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AMSTETTEN. Der Sänger, Organist, Chorleiter und Gesangspädagoge Anton Steingruber hat in mühevoller Kleinarbeit die Werke des Kirchenmusikkomponisten Johann Georg Lickl aus der Versenkung geholt. Tips-Redakteur Norbert Mottas bat Anton Steingruber um ein Interview.

Anton Steingruber beim Arbeiten an der Lickl-Partitur Foto: privat
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Tips: Du hast extrem viel Zeit in das Schreiben der Partitur und das Herausgeben der Werke des Komponisten Johann Georg Lickl gesteckt. Wieviele Stunden hast du daran gearbeitet?

Steingruber: Ja es war eine zeitraubende Arbeit, Werke neu zu schreiben und herauszugeben. Ich habe bestimmt über 1500 Stunden mit Reisen nach Ungarn und Erstellen des Notenmaterials verbracht. Für die Spartierung mehrerer Werke, habe ich Freunde gefunden, die mich unterstützt haben, sonst wäre es kaum möglich gewesen. Alleine die Kosten für die Messe, die in Seitenstetten zur Aufführung kommt, hätte professionell neu zu schreiben an die 9.000 Euro gekostet.

Tips: Was waren die größten Herausforderungen dieser Arbeiten?

Steingruber: Besonders schwierig war, in Ungarn Zutritt in die Archive zu bekommen. Man muss viele Formalitäten erledigen und Verträge unterfertigen.

Tips: Hast du für diese Arbeit auch Reisen unternommen?

Steingruber: Ich war dreimal im Musikarchiv der Kathedrale in Pécs und viermal im Institut für Musicologie in Budapest, wo ich an die 2500 Notenblätter fotografiert habe. Es war eine herausfordernde und intensive Arbeit.

Tips: Wie wurdest du auf das Werk des Johann Georg Lickls aufmerksam?

Steingruber: Der Musikforscher V. Ondracék hat mir 1998 in Prag von Johann Georg Lickl eine Messe in Es-Dur für Studienzwecke gegeben, da war ich der Meinung es sei ein böhmischer Komponist. Einige Jahre später stellte sich heraus, dass Lickl ein Komponist aus Korneuburg in NÖ ist. Das weckte mein Interesse und so forschte ich intensiv seit Juni 2017 über diesen großartigen Meister der Tonkunst.

Tips: Worin zeichnet sich die Musik Lickls besonders aus?

Steingruber: Die eigene Tonsprache die Lickl in seiner Musik erklingen lässt. Seine Kompositionen stehen in der Tradition der klassischen Kirchenmusik aus Österreich und Süddeutschland. Die Melodik ist üppig und geschmeidig. Die formale Struktur offenbart handwerkliche Sicherheit. Seine Fugen sind exemplarische Meisterwerke. Der Orchestersatz zeugt von gutem Einfühlungsvermögen: Lickl vergisst offensichtlich nie die Qualität und die Möglichkeiten seiner Ausführenden, wobei er doch großes Können von allen Mitwirkenden vorausschickt. Die Musik gehört zwar zur späten Klassik, ist aber von der frühen Romantik schon beeinflusst. Die Dynamik seiner Werke ist farbig, die Tonarten sind abwechslungsreich; in dieser Hinsicht braucht man nur die Behandlung der Streicher und reichhaltigen obligaten Bläserstimmen – zwei Flöten / zwei Oboen / zwei Klarinetten / zwei Fagotti / zwei Hörner / zwei Trompeten plus Trompete principale / drei Posaunen / Pauken und Orgel – zu beobachten. Die Gesangsstimmen sind virtuos: hier konnte er sich auf die große Erfahrung im Musiktheater verlassen. Anderseits sind die Stilelemente der Frühromantik unter Einfluss von Cherubini hörbar; bemerkenswert sind auch eine neue Harmonik und manchmal überraschende Modulationen. Dies zeichnet diesen großartigen Komponisten besonders aus.

Tips: Warum ist Lickl in Österreich kaum mehr bekannt?

Steingruber: Wie viele andere Komponisten dieser Zeit, verschwand auch Lickl durch die cäcilianische Reform in der Kirchenmusik, aber auch mit dem Ende der Monarchie.

Tips: Gibt es noch weitere ungehobene Schätze Lickls in Archiven?

Steingruber: Ja, da gäbe es noch sehr, sehr viel zu erforschen, denn in fast allen Klöstern der ehemaligen Monarchie liegen Abschriften seiner Werke.

Tips: Wie bereitest du dich auf das Jubiläumskonzert zum 250. Geburtstag Lickls vor?

Steingruber: Da habe ich Glück gehabt, konnte hervorragende Solisten und Instrumentalisten für diese Musik von Lickl begeistern. Natürlich wurde der Chor sehr gut vorbereitet, und somit kann das „Jubiläumskonzert zum 250. Geburtstag“ in der Stiftskirche Seitenstetten am Sonntag, dem 7. April um 15 Uhr erklingen.

Tips: Wirst du in Zukunft noch weitere Werke Lickls aufführen?

Steingruber: Ja, ich bin dabei noch mehrere – auch kleinere – Werke herauszugeben, um Lickl wieder in seinem Heimatland Niederösterreich bekannt zu machen.


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