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BEZIRK. Als Diplomierte Lebens- und Sozialberaterin begleitet und berät Gabriele Wallner unter anderem auch trauernde Menschen. Anlässlich von Allerheiligen/Allerseelen bat Tips die Amstettnerin zum Gespräch.

  1 / 2   Zuhören und einfach Da-Sein: So kann man Trauernde in der ersten Zeit am besten unterstützen. (Foto: Doris Schwarz-König)

Tips: Zu Allerheiligen und Allerseelen werden Tod und Trauer alljährlich ins Zentrum gerückt, dann aber auch gleich wieder weggeschoben. Wie schätzt du den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer in unserer Gesellschaft, die ja doch sehr an Leistung, Konsum, Vergnügen & Co. orientiert ist, ein?

Gabriele Wallner: In unserer Gesellschaft haben Allerheiligen und Allerseelen für viele Menschen nicht mehr dieselbe Bedeutung wie früher. Kirchliche Traditionen, wie das Feiern der heiligen Messe zum Gedenken der Verstorbenen, die Andacht am Friedhof und die Segnung der Gräber, werden oft nicht mehr zelebriert. Bestimmt denken und gedenken jedoch viele Menschen in dieser Zeit (an) ihre(n) Verstorbenen – nur vielleicht anders und mit eigens zurechtgelegten Ritualen.

Mein Eindruck ist, dass wir in einer Gesellschaft leben, die sehr unterschiedlich mit dem Sterben, dem Tod und der Trauer umgeht. Es gibt Menschen, die ihre Angehörigen beim Sterben begleiten, die ihren Familien Stütze sind und den Verlust mittragen. Aber das Sterben und der Tod machen auch vielen Angst. Es gibt viele Möglichkeiten, der eigenen Trauer Raum zu geben. Aber auch die Möglichkeit, Trauer nicht zuzulassen und sich abzulenken. Dabei manchmal auch an die eigenen Grenzen zu gehen, um den Schmerz und den Verlust zu verdrängen. Das heißt, dass man beispielsweise zum Sporteln anfängt und das übertreibt, oder sich in eine kleine Sucht, in irgendetwas „reinverliert“, das nicht gut ist.

Du berätst und begleitest trauernde Menschen. Was machst du hier für Erfahrungen? Was brauchen trauernde Menschen besonders?

Trauernde Menschen brauchen in Zeiten, in denen sie von der Trauer überrollt werden und der Alltag zur Last wird, Menschen um sich, die zuhören und ihnen Verständnis entgegenbringen. Trauernde sind oft langsamer, verunsichert und irritiert – ein geduldiges Umfeld, Ermutigung, Zuversicht, tröstende Worte, Wärme und Geborgenheit helfen. Menschen in Trauer fehlt oft die Kraft, auf andere zuzugehen und Hilfe einzufordern. Ein geregelter Alltag ist sehr wichtig, weshalb anfangs die Unterstützung bei kleinen alltäglichen Dingen sehr helfen kann – eine warme Mahlzeit, ein gemeinsamer Kaffee, eine innige Umarmung ...

Was ist deine Motivation, Menschen gerade in einer so herausfordernden Lebensphase zu begleiten? Was gibt dir persönlich die Arbeit mit trauernden Menschen?

Da ich selbst nach dem Tod meines Mannes durch die Trauerbegleitung gute und wertvolle Unterstützung bekommen habe, war es mir ein großes Anliegen zu lernen, Menschen professionell auf diesem Weg zu begleiten. Dabei gehe ich durch mein Dasein, durch Zuhören, Mitfühlen und die Unterstützung der Angebote und Methoden in meiner Praxis den Prozess der Trauer mit ihnen und begleite sie ein Stück ihres Trauerweges. Es ist dabei schön zu sehen, dass sich etwas verändern darf und auch kann.

Du hast dieses Jahr abgesehen von Trauergruppen oder etwa Trauerfrühstücken auch „Trauer und Gehen“ angeboten. Warum ist das Gehen in der Trauer so wichtig?

In der Trauer, vor allem am Anfang, hat man oft das Gefühl, dass alles stehen bleibt – man ist wie erstarrt. Gerade da kann das Gehen sehr hilfreich sein. Trauernde tun sich oft schwer, hinaus zu gehen und haben Scheu jemanden zu treffen. Eine Gruppe kann dann sehr hilfreich sein, um im Austausch und Zuhören zu erfahren, nicht alleine mit der eigenen Trauer zu sein. Im Gehen können neue Schritte gesetzt werden und jeder Schritt, der gesetzt wird, bringt etwas in Bewegung – auch geistig. Das was erstarrt ist, darf sich lösen.

Viele Menschen sind im Umgang mit Trauernden verunsichert, meiden diese manchmal sogar – was rätst du hier? Wie kann man auf trauernde Menschen zugehen?

Was Trauernde brauchen, ist, auf sie zuzugehen und ihnen nicht aus dem Weg zu gehen. Hilfe anzubieten, wie beim Einkauf, Haushalt, Kochen zu unterstützen. Wenn diese abgelehnt wird, es einfach wieder versuchen – die Zurückweisung darf man nicht persönlich nehmen. Auch Unternehmungen vorzuschlagen und gemeinsam Zeit zu verbringen, kann sehr wertvoll sein. Zuhören und einfach Da-Sein – das ist die beste Unterstützung in diesem Moment.

Weitere Informationen zu Gabriele Wallner auf gabriele-wallner.at

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