Da kommen Texte und textile Muster aufs Porzellan: Textpoterie öffnet Türen
ARNREIT. „Ganz naiv“ hat die ausgebildete Ergotherapeutin Christine Mittermayr vor einigen Jahren Bällchenbad und Kletterwand aus der Praxis geräumt und stattdessen eine Töpferscheibe reingestellt. Um bald darauf zu wissen: das bleibt jetzt drinnen. Ergotherapie macht sie trotzdem noch, aber die meiste Zeit widmet sie der Keramikkunst und bringt in ihrer „Textpoterie“ Textzeilen und Textilmuster aufs Porzellan.

Der Bezug zu Stoffen wurde Christine Mittermayr schon in die Wiege gelegt. Schließlich ist sie in Haslach aufgewachsen, und Leinen und Baumwolle waren da immer im Haus. „Wir haben im Mühlviertel so schöne Muster, die ich als Experiment aufs Porzellan gebracht habe. Die Struktur des Leinens bleibt so erhalten“, erzählt die Keramikerin aus Arnreit, die in einer kleinen Werkstatt dieses Handwerk gelernt hat.
Jeden Mittwoch ist Drehtag in ihrem Atelier. Dann werden auch Auftragsarbeiten erledigt. Momentan etwa arbeitet sie an außergewöhnlichen Tellern für ein Haubenlokal. „Es tut gut, sich nach einem intensiven Ergotherapie-Tag in die Werkstatt zurückzuziehen. Da kann ich mich ganz aufs Tun konzentrieren und über gewisse Dinge nachdenken“, sagt Mittermayr. Die besten Ideen kommen in solch ruhigen Momenten.
Botschaften via Tassen und Teller
Sie modelliert nicht nur eigenes Porzellan, sondern pimpt auch altes auf. Mit Zeilen aus Liedtexten oder aus dem Alten Testament. „Das ist aus einer spontanen Idee heraus bei einem Workshop entstanden. Es ist doch schön, schon in der Früh in der Müslischale einen Zuspruch zu lesen oder Botschaften mit dem Kaffee zu bekommen. Das wären ja auch ideale Liebesbotschaften“, meint die Künstlerin, die zu diesem Zweck altes, hochwertiges Porzellan sammelt.
In Paris, Hamburg und hierzulande
Mit ihren Werken aus der Textpoterie ist Christine Mittermayr immer wieder auf Keramik- und Designmärkten vertreten. Für Februar hat sie jetzt die Zusage für eine Ausstellung in Hamburg bekommen. Ihre bisher „größte und aufregendste Ausstellung“ war bei der Fachmesse „Maison & Objet“ in Paris. Weil ihr außerdem der Austausch mit anderen Kreativen wichtig ist, hat sie die Atelierblicke ins Leben gerufen. Dabei kommt die Mühlviertlerin mit anderen Künstlern ins Gespräch.
Zum netten Zusammensitzen bei Kaffee, Tee und Lebkuchen zwischen schönem Porzellan lädt sie auch am 8. und 9. Dezember. Dann öffnet sie nämlich ihr Atelier für interessierte Besucher.


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