Hohe Belastung der Krankenhausmitarbeiter durch Covid: „Wir sind am Limit“

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Theresa Senzenberger Theresa Senzenberger, Tips Redaktion, 25.10.2021 08:00 Uhr

BRAUNAU. Mit einem Flashmob, an dem sich insgesamt 17 Krankenhäuser in Oberösterreich beteiligten, machte auch das Krankenhaus Braunau auf die zunehmende Hospitalisierung aufmerksam. Die steigenden Infektionen bringen das Personal an seine Grenzen, sagt auch Erwin Windischbauer, der Geschäftsführer des Krankenhauses. Daher appellieren die Mitarbeiter an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen.

„Unser Akku ist leer. Bitte lassen Sie sich impfen“ oder „Nicht noch ein Corona-Winter“, stand auf den Plakaten des Krankenhaus-Personals, als es bei einem etwa 15 Minuten dauernden Flashmob die kritische Situation verdeutlichte. Neben Ärzten beteiligten sich auch das Pflege- und Reinigungspersonal sowie andere Mitarbeiter an der Aktion.

Während sie am Anfang der Pandemie noch Applaus für ihre Leistungen bekamen, ist von dieser Wertschätzung nicht mehr viel übrig. Stattdessen steigen die Covid-Zahlen und die der Patienten auf den Intensivstationen, obwohl inzwischen eine Impfung zur Verfügung steht. „Immer wieder müssen Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden“, sagt Windischbauer. Die meisten Covid-Patienten im Krankenhaus sind nicht geimpft. Inzwischen kommen auch vermehrt jüngere Patienten auf die Stationen.

„Wir sind am Limit“

„Die Zusatzbelastung, die durch die vielen Covid-Fälle entsteht, ist für das ganze Personal enorm. Wir sind am Limit“, sagt Windischbauer. „Alleine das Tragen der Schutzausrüstung ist in diesem Ausmaß und der Länge, wie die Krise inzwischen dauert, für die Mitarbeiter sehr belastend.“ Während es circa zwei Minuten dauert, bis Brille, Mantel, Doppelhandschuhe und mehr angezogen sind, vergehen viele Stunden, bis sich die Ärzte und Pfleger der Schutzausrüstung wieder entledigen können. Dabei sind die Krankenhausmitarbeiter froh, einen Schutz zu haben, denn zu Beginn der Pandemie war das nicht immer gewährleistet.

Viele Krankmeldungen

Viele Menschen unterschätzen nicht nur das Coronavirus, sondern auch den zusätzlichen Aufwand, der bei der Betreuung von Covid-Patienten entsteht. „Corona hat im Krankenhaus den gesamten Ablauf auf den Kopf gestellt“, erklärt Windischbauer. Nicht nur die Arbeitsanforderung, auch der Personalbedarf ist auf Covid-Stationen viel höher als auf anderen. Laut Windischbauer ist der Betreuungsaufwand für Covid-Patienten mindestens doppelt so hoch wie bei anderen Patienten.

„Die Arbeitsbelastung ist aus vielen Gründen enorm gewachsen, die Mitarbeiter müssen viele Überstunden leisten. Man stellt die eigenen Bedürfnisse hinten an“, sagt auch Carina Primus, Oberärztin der Inneren Medizin 1. „Wir arbeiten schon fast zwei Jahre lang an unserer psychischen und physischen Grenze“, berichtet Julia Söllinger, die Bereichsleiterin Pflege Innere Medizin 2 und der Covid-Station. „Der Personalmangel in der Pflege hat sich durch Covid verstärkt.“

Wie groß die Belastung inzwischen ist, zeige sich an den vielen Krankmeldungen und Kündigungen, die seit Corona deutlich gestiegen sind. „Wir haben Sorge, dass wir die Leistungsanforderung nicht mehr erfüllen können, weil das Personal dafür nicht mehr da ist“, so Windischbauer.

Psychische Belastung

Schwerwiegender als der körperliche Aspekt ist die psychische Belastung, die durch das Leid der Patienten entsteht, wie Primus und Söllinger berichten. „Wir begleiten die Patienten in einer für sie sehr schweren Situation, teilweise über mehrere Wochen hinweg. Auch die Angehörigen sind oft verzweifelt und wir haben in der Zeit, seit Corona begonnen hat, viele Patienten verloren“, erzählt Primus. „Wir sehen die Tränen der Sterbenden. Patienten haben außerdem massive Angstzustände, da bereits leichte Tätigkeiten zu Luftnot führen. Besonders nachts gibt es hier für uns viel zu tun“, berichtet Söllinger.

Impfskepsis der Bevölkerung

„Es zehrt an einem, vor allem, da es jetzt eigentlich eine Impfung gibt, die schwerwiegende Folgen von Corona verhindern kann“, sagt Primus. „Wir sind sehr irritiert, weil wir nicht verstehen, warum die Bevölkerung die Impfung nicht annimmt“, ergänzt Söllinger. „Wir trauen uns teilweise schon gar nicht mehr, etwas über Impfungen zu sagen, weil manche mit persönlichen Angriffen oder sogar Drohungen darauf reagieren.“

Sie hoffen, dass die neue 3-G-Regelung am Arbeitsplatz die Impfbereitschaft erhöht. Womöglich könnten auch kostenpflichtige Tests oder der Umstand, dass mit den steigenden Zahlen viele Menschen jemanden kennen werden, der von Corona betroffen ist, die Impfungen steigen lassen, meinen die Krankenhausmitarbeiter.

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