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BEZIRK BRAUNAU. Im Juni wird mit dem „Pride Month“ die Akzeptanz der LGBTQ+-Gemeinschaft gefeiert. Im Bezirk Braunau gibt es kaum Aktionen dazu und auch nur wenige Angebote für queere Menschen; dabei ist es nach wie vor wichtig, auf ihre Sichtbarkeit und Unterstützung zu achten, betonen die Braunauer Autorin Lou Paulsen und Gabriela Haslböck von Frau für Frau.

Lou Paulsen sprach mit vielen queeren Menschen aus Österreich und ist überzeugt, dass es nach wie vor wichtig ist, den Pride Month zu feiern. (Foto: Privat)

Sefai ist queer mit Migrationshintergrund. Aus Angst, von der türkischen Community ausgeschlossen zu werden, hat er sich immer noch nicht geoutet. So wie ihm geht es nach wie vor vielen Menschen, die queer sind, also zum Beispiel Lesben, Schwulen, Bisexuellen oder Trans-Personen (LGBTQ+), die sich nicht mit dem bei ihrer Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren.

Der Pride Month feiert die Würde und das Recht aller Menschen auf ihre sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität. Während viele die damit einhergehenden Aktionen begrüßen, reagieren andere ablehnend. Ein Kritikpunkt: Ist der Pride Month überhaupt noch notwendig? „Definitiv“, sagen Lou Paulsen und Gabriela Haslböck. „Menschen, die nicht dem heteronormativen Bild entsprechen, werden nach wie vor diskriminiert und bedroht“, erklärt Haslböck.

Sichtbarkeit erhöhen

Ziel des Pride Month ist auch die Sichtbarkeit von queeren Menschen. „Wir sind aktuell sichtbar, aber nur, weil über uns geredet wird. Das eigentliche Ziel wäre, dass es egal ist, ob jemand queer ist oder nicht. Aber um das zu erreichen, muss man vorher über das Thema reden, damit Menschen es mehr verstehen“, sagt Lou Paulsen. Ihr Appell ist also: einander zuhören. „Wenn man sich gegenseitig zuhört, kann man Akzeptanz schaffen.“

Lou Paulsen stammt aus Höhnhart und machte im Buch „Queer durch Österreich“ Stimmen von queeren Menschen öffentlich. Sie schrieb das Werk, weil sie sich ein solches in ihrer Coming-out-Phase gewünscht hätte. „Ich wollte, dass wir über unsere Erfahrungen berichten – und dass nicht nur über uns geredet wird.“

Deswegen sprach sie mit vielen queeren Menschen, auch aus dem Bezirk Braunau, wie Len aus Ranshofen und Verena aus Mauerkirchen. Len ist trans und erzählte ihr von dem langwierigen Prozess einer Geschlechtsumwandlung. Verena wiederum gehört einer anderen Generation von queeren Menschen an und berichtete, wie viel sich in den letzten Jahrzehnten geändert hat.

Positive Entwicklung

„Verena war sehr positiv gestimmt. Ihr zufolge ist die Situation viel besser geworden“, erzählt Lou Paulsen. Sie stimmt zu: „Es wird immer besser, aber auch wieder schlechter. Es gibt jedenfalls jetzt mehr Offenheit als noch vor zehn Jahren.“ In der Region machte sie sowohl negative als auch positive Erfahrungen.

Es schwirren ihr zufolge jedenfalls immer noch falsche Denkweisen herum – zum Beispiel, dass queere Menschen anderen ihre Meinung aufzwingen wollen und sich ihre Sexualität und Geschlechtsidentität nur einbilden.

Neben der Ausgrenzung seien eine der größten Herausforderungen von queeren Menschen das Coming-out und das eigene Eingeständnis, queer zu sein. Vor allem bei Trans-Personen stecke viel Leidensdruck dahinter.

Angebote im Bezirk

Eines der Angebote im Bezirk ist eine Gruppe der Frauenberatungsstelle Frau für Frau, die sich an lesbische Frauen richtet: Das Treffen „Frauen l(i)eben. Es handelt sich hierbei um einen Treffpunkt für alle jugendlichen und erwachsenen Frauen, die Liebesbeziehungen mit Frauen „l(i)eben (wollen)“. Das Angebot soll Raum zum gegenseitigen Austausch mit Gleichgesinnten bieten.

Es können alle Themen besprochen werden, egal ob es um eine kritische Auseinandersetzung mit Vorurteilen geht oder um Lebensmodelle, die in einer homosexuellen Beziehung gelebt werden, wie das Thema Kinderwunsch. In der Gemeinschaft können die Teilnehmerinnen Unterstützung bei der Identitätsfindung und dem Coming-out finden. Das Treffen ist ein Mal im Monat. Die nächsten Termine sind im Herbst.

„Durch Diversität werden Gerechtigkeit und Chancengleichheit in einer Gesellschaft gestärkt. Dafür wollen wir uns als Frauenberatungsstelle einsetzen“, so Haslböck.

Da es im Bezirk nur wenige Angebote für queere Menschen gibt, überlegt Lou Paulsen, in den nächsten Jahren eine Gruppe für Pride-Paraden oder andere Pride-Veranstaltungen zu gründen.

Weitere Aktionen

Am Pride Month beteiligt sich außerdem beispielsweise das ÖGJ-Jugendzentrum Braunau. Hier hängt im Juni die Pride-Fahne, es gab eine Regenbogenbäckerei und das Zentrum machte bei der Pride-Parade in Linz mit.

Am Braunauer Stadtplatz gibt es seit 2022 außerdem einen Regenbogen-Schutzweg – als sichtbares Zeichen für Diversität, Offenheit und Vielfalt. Im Juni wurden die Farben des Schutzweges aufgefrischt.

Weitere Infos:
fraufuerfrau.at
hosilinz.at oder hosi.or.at

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