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BRAUNAU/RIED. Seit vergangenem Dezember ist der Braunauer Walter Koller Präsident des Rieder Landesgerichts. Bereits seit 1987 arbeitet der dreifache Familienvater bis auf eine kurze Unterbrechung am Landesgericht. Im Interview mit Tips hat sich der 59-jährige Nachfolger des Burgkirchners Franz Maier über aktuelle Herausforderungen in der neuen Rolle, die Faszination für seinen Beruf und seine Ziele und Vorstellungen für die kommenden Jahre unterhalten.

Walter Koller ist seit Dezember Präsident des Rieder Landesgerichts. Foto: Tips/Kobler
Walter Koller ist seit Dezember Präsident des Rieder Landesgerichts. Foto: Tips/Kobler

Tips: Herr Koller, wie waren die ersten Monate als Präsident des Landesgerichts?

Walter Koller: Natürlich gab es durch die neue Aufgabe viele Veränderungen für mich. Ich habe jetzt viel mehr Kontakt zu anderen Institutionen und bin in vielerlei Hinsicht erster Ansprechpartner, gerade auch was Personalangelegenheiten betrifft. Als Hauptverantwortlicher für den Gerichtssprengel Braunau, Ried, Mattighofen und Schärding kommt da einiges zusammen. Ich bekomme seitdem auch etwa dreimal so viele Mails wie zuvor (lacht).

Tips: Was muss man für die Tätigkeit als Richter für Eigenschaften und Fähigkeiten mitbringen?

Koller: Auf jeden Fall die nötige Gelassenheit, ein großes Interesse für Problemlösungen und das entsprechende Fachwissen als Rüstzeug. Zusätzlich muss man meiner Meinung nach bereit sein, sich ständig weiterzuentwickeln. Eines meiner liebsten Sprichwörter und gleichzeitig auch Lebensmotto kommt aus dem Lateinischen: „dies diem docet“, das heißt so viel wie jeden Tag lernt man etwas dazu oder jeden Tag sollte man neue Herausforderungen angehen.

Tips: Was sind aktuell die größten Herausforderungen, mit denen Sie in Ihrer neuen Rolle zu tun haben?

Koller: Wir haben generell in der Justiz derzeit große Personalprobleme. Teilweise können Stellen nicht nachbesetzt werden, dadurch steigt natürlich auch der Druck auf die vorhandenen Mitarbeiter. Wir hatten in den unterschiedlichen Gerichten zuletzt mehrere Fälle von Burnout. Durch Einsparungen gibt es diese Probleme, aber auch, weil die Justiz an Attraktivität verloren hat. Viele Arbeitnehmer gehen lieber in die Privatwirtschaft, zum Land oder den Gemeinden. Diese Personalprobleme zu lösen wird in den nächsten Jahren eine meiner größten Herausforderungen. Von jetzt auf gleich wird sich diese Situation aber mit Sicherheit nicht lösen lassen.

Tips: Was wollen Sie in Ihrer Arbeit anders machen als Ihr Vorgänger Franz Maier?

Koller: Ich will natürlich in erster Linie an seinen erfolgreichen und sehr kollegialen Arbeitsstil anknüpfen. Teilweise möchte ich aber noch zusätzliche Schwerpunkte setzen, zum Beispiel bei der Verkürzung der Schreibfristen oder der rascheren Verfahrensabwicklung. Außerdem will ich künftig die Synergien zwischen Landes- und Bezirksgericht noch besser nutzen.

Tips: Tauschen Sie sich denn noch regelmäßig aus?

Koller: Ja wir stehen weiterhin in gutem persönlichem Kontakt und treffen uns etwa alle zwei Wochen zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch.

Tips: Was waren bisher Ihre spektakulärsten und kuriosesten Fälle als Richter?

Koller: Ich habe mit Schwerpunkt Zivilangelegenheiten verhandelt. Dabei ging es häufig um den Bestand oder Nichtbestand von Unternehmen. Was mir in Erinnerung geblieben ist, war ein Fall, bei dem teilweise DDR-Recht angewendet werden musste. Auch mit dem dänischen Recht kam ich manchmal in Berührung, das war dann teilweise schon kurios.

Tips: Ein großes Thema ist derzeit der Enteignungsstreit um das Hitler-Geburtshaus in Braunau. Wie sieht Ihre Meinung zu dem Fall aus?

Koller: Ich kann die Entscheidung mit der höheren Entschädigungssumme für die ehemalige Eigentümerin durch den Richter unseres Landesgerichts auf jeden Fall absolut nachvollziehen. Nach dem Rekurs durch die Republik Österreich ist es aber derzeit nicht abzusehen, wann es in der Causa eine endgültige Entscheidung gibt und wie diese dann konkret aussieht.

Tips: Wie sieht Ihr Ausgleich zu Ihrem stressigen Berufsalltag aus?

Koller: Mein Motto lautet, ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, deswegen mache ich gerne Sport. Ganz egal ob Laufen, Tennis, Schwimmen oder Radfahren. Bisher war ich auch der Obmann des UTC Braunau. Diesen Posten werde ich aber im April abgeben.

Tips: Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre?

Koller: Ich möchte eine qualitativ hochwertige Rechtssprechung leisten können. Was mir auch sehr wichtig ist, dass ich Arbeitsbedingungen für meine Mitarbeiter schaffen kann, bei denen sie ihre Arbeit gerne und frustrationsfrei machen.


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