Erinnerungen an den Tschernobyl-Gau

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Der Reaktor von Tschernobyl Foto: Youproduction/Shutterstock.com
Norbert St. Mottas Norbert St. Mottas, Tips Redaktion, 03.05.2021 18:42 Uhr

MOSTVIERTEL. Tips ging der Frage nach, ob sich Menschen der Region Mostviertel noch an die Tage der Katastrophe von Tschernobyl erinnern.

MOSTVIERTEL. Bei großen Ereignissen erinnern sich Menschen genau, was sie damals gerade gemacht haben, selbst wenn das Ereignis schon lange zurück liegt. Auch wenn sich nicht alle Befragten an diese Tage erinnern konnten, konnten einige erzählen, wie das damals vor 35 Jahren bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl war.

Christa Dietl, Künstlerin, Stephanshart

Die Künstlerin Christa Dietl war damals 13. Sie berichtet: „Ich bin in einer Wiese gesessen und habe Sauerampfer gegessen. Dann bin ich ins Haus gegangen und habe die Nachrichten vom Gau in Tschernobyl gehört. Ich habe mir sehr große Sorgen gemacht und gleich meinen Bruder ins Haus geholt. In dem Alter habe ich gehofft, dass ich nicht sterben muss, weil ich den Sauerampfer gegessen habe.“

Gerhard Zeillinger, Historiker, Amstetten

Der Historiker Gerhard Zeillinger erzählt: „Ich war an dem Tag am Vormittag Tennis spielen. Ich hatte die Nachrichten von Tschernobyl in der Früh gehört und hatte schon ein mulmiges Gefühl. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das nicht so gescheit war. Es gab aber keine offiziellen Warnungen. Man munkelt, dass die SPÖ damals den 1. Mai-Aufmarsch nicht in Gefahr bringen wollte.“

Josef Plaimer, Stadtarchivar a.D., Amstetten

Der Stadtarchivar a.D., Josef Plaimer, war damals als Gendarm erster Kommandant-Stellvertreter am Posten Amstetten. Er ist gleich als Strahlenschutzbeauftragter eingeteilt worden. Er berichtet: „Ich habe an Fahrzeugen Strahlenmessungen durchgeführt. Auch an Sportplätzen habe ich erhöhte Strahlung gemessen.“

Helmut Swoboda, Künstler, Amstetten

Der Künstler Helmut Swoboda hat die Nachrichten vom Gau in Tschernobyl über Radio und Fernsehen erfahren. „Was ich genau getan habe, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich an die Verschleierungstaktik, wohl um die 1. Mai-Feiern nicht zu gefährden. Ich war Anfang Juni bei der Art Basel und habe gesehen, dass Tschernobyl in der Schweiz überhaupt nicht präsent war. In einer großen Zeitung habe ich lediglich einen kurzen Artikel mit ein paar Sätzen über Tschernobyl gefunden. Meine Eltern hatten damals einen Gemüsegarten und mussten alles wegwerfen. Das hat sie sehr geärgert.“

Ester Steininger, Ärztin, Amstetten

Die Ärztin Ester Steininger hat damals noch in den Niederlanden gelebt und hat die Nachricht im Fernsehen erfahren. Sie berichtet: „In den Niederlanden war keine erhöhte Strahlenbelastung. Wir haben schon darüber diskutiert und uns Gedanken gemacht, haben das aber weniger intensiv erlebt als die Leute in Österreich.“

Ernst Gassner, Weltläden- Vorstand, Amstetten

Der ARGE Weltläden-Vorstand Ernst Gassner war mit seiner Frau Regina gerade unterwegs auf den Liparischen Inseln, auf Lipari. „Auf einem Zeitungscover haben wir ein schreckliches Bild gesehen und uns gedacht: “Da muss etwas ganz Schlimmes passiert sein.„ Wir konnten aber zu wenig Italienisch, um lesen zu können, was da wo geschehen war. Damals gab es ja weder Internet noch Handy. Am Abend haben wir versucht, im Radio über Mittelwelle oder Kurzwelle an Informationen zu kommen. Das war am Anfang unserer Reise. Als wir nach einem Monat zurück kamen, war die Welt eine andere. Meine Eltern waren ganz verstört. Und wir beide dachten: “Gut, dass wir da nicht daheim waren.„“

 

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