Berufliche Karriere: Unternehmerin Patrizia Faschang zeigt, was als Frau möglich ist
BRAUNAU. Der Weltfrauentag am 8. März, rückt die Gleichberechtigung der Frauen ins Licht. Die 34-jährige Patrizia Faschang, Unternehmerin und Vorsitzende bei „Frau in der Wirtschaft“, geht als gutes Beispiel voran und zeigt, dass auch Frauen eine Karriere anstreben können.

Antlinger: Welche Schule, Ausbildung und welches Studium haben Sie abgeschlossen?
Faschang: An der HTL Braunau habe ich den Schwerpunkt Mediendesign und Kommunikationstechnik gewählt. Danach war ich an der Fachhochschule OÖ am Campus Steyr, wo ich den Bachelor in Marketing und Electronic Business erfolgreich abgeschlossen habe. Anschließend habe ich meinen Master in Supply Chain Management abgelegt.
Antlinger: In welchem Jahr, aus welchem Anlass haben Sie Ihr Unternehmen gegründet?
Faschang: 15. Jänner 2010 – Ich habe mich davor bereits drei Jahre lang mit der Gründung des Unternehmens beschäftigt und dann habe ich es gewagt. Die Anzahl jener, die eine Website benötigen, ist zu groß geworden.
Antlinger: War es schon immer Ihr Traum Geschäftsführerin zu werden beziehungsweise ein eigenes Unternehmen zu führen? Wenn nein, was hatten Sie früher für berufliche Karrierepläne?
Faschang: Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich nicht an kindliche Karrierevorstellungen erinnern kann beziehungsweise ich habe, glaube ich zumindest, auch nie irgendwelche konkreten „ich will mal eine Feuerwehrfrau werden“-Träume gehegt. Das Thema Selbstständigkeit ist jedoch etwas, was ich seit Kindheitsbeinen an kenne. Meine ganze Familie, mütterlicherseits und väterlicherseits ist beziehungsweise war selbstständig. Meine Großeltern, beiderseits, sind natürlich schon längst in Pension, waren aber selbstständig und fast meine ganze – noch im Berufsleben stehende – Verwandtschaft ist ebenfalls selbstständig.
Antlinger:Wie bekommen Sie Familie, Freizeit und Geschäft unter einen Hut?
Faschang: Ich bin seit fast 19 Jahren in einer Lebensgemeinschaft. Manchmal gelingt mir das nicht so gut, manchmal besser. Und ich übe – noch immer – auch nach zwölf Jahren als Unternehmerin noch. Was ich aber mittlerweile sehr gut kann, ist Urlaub nicht aufzuschieben und wirklich fix zu planen. Das funktioniert aber nur, wenn es wirklich lange im Voraus geplant wird – denn sonst werden Termine eingetragen bis das Jahresende da ist. Lücken für mehrere Tage entstehen leider oder eher Gott sei Dank nicht mehr durch Zufall. Das aktive Auszeit-Nehmen und im Terminkalender blockieren ist für mich also zwingend erforderlich, um das alles unter einen Hut zu bringen.
Antlinger:Sie agieren ja auch als Bezirksvorsitzende bei „Frau in der Wirtschaft“. Welche Forderungen sehen Sie als besonders wichtig, was wollen Sie unbedingt in naher Zukunft sehen beziehungsweise umsetzen?
Faschang: Die Gender-Pay-Gap (Lohnlücke) und die Tatsache, dass leider noch sehr wenige die Väterkarenz beziehungsweise zumindest den Papamonat nutzen, sind natürlich wichtige Themen, die leider noch immer auf unserer Agenda stehen müssen. Aber dazu gehört natürlich genauso eine flächendeckende Kinderbetreuung – das ist vor allem in ländlichen Gebieten immer mit Herausforderungen verbunden. Sei es, dass es überhaupt eine Kinderbetreuung im Wohnort gibt oder sei es, dass diese auch zu Zeiten verfügbar ist, wo man arbeitet/arbeiten soll. Bei meinem Unternehmen webdots passen wir die Arbeitszeit der Arbeitnehmer an diese Gegebenheiten an – können aber unsere Kunden nicht zwingen, sich auch bei Abstimmungsterminen daran auszurichten. Meine Mitarbeiter sind trotz dieser Flexibilität auf die Mithilfe ihrer Familien angewiesen und nicht jeder hat das Glück, dass – noch – jemand zur Unterstützung greifbar ist.
Antlinger:Haben Sie aufgrund eigener Erfahrungen etwas in Ihrem Unternehmen umgestellt, um Beruf und Familie besser vereinbar zu machen?
Faschang: Bei mir ist das wahrscheinlich am ehesten mit „Team vergrößern“ gleichzustellen. Ich hatte immer eine Vision: So groß zu werden, dass ich ohne Probleme fehlen kann. Ich bin schon sehr nahe dran. Seit heuer haben wir in unserem Team auch viele Teilzeitkräfte beziehungsweise Mütter im Team. Meiner Meinung nach haben wir bei webdots, mit der Gleitzeit, der flexiblen Zeiteinteilung und der Möglichkeit von Homeoffice, es relativ einfach, das Arbeitsmodell auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer anzupassen. Egal ob es dauerhaft ist oder nur für ein paar Tage.
Antlinger:Was würden Sie jungen Frauen, die noch am Anfang ihres beruflichen Werdegangs stehen und ebenfalls eine erfolgreiche Karriere anstreben, mit auf den Weg geben?
Faschang: Auch wenn man wahrscheinlich von vielen Seiten immer wieder mal direkt oder indirekt mitbekommt, dass man sich zu sehr in den Mittelpunkt stellt, dann bitte nicht darauf hören. Als Unternehmerin geht es auch darum, dass man sich selbst beziehungsweise seine Leistungen und Produkte verkauft, da muss man sich in den Mittelpunkt stellen. Ich kann ebenfalls nur stark empfehlen zu netzwerken, so kann man nicht nur Kontakte knüpfen, sondern vielleicht auch den ein oder anderen Fehler vermeiden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden