„Gewaltberatungen haben in den letzten Jahren stetig zugenommen“

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Theresa Senzenberger Theresa Senzenberger, Tips Redaktion, 29.11.2021 17:00 Uhr

BEZIRK BRAUNAU. Gewalt an Frauen ist kein Randthema: In Österreich gab es heuer bereits 28 Frauenmorde. Anlässlich des Internationalen Gedenktages gegen Gewalt an Frauen wurde in Braunau die Anti-Gewaltfahne gehisst. Denn auch im Bezirk Braunau ist der Bedarf an Gewaltberatungen durchaus gegeben.

„Gewaltberatungen haben in den letzten Jahren, wie auch andere Beratungen, stetig zugenommen“, erklärt Margarethe Kröll, die Geschäftsführerin der Frauenberatungsstelle Frau für Frau in Braunau. Das ist laut Kröll vorrangig deshalb, weil sich Frauen immer mehr trauen, sich an Beratungsstellen oder auch an die Polizei zu wenden. Gerade in der Frauenübergangswohnung, die eine Anlaufstelle für Frauen aus psychisch belasteten Beziehungssituationen ist, wird eine Auslastung von bis zu 80 Prozent verzeichnet, berichtet die Expertin.

Jede dritte Frau wird Opfer

Jede dritte Frau wird Opfer von Gewalt. Einer Studie von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) zufolge kennen sich bei Frauenmorden Täter und Opfer in 80 Prozent der Fälle. Laut einer Statistik der Gewaltschutzzentren wurden in Oberösterreich 2020 insgesamt 2.024 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen, davon 164 im Bezirk Braunau. „Der vermeintlich sicherste Ort, das eigene Zuhause, ist für Frauen tatsächlich der gefährlichste. 90 Prozent aller Gewalttaten passieren in der Familie und im sozialen Nahraum“, erzählt Kröll.

„Gewalt beginnt meist schleichend und ist oft schwer zu erkennen. Beschimpfungen, Beleidigungen, Erniedrigungen, Drohungen und Kontrolle können Vorstufen von massiver, körperlicher Gewalt sein. Gerade in Trennungssituationen kann eine erhöhte Gefährlichkeit gegeben sein.“

Lockdown verschärft Lage

Die erneuten Ausgangsbeschränkungen verschärfen die Lage. Auch Stress und finanzielle Probleme führen zu vermehrten Auseinandersetzungen, die eskalieren können. „Gewalt gegen Frauen ist kein privates, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, das Corona zusätzlich verschärft“, sagt die Braunauer SPÖ-Bezirksvorsitzende Gabriele Knauseder und ergänzt: „Intensive Präventionsarbeit und eine zunehmende Sensibilisierung der Öffentlichkeit für dieses Thema sind hier immens wichtig. Also: Gefahr sehen, rechtzeitig informieren und Hilfe suchen.“ Auch Kröll betont: „Frauen müssen wissen, welche Hilfsangebote es gibt und wo sie Unterstützung finden.“

Hilfsangebote in der Region

Frauen, die von akuter Gewalt betroffen sind, können Schutz im Frauenhaus Ried und Hilfsangebote im Gewaltschutzzentrum Ried finden. Auch eine Prozessbegleitung ist hier möglich. Als Soforthilfen gibt es zwei Rund-um-die-Uhr-Hotlines: die Frauenhelpline (0800/222555) und die Männerinfo (0800/400777). „Erste Anlaufstelle bei akut drohender Gewalt ist immer die Polizei“, sagt Kröll. Die Beamten können ein 14-tägiges Annäherungs- und Betretungsverbot für die Wohnung der Frau aussprechen, um sie zu schützen. In Braunau bietet auch die Beratungsstelle Frau für Frau Hilfe.

900 Beratungen pro Jahr

Alleine bei Frau für Frau werden pro Jahr circa 900 Beratungen durchgeführt. „Neben der Einzelberatung ist eine wirksame Gewaltpräventionsarbeit essenziell“, sagt Kröll. Die Frauenberatungsstelle bietet dazu Workshops, Gruppenangebote und entsprechende Öffentlichkeitsarbeit an. „Mangelnde Gleichstellung, alte Rollenbilder und teils immer noch patriarchale Strukturen sind nur einige Gründe für das enorme Ausmaß an Gewalt an Frauen. Hier gilt es entgegenzuwirken, um die Situation von Frauen und Mädchen endlich zu verbessern“, so die Frauenberaterin. Zwar werden die Angebote zur Gewaltprävention sehr gut angenommen. „Es ist aber noch ein weiter Weg, bis dies in der Gesellschaft entsprechend angekommen ist.“

Frauenhaus in Braunau

Schon seit mehr als zehn Jahren gibt es Bestrebungen, dass auch in Braunau ein Frauenhaus entsteht. Renate Mann, die kürzlich verstorbene Obfrau des „Verein Frauenhaus Braunau“, leistete hier einen entscheidenden Beitrag. Inzwischen seien alle notwendigen Unterlagen von Landesseite her unterschrieben und liegen beim Stadtamt vor, erklärt Knauseder. „Die weiteren Schritte werden demnächst eingeleitet, hieß es.“ Bei der nächsten Vorstandssitzung des Vereins wird eine interimistische Obfrau gewählt. „Das Projekt Frauenhaus Braunau soll rasch in die Umsetzung kommen“, betont die Landtagsabgeordnete.

Zeichen gegen Gewalt

Bis zum 10. Dezember wird verstärkt auf das globale Problem der Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht. In Braunau setzte nicht nur die Frauenberatungsstelle Frau für Frau ein Zeichen gegen Gewalt, indem sie gemeinsam mit Bürgermeister Johannes Waidbacher (ÖVP) die Anti-Gewaltfahne auf dem Stadtplatz hisste. Heuer weist erstmals auch die orange Fahne des Soroptimist International Österreich-Club Ried/Innviertel vor dem Bezirksgericht in Braunau auf das Thema hin – und auch das Krankenhaus Braunau leuchtet in Orange.

Zudem fordern die SPÖ-Frauen mit der Aktion „Diese Hände schlagen nicht“ die Bundesregierung zum Handeln auf. Mit Flyern, Plakaten und auf Social Media wird auf das Thema aufmerksam gemacht.

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