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BRAUNAU. Über manches wird unter Männern wenig geredet. Der November steht daher im Zeichen der Männergesundheit, um auf wichtige männerspezifische Themen aufmerksam zu machen. Tips sprach darüber mit Karl-Heinz Matl, einem Männerberater des Bezirks Braunau

Karl-Heinz Matl unterstützt Männer unter anderem dabei, Perspektiven zu ändern, und den Blick für mehrere Möglichkeiten zu weiten. Foto: Beziehungleben

Matl ist diplomierter Ehe-, Familien- und Lebensberater und arbeitet bei der Beratungsstelle „Beziehungleben“. Dort wird Beratung in verschiedensten Bereichen angeboten, wobei die Männerberatung ein Spezialangebot darstellt. Durch Aus- und Weiterbildungen wird darauf geachtet, dass das multifunktionelle Team gut auf diese Aufgabe vorbereitet ist.

Diese Spezialisierung ist auch notwendig, sagt Matl. Denn der Unterschied zwischen Männern und Frauen wird auch in der Beratung sichtbar. „Der Umgang mit dem eigenen Körper ist beispielsweise unterschiedlich“, erläutert der Berater. „Bei Frauen ist die Zuwendung zum eigenen Körper teilweise besser. Männer hingegen tendieren dazu, über Beschwerden hinwegzusehen.“

Alarmsignale beachten

Die Lust am Wettkampf sei bei Männern stärker ausgeprägt. Ein permanenter Wettkampf ist aber sehr anstrengend. Der Drang, sich durchzusetzen, geht dann oft bis an die Schmerzgrenze, was wiederum dazu führt, dass Alarmsignale des Körpers zu wenig beachtet werden.

„Manche Männer nutzen die Zeichen des Körpers, wie Bluthochdruck oder Schweißausbrüche, nicht und ignorieren sie.“ Dadurch können manche Leiden chronisch werden. „Dabei hat man bereits herausgefunden, dass nicht Personen, die sich durchsetzen können, am erfolgreichsten sind, sondern jene, die auf Veränderungen eine gute Antwort haben.“

Empfindungen ernst nehmen

Die Eigenfürsorge könnten sich Männer außerdem von Frauen abschauen, meint Matl. „Frauen dürfen zudem oft mehr Schwäche zeigen als Männer, das ist fast schon ein weibliches Privileg.“ Sätze, wie „Ein Krieger kennt keinen Schmerz“, seien noch in der Gesellschaft verankert und müssten überdacht werden. „Dabei kann uns der Körper, etwa durch aufkommende Stimmungen, sehr viel mitteilen. Wir versuchen den Männern daher zu vermitteln: Achtet auf eure Empfindungen. Viele Männer müssen das Vertrauen in eigene Gefühle erst lernen.“

Wichtig sei auch, Situationen zu analysieren und sich zu überlegen: Wie kann man sich vor Schwierigkeiten wappnen oder Hilfestellungen holen?

Hilfe annehmen

„Männern fällt es allerdings schwer, Hilfe anzunehmen. Dabei ist es eine Stärke, wenn man schaut, wo man Unterstützung bekommen kann“, erklärt Matl. „Wenn man bei einem Auto bemerkt, dass etwas nicht funktioniert, dann fährt man auch in die Werkstatt zu einem Experten.“

Bei der Männerberatung gehe es nicht darum, dass Diagnosen abgearbeitet werden. Sondern sie soll Gelegenheit geben, jeweilige Schwierigkeiten zur Sprache zu bringen. „Die Führung bleibt generell bei den Ratsuchenden. Wir helfen dabei, den Blick zu weiten und mehrere Möglichkeiten und Ressourcen, die man nutzen kann, zu entdecken. Wir wollen Mut machen, den eigenen Handlungsspielraum zu nutzen.“

Existenzängste steigen

Derzeit ist Corona ein großes Thema in den Beratungen. „Viele Braunauer sorgen sich wegen den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie und haben Existenzängste.“ Durch die Sicherheitsmaßnahmen seien auch die Schwellen auf dem Weg zur Beratung größer geworden. Man kann jetzt allerdings auch telefonische Beratungen in Anspruch nehmen. Hierzu kann man bei der Zentrale anrufen, dort wird die Verbindung zu den Beratern hergestellt.

Beziehungleben

Mo bis Fr: 8 bis 12 Uhr

Mo bis Do: 13 bis 16 Uhr

0732/77 36 76

Beziehungleben.at


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