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BRAUNAU. In ganz Österreich fordern Schüler wegen den Auswirkungen der Corona-Pandemie Anpassungen bei den Abschlussprüfungen. Auch im Bezirk Braunau streikten Schüler der BHAK Braunau. Andere Schulen des Bezirks verzichteten auf Streiks.

  1 / 2   HTL-Schulsprecher Julian Dörfl und HTL-Schulleiterin Gerda Schneeberger sprachen über die Maturastreiks in Oberösterreich. (Foto: HTL Braunau)

In vielen Schulen fanden oberösterreichweit Warnstreiks der „Aktion Kritischer Schüler:innen“ (AKS) statt. Auch in der BHAK/BHAS Braunau wurde in den drei Abschlussklassen ein Streik ausgerufen. Die Schüler forderten eine faire Matura.

Laut dem BHAK/BHAS-Schülersprecher Tino Huber ist das Hauptanliegen der Maturanten die Freiwilligkeit der mündlichen Matura. In den letzten beiden Jahren war diese Freiwilligkeit gegeben. Das änderte sich im neuen Schuljahr.

Leistungsdruck verringern

Zudem fordern die Schüler Maßnahmen, die den Leistungsdruck verringern und die psychische Gesundheit verbessern. Durch die Pandemie habe sich nicht nur die psychische Belastung erhöht, sozial schwächere Schüler seien durch das Distance Learning außerdem benachteiligt. Kritisiert wird auch, dass die Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) und die Allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) ungleich behandelt werden, beispielsweise was die Abgabetermine der Vorwissenschaftlichen Arbeiten und Diplomarbeiten betrifft.

Unterstützung von der SPÖ

Rückendeckung bekommen die Maturanten von der Bezirks-SPÖ. „Die Schüler verlieren durch den Covid-Aufwand an den Schulen extrem viel Lernzeit“, sagt SPÖ-Landtagsabgeordnete Gabriele Knauseder. In den vergangenen Jahren war fast durchgehend Prüfungs-Notbetrieb. „Deshalb sind die Schüler bei weitem nicht im ‚üblichen Ausmaß‘ auf Prüfungssituationen vorbereitet.“ Zudem könne eine mündliche Matura in Covid-Zeiten viel Komplexität mit sich bringen, etwa wenn durch Quarantäne Vorbereitungsstunden versäumt werden.

HTL und Gymnasium

Im Gymnasium (BG/BRG) und an der HTL Braunau kam es zu keinen Streiks, wie die Direktoren und Schulsprecher berichten. Laut HTL-Direktorin Gerda Schneeberger gibt es an der Schule eine sehr hohe Impfquote. „Wir konnten daher immer recht viel in Präsenz unterrichten. Sowohl die Schüler als auch die Lehrkräfte sind sich sicher, dass die Vorbereitungen auf die Matura sehr gut gelaufen sind. Wir hatten auch in den letzten beiden Jahren einige freiwillige Antritte zur mündlichen Matura.“

Dennoch gibt es auch den Wunsch nach Matura-Anpassungen. „Es ist für mich nicht fair, wenn man die letzten Jahrgänge, welche ‚nur‘ ein halbes beziehungsweise ein Jahr in der Covid-19 Zeit verbracht haben mit den jetzigen Jahrgängen, welche fast deren ganze Oberstufe mit Lockdowns et ceterea zu kämpfen hatten, vergleicht“, sagt BG/BRG-Schulsprecherin Elisa Häuslmann.

Auch BG/BRG-Direktor Sebastian Plank kann die Sorgen der Maturanten nachvollziehen. Sollte kein neuerlicher Distanzunterricht angeordnet werden, schätzt er einen Entfall der mündlichen Prüfungen aber als nicht zielführend ein: „Die Schüler sind mündliche Prüfungen ohnehin gewohnt und die Maturaprüfungen können als gute Vorbereitung für spätere Herausforderungen in Studium und Beruf verstanden werden.“

Dialog erwünscht

Auch HTL-Schulsprecher Julian Dörfl appelliert: „Selbst wenn uns die Umstände erleichtert werden, schaffen wir es nur, uns vom Ruf der ‚verlorenen Generation‘ zu entfernen, wenn wir die vollen Maturaprüfungen absolvieren. Immerhin dürfen wir bei der Matura beweisen, was wir trotz schwierigerer Umstände gelernt haben.“ Er spricht sich dafür aus, im Dialog mit Entscheidungsträgern eine Lösung zu finden, die für beide Seiten passt.


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