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BRAUNAU. Lukas Haidinger ist Multiinstrumentalist, Mitglied bei fünf Bands und tritt sogar in Dubai oder Brasilien auf. Während seine ersten musikalischen Gehversuche auf dem Klavier waren, entdeckte der Braunauer als Jugendlicher Heavy Metal als seine Leidenschaft – und das mit Erfolg.

Lukas Haidinger (2. v. l.) bei einem Auftritt mit Nervecell in Dubai (Foto: catnipkiledthecat)
Lukas Haidinger (2. v. l.) bei einem Auftritt mit Nervecell in Dubai (Foto: catnipkiledthecat)

Lukas Haidinger ist in der Metal-Szene kein Unbekannter. Kein Wunder: Der hauptberufliche Tontechniker singt und spielt Bass sowie Gitarre in fünf Bands, ist Songwriter und hilft bei befreundeten Bands aus. Er ist Mitglied bei Distaste, Endonomos, Profanity, Nervecell und Vor die Hunde. Die Bands sind in Oberösterreich, Salzburg, Deutschland und im Fall von Nervecell sogar in Dubai angesiedelt. Die Musikrichtungen sind eine härtere Spielart des Metal und reichen von Deathgrind, Doom bis hin zu Grindcore.

Anspruchsvoller „Radau“

„Die meisten beschreiben die Musik, die ich spiele, sicherlich als Radau. Diese Einordnung kann ich zu einem gewissen Grad nachvollziehen“, sagt der Braunauer. „Gerade extremer Metal, wie ich ihn mache, ist vermutlich ein ‚acquired taste‘, also ein erworbener Geschmack.“

Seine Bands sind aber sehr vielfältig. „Während Profanity hochkomplex, voller Takt- und Tempowechsel sowie ungerader Takte ist und sich in einem rasenden Tempo bewegt, ist Endonomos am anderen Ende des Spektrums angesiedelt: Extrem langsam, hochmelodisch und von traurigem, bisweilen deprimierendem Charakter.“ Distaste wiederum wird als sehr geradlinig, aggressiv und rasend schnell beschrieben. „Bei Nervecell geben sich Groove und Geschwindigkeit die Klinke in die Hand, während Vor die Hunde als satirisches Projekt eine Sonderform einnimmt.“

Neben den Auftritten hat der Musiker viel zu tun. Aktuell wird an einem neuen Endonomos-Album gearbeitet. Auch Profanity wird vermutlich noch Ende dieses Jahres wieder eine neue Platte machen. Dazu kommen die Vorbereitungen auf Tourneen und Videodrehs.

Vom Klavier zur E-Gitarre

Schon als Kind fühlte sich der heute 39-Jährige von der Musik angezogen. „Ich hatte auf dem Klavier herumgeklimpert, sodass meine Eltern mir die Möglichkeit gaben, Klavierunterricht zu nehmen.“

Als er zum ersten Mal eine verzerrte Gitarre von Ritchie Blackmore (Deep Purple) hörte, änderte sich sein musikalischer Fokus. „Ich wusste nicht, was das für ein Instrument war oder was da überhaupt geschieht, aber es hat mich vollständig vereinnahmt. Mein Ehrgeiz am Klavier ließ mehr und mehr zu wünschen übrig und als ein Platz für E-Gitarre an der Musikschule in Braunau frei wurde, wechselte ich das Instrument.“ Nebenbei lernte er autodidaktisch Bass und Schlagzeug.

Der Gitarrist Blackmore war wohl auch die Initialzündung für das Interesse am Metal, vermutet Haidinger. „Der Reiz an der Musik ist vielschichtig. Einerseits ist es genreabhängig sehr anspruchsvoll, andererseits auch urwüchsig und direkt“, erklärt er. „Die eskapistische Natur spricht die sogenannte ‚Teenage Angst‘ an, die manchen heranwachsenden Menschen innewohnt. Es ist ein Gesamtpaket, das bei entsprechender emotionaler Prädisposition sehr verlockend ist.“

Band-Frontman in Dubai

Wie kommt nun ein Braunauer Musiker zu einer Band in Dubai? Der Kontakt wurde über den gleichen Bookingagenten hergestellt. „Ich hatte mit einer anderen Band einige Shows mit Nervecell gespielt. Nach einiger Zeit kontaktierten mich die Musiker, ihr damaliger Sänger hätte kein EU-Visum für eine Tour bekommen, ob ich ihnen aushelfen könnte, da sie wohl meine Stimme mochten und wir gut miteinander auskamen.“

Der Sänger verlor nach und nach das Interesse am Touren. „So übernahm ich immer öfter den Posten des Frontmannes, bis sich das irgendwann so eingegroovt hatte, dass ich nunmehr mehrere Europatourneen, eine Brasilien-Tour und zwei Dubai-Shows mit ihnen auf dem Buckel habe.“

Multikulturelle Gruppe

Abgesehen vom Auftrittsort ist laut dem Braunauer der einzige große Unterschied zu seinen anderen Bands, dass bei Nervecell alle auf Englisch kommunizieren. Wie Dubai selbst ist die Band multikulturell. „Das führt dazu, dass mich auch im deutschsprachigen Raum nach dem Konzert Zuschauer auf Englisch ansprechen. Bevor man sich versieht, hat man sich minutenlang auf Englisch unterhalten. Die Leute, die mich kennen, haben dann etwas zu lachen“, schmunzelt der Musiker.

Aufenthalte in Dubai

Wegen der geografischen Entfernungen treffen sich die Bandmitglieder außerhalb der Touren nicht und spielen nur selten Einzelshows. „Wir proben nur direkt vor einer Tour oder auch gar nicht“, erzählt Haidinger. Bisher kam er zu zwei Konzerten und einem Musikvideodreh nach Dubai. „Mit die schönste Erfahrung war bei meinem ersten Aufenthalt ein Camping Trip in die Red Sand Desert, wo man die Milchstraße mit freiem Auge bewundern konnte.“

„Spaß an diesem Lärm“

In der Welt herumzukommen und dort mit Hörern reden zu können, ist für ihn ein Highlight. „Große Festivals selbstverständlich auch, da fällt es aber schwer, drei oder vier herauszustellen, vor allem da jedes Jahr neue Höhepunkte dazukommen. Ich habe die meiste Freude daran, mit neuen Menschen und alten Freunden den Spaß an diesem Lärm teilen zu können, über unsere Lieblingsbands zu sinnieren und die Musik gemeinsam zu feiern.“


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