Imkerei: Jetzt wird geschleudert
WINKLARN. Mit der Sommersonnenwende geht für die Bienen das Jahr zu Ende. Für die Imker ist das die Zeit zum Honigschleudern. Peter und Silvia Spreitzer betreiben eine kleine Imkerei und erklären, worauf es ankommt.

Rund um die Sommersonnenwende verändern die Bienen ihr Verhalten. Die meisten nektarreichen Blüten haben die Bienen abgeerntet und was sie nun einbringen, verbrauchen sie für ihre eigene Nahrung.
Das ist die Zeit, in der die Imker mit der Honigzubereitung beginnen. Genau genommen haben die Bienen den Honig zubereitet und der Imker übernimmt das Abfüllen.
Peter Spreitzer, Obmann des Imkervereins Winklarn, erklärt die Schritte, wie der Honig von der Wabe ins Glas kommt. Als erstes entnimmt der Imker die Waben aus dem Bienenstock. Dazu braucht er eine dichte Schutzkleidung, denn die Bienen verteidigen den Honig. Und natürlich entnimmt der Imker nicht den gesamten Honig. Zirka zwei Drittel der Honigmenge, die Bienen erzeugen, brauchen sie selbst als Nahrung.
Sobald Peter Spreitzer die Waben in der Imkerei hat, muss er alle Türen und Fenster verschließen, sonst wäre der Raum schnell voller Bienen. Nun beginnt das sogenannte Abdeckeln, eine Arbeit, die sich Peter und Silvia Spreitzer teilen. Die Bienen verschließen alle Waben mit einer Wachsschicht und diese muss entfernt werden. Dazu gibt es eigene Kämme, mit denen man die Wachsdeckel anhebt und von der Wabe schabt. Diese Arbeit schaut einfach aus, erfordert aber durchaus Geschick.
Das Wachs, das dabei anfällt wird, später gereinigt und den Bienen wieder zur Verfügung gestellt. Peter Spreitzer erklärt, dass es wichtig ist, das eigene Wachs zu verwenden, denn zugekauftes Wachs ist nicht immer reines Wachs. Und zertifiziertes Bienenwachs ist entsprechend teuer.
Ein kleiner Teil dieses Wachses geht allerdings einen anderen Weg. Spreitzer: „Das kann man auch kauen. Das haben wir schon als Kinder gern genascht.“ Am Wachs haften noch restlicher Honig und Propolis und die machen den guten Geschmack. Im Mund entwickelt sich das Wachs wie ein Kaugummi, den man, wenn der Geschmack aufgebraucht ist, ausspuckt.
Die abgedeckelten Waben kommen nun in eine Zentrifuge, die den Honig aus den Waben schleudert. Sie schaut so ähnlich aus wie eine Nirosta-Wäscheschleuder. Unten kommt dann der Honig heraus und rinnt über ein grobes Sieb in einen Behälter. Dieser Honig fließt dann nocheinmal durch ein feines Sieb, das die feinen Wachsreste ausfiltert - und das ist dann der fertige Honig, der abgefüllt wird.
Peter und Silvia Spreitzer sind immer aufs Neue begeistert, wenn sie die Waben betrachten. Silvia Spreitzer: „Es ist unglaublich, mit welcher Präzision die Bienen diese Waben bauen. Zumal die Waben aus unterschiedlich großen Sechsecken aufgebaut sind, geht es sich perfekt aus.
Wer Bienen beim Wabenbauen zuschauen will, kann das im Schaukasten tun, den Peter Spreitzer aufgestellt hat. Hinter einer Glaswand kann man die Bienen beobachten und staunen, welche feine Formen bei dem Gewusel entstehen. Zur Zeit bauen die Bienen im Schaukasten eine Wabe im rechten Winkel zur restlichen Wabe. So sieht man sogar ins Innere der Wabe und kann zuschauen, wie die Bienen die Waben befüllen.
Ist der Honig geerntet und abgefüllt, ist für die Imker die Arbeit noch lange nicht vorbei. Peter und Silvia Speitzer führen in den Garten, in dem ihre Bienenstöcke stehen. Was die beiden bis fast in den Winter beschäftigt, ist das Bekämpfen der Varroamilbe. Peter Spreizer wendet eine ausgetüftelte Strategie an, bei der die Königin „eingesperrt“ wird. Zudem werden die Bienen mit Oxalsäure besprüht. Das ist ein für die Bienen schonendes Verfahren. Oxalsäure ist auch in vielen Lebensmitteln enthalten.
Die zentrale Biene in einem Volk ist die Königin. Peter Spreitzer züchtet Königinnen selbst. Dazu setzt er die Bienen der besten Stöcke ein, die er dazu bringt, eine Königin zu machen: Dazu werden die Larven mit Gelee Royal gefüttert und aus der Larve entwickelt sich eine Königin.
Auch wenn Peter und Silvia Spreizer nur eine kleine Imkerei betreiben, ist das mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden. Das ist allerdings eine Arbeit, die den beiden Freude bereitet. Und sie wissen: die Biene ist nicht nur für den Honig von Bedeutung. Ohne Bienen könnten viele Pflanzen - auch Nahrungspflanzen für Menschen - nicht bestäubt werden. Darum raten sie allen Konsumenten, den Honig von regionalen Imkereien zu kaufen. Silvia Spreitzer: „Chinesische Bienen bestäuben unsere Pflanzen nicht.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden