Nahrung, um selbst zu überleben.“ Deshalb soll man aktuellen Forschungen zufolge ganzjährig füttern. „Wenn der Altvogel sich am Futterhäuschen mit Körnerfutter versorgen kann, bleiben die Insekten für die Jungen. Dadurch kommt es wieder zu einer Steigerung der Population im nächsten Jahr.“
Natur in den Garten bringen
In seinem Garten hat Petz 14 verschiedene Futterstationen für unterschiedliche Vogelarten – von Silos mit Sonnenblumen, Freilandfutter bis zu Meisenknödel oder Fettringen. So könne jeder etwas für den Artenschutz tun. „Durch die Überkultivierung der Gärten, aber auch weil Blütensträucher auf Wegen und Straßenrändern verschwinden, finden Vögel und Insekten immer weniger Nahrung.“ Die bevorstehende Landesgartenschau sieht der Ornithologe als Chance, den Menschen bewusst zu machen, dass „alle miteinander mit Kleinigkeiten viel in eine positive Richtung bewegen können.“
Kampagne gestartet
In diese Richtung geht auch die überparteiliche Initiative für den Schutz von Bienen, Böden und Artenvielfalt in OÖ. Umweltlandesrat Rudi Anschober sagt dazu: „Wir wollen in allen betroffenen Bereichen die Ursachen und die Auswirkungen des Insektensterbens sichtbar machen und die notwendigen Gegenmaßnahmen thematisieren. Wir wollen das Insektensterben zu einem zentralen Thema machen.“ Denn Studien zufolge ist die biologische Vielfalt der Insekten binnen zehn Jahren um 25 Prozent gesunken. Gleichzeitig wurde auf www.ooebluehtauf.at eine Petition gestartet.


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