Die Zivilgesellschaft muss dort einspringen, wo der Staat versagt
MOSTVIERTEL. Die Initiativen von Wilkommen Mensch im Bezirk Amstetten luden jüngst zu einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Diese verschiedenen Initiativen von „Willkommen Mensch“ arbeiten im Wesentlichen voneinander unabhängig und autonom und auch unterschiedlich, je nach den Anforderungen in der jeweiligen Gemeinde. Gemeinsam ist ihnen der Name und das Interesse für Menschen auf der Flucht. Im ganzen Wald- und Mostviertel sind es 23 Gruppen mit über 800 Freiwilligen, die sich für mehr als 700 Flüchtlinge engagieren. Im Bezirk Amstetten begleiten derzeit über 350 Freiwillige in den zehn regionalen Gruppen rund 300 Flüchtlinge.Christian Köstler von „Willkommen Mensch (Wm) in Amstetten“ bemerkt schon zu Beginn, dass sie sich als ehrenamtliche Helfer vom Staat etwas allein gelassen fühlen.
Deutschkurse
Dazu gesellen sich behördliche Hindernisse, wie beispielsweise die neue Regelung zum Erhalt der Mindestsicherung, die seit 1. Dezember wirksam ist. Danach ist für einen Menschen mit anerkanntem Asylstatus der Nachweis der Anmeldung zu einem zertifizierten Deutschkurs notwendig, um diese zu erhalten. Es gibt aber bei Weitem zu wenige dieser Deutschkurse. Viel mehr Zeit zum Deutschlernen hätten die Asylwerber in der Zeit, wo ihre Anträge bearbeitet werden. Die Kurse werden aber erst für Asylberechtigte bezahlt. So sind viele Ehrenamtliche und Freiwillige damit beschäftigt, die Deutschkurse für Asylwerber unbezahlt zu leiten und zu organisieren. Auch Erwin Wiesner von „WM in Behamberg“ beklagt die mangelnde Unterstützung durch die Behörden. Karin Ortner von „WM in Haidershofen“ ist ebenfalls empört darüber, dass die Zivilgesellschaft dort einspringen muss, wo der Staat versagt. Maria Kammerhofer von „WM in Wallsee“ berichtet über ein geplantes Weihnachtsfest gemeinsam mit den Flüchtlingen. Und Anton Hiesleitner von „WM in Euratsfeld“ freut sich darüber, dass die Kinder der Asylwerber in der Schule so gut aufgenommen wurden.
Notwendiger Wohnraum
Anna Feuerstein sieht es als eine Herausforderung, ausreichend Wohnraum für die zukünftigen Mitbewohner zu finden. Franz Zeiner von „WM in Zeillern“ bestätigt diese Schilderung. Auch Christine Burghofer von „WM in Aschbach“ sieht den Grund für die Abwanderung von Menschen mit berechtigtem Asylstatus nach Wien in den nicht leistbaren Wohnungen in der Gemeinde. Gabriele Starkl hat eine fünfköpfige Familie bei sich aufgenommen. „Ich findet es schade, dass der Krieg der Grund ist, aber ich möchte diese Bekanntschaft nicht missen“, meint sie. Werner Scholz und Elisabeth Auinger von „WM in Ardagger“ berichten von ihrem Versorgungslager, das noch aus der Albanienhilfe stammt. Zudem betonen sie, dass viele grundsätzliche Probleme derzeit deutlicher zu Tage treten, die es auch schon vor der „Flüchtlingskrise“ gab. So war es immer schon ein Problem für einen Bezieher der Mindestsicherung, dass zwischen Antrag und Auszahlung der Mindestsicherung ein Zeitraum von acht bis zwölf Wochen liegt. Es gibt bei dieser Regelung keinen Unterschied zwischen einem Asylberechtigten oder einer alleinerziehenden Mutter. Die Miete muss in dieser Zeit aber trotzdem bezahlt werden.


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