Caritas-Interview: „Die Krise ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“

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Michaela Aichinger Michaela Aichinger, Tips Redaktion, 25.11.2020 19:58 Uhr

MOSTVIERTEL. Das Coronavirus hat Österreich derzeit fest im Griff. Welche sozialen Auswirkungen die Krise auf die Bevölkerung hat, darüber sprach Tips mit Christian Köstler sowie Klaus Felgitsch von der Caritas Amstetten.

Die Caritas steht mit vielen Einrichtungen Menschen in prekären Situationen zur Seite. Dabei handelt es sich etwa um die Sozialberatung, um die Männer- und Familienberatung oder auch um den Caritas-Laden (Carla), in dem günstig Secondhand-Ware erstanden werden kann.

Erste Auswirkungen der Krise

In all diesen Einrichtungen sind laut Klaus Felgitsch von der Caritas Sozialberatung Amstetten erste Auswirkungen der Krise spürbar: „Die Corona-Krise ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Viele Menschen, die sich hilfesuchend an die Sozialberatung wenden, sind erstmals auf die Unterstützung der Caritas angewiesen“.

Zahl der Anfragen steigt

Betroffen seien im Vergleich zu den Vorjahren nun auch Menschen, die erstmals durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit nicht mehr über die Runden kommen. In Summe sei ein Anstieg an Anfragen bemerkbar. „Unsere Sozialberatungsstelle ist auch während des Lockdowns jederzeit telefonisch unter 0676/83844308 oder per Mail an klaus.felgitsch@caritas-st.poelten.at erreichbar. Wir helfen Menschen in Not mit Lebensmitteln und Bekleidungsgutscheinen oder auch mit der Übernahme von Strom- sowie Heizkosten“, erklärt Felgitsch.

Alle Altersgruppen betroffen

Auch in anderen Caritas-Einrichtungen wie der Männer- oder der Familienberatung seien erste Folgen der Krise spürbar. „Im Carla bemerken wir einen Anstieg jener Personen, die erstmals unser Angebot nutzen“, berichtet Christian Köstler, Leiter der PfarrCaritas Amstetten. Personen aller Altersgruppen suchen Köstler zufolge die Hilfe der Caritas-Einrichtungen: von jungen Erwachsenen bis hin zu Pensionisten im hohen Alter.

Job weg – Fixkosten bleiben

Durch die Corona-Krise sind laut Felgitsch vor allem Personen betroffen, die nun ihre Arbeit verloren haben oder aufgrund von Kurzarbeit über weniger Einkommen verfügen. „Da die Fixkosten wie Miete oder Kredite aber gleich bleiben, stoßen viele hier an ihre Grenzen. Das sind auch oft Personen, die davor noch nie in der Situation waren, Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen“, so Felgitsch. Die Corona-Pandemie habe zusätzliche Belastungen gebracht: Angst um den Arbeitsplatz, finanzielle Sorgen, Spannungen in der Partnerschaft oder der Familie. „Mit diesen Themen sind unsere Kolleginnen und Kollegen in der Familien- und Männerberatung konfrontiert“, erklärt Felgitsch weiter.

Hilfsgelder im Gießkannen-Prinzip ausgezahlt

Die Corona-Hilfen seitens der Politik sieht Köstler von zwei Seiten: „Unterstützungen der Politik sind in schwierigen Zeiten immer zu begrüßen. Einige Hilfsgelder wurden aber im Gießkannen-Prinzip ausgezahlt. So haben auch Familien oder Personen ohne Einbußen davon profitiert, wohingegen Familien mit massiven Einschnitten im Einkommen zum Teil zu wenig Hilfe bekommen haben“.

Manche Menschen von NÖ Sozialhilfe ausgenommen

Zudem gebe es Personengruppen, die aufgrund ihres Aufenthaltstitels in Österreich von der NÖ Sozialhilfe ausgenommen und rein vom Erwerbseinkommen abhängig seien. „Diese Personen trifft ein Jobverlust aufgrund der Krise noch härter. Wenn es dann auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld gibt, stehen sie und auch mitversicherte Familienmitglieder in Zeiten einer Pandemie sogar ohne Krankenversicherung da“, macht Köstler aufmerksam.

Obdachlose Menschen - Notschlafstellen

Und wie ergeht es obdachlosen Menschen in Zeiten wie diesen? „Es gibt bei uns nur punktuell Menschen, die von akuter Obdachlosigkeit betroffen sind. Hier versuchen wir zu den entsprechenden Notschlafstellen zu vermitteln, was besonders im Winter aber auf Grund deren hoher Auslastung nicht immer ganz einfach ist“, so Köstler.

Caritas Sozialberatung

Klaus Felgitsch: 0676/83844308 | klaus.felgitsch@caritas-st.poelten.at

Caritas Familienberatung

07472/67577 | fap.amstetten@caritas-stpoelten.at

Carla Amstetten (voraussichtlich ab 7. Dezember wieder geöffnet)   0676/83844313

 

Die Caritas versucht, Menschen in Not mit ihren Angeboten auf unterschiedlichste Weise zu unterstützen und zu begleiten. Viele dieser Angebote sind durch Spenden finanziert. 

Caritas Spendenkonto

IBAN: AT28 3258 5000 0007 6000

BIC: RLNWATWWOBG

Verwendungszweck: Inlandshilfe

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