Solawi Rittersberg: „Auch zwischen den Mitgliedern wird Solidarität gelebt“
NEUKIRCHEN AN DER ENKNACH. Das Gemüse frisch vom Bauern nebenan, eine große Vielfalt und Raritäten: Carola Geisberger ermöglicht das in Neukirchen an der Enknach. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Reinhard Hofer hat sie einen stillgelegten Milchviehbetrieb reaktiviert und die „Solawi Rittersberg“ ins Leben gerufen.

„Solawi“, das steht kurz für solidarische Landwirtschaft. „In einer Solawi schließt man sich als Bauer mit einem gewissen Kundenkreis von Mai bis Jänner zusammen. Die Kunden geben uns die Garantie, dass sie die Ernte wöchentlich abnehmen und teilen mit uns das Risiko“, erklärt Landwirtin Carola Geisberger. Als Mitglied bekommt man dafür ein Jahr lang wöchentlich frisch geerntetes Gemüse, hat Einblick in die Produktionsweise; langen Transportwegen, Verpackung und Überproduktion werden eine Absage erteilt.
Bei der Solawi Rittersberg wird das Gemüse auf einem Hektar am ehemaligen Milchviehbetrieb ihrer Schwiegermutter – dem Zeitlmayerhof in Rittersberg in Neukirchen – angebaut. Vor allem auf Vielfalt und Raritäten setzt Geisberger bei den Gemüsesorten. „Wir bieten 50 verschiedene Arten von Gemüse an, da ist es nicht so tragisch, wenn mal zwei Arten nichts werden.“ Aktuell bewirtschaftet die 29-Jährige den Hof noch in Teilzeit, für 2022 hat sie den Wunsch, auf Vollerwerb umsteigen zu können. Abgeholt wird das Gemüse am Hof oder im Abhol-Depot, wo es bereitgestellt wird.
Gelebte Solidarität
„Für uns ist es der Vorteil, dass wir nicht die ganze Zeit den Stand betreuen müssen. Das basiert auf einer Vertrauensbasis und bisher funktioniert das sehr gut. Wir richten keine fixen Kisten her, die Kunden können sich das nehmen, was sie wollen. Natürlich mit dem Hintergedanken, dass der Letzte auch noch eine Vielfalt hat.“ Zahlen kann jeder Kunde – nach einem Richtwert – so viel wie er möchte. „Unser System ermöglicht es auch Haushalten mit geringem Einkommen, unser Gemüse zu beziehen. Wir geben nur einen Richtwert an. Das ist der Durchschnittspreis, den jeder zahlen müsste, damit unsere Kosten gedeckt sind. So wird auch zwischen den Mitgliedern Solidarität gelebt.“
Gefragt, wie so eine Mitgliedschaft zustandekommt, erklärt die 29-Jährige: „Im Mai werden die Interessenten kontaktiert, dann können sie wöchentlich das Gemüse abholen. Bei zehn Abnehmern in einer Region wird ein neues Abhol-Depot eingerichtet.“ Der Großteil der Mitglieder bleibe dabei, so Geisberger. Eine gewisse Experimentierfreudigkeit gehört aber dazu. „Für die Kunden ist es eine ordentliche Umstellung, da sie mit verschiedenen neuen Gemüse-Arten konfrontiert werden. Es ist saisonal, sie wissen wo es herkommt. Außerdem haben sie direkten Kontakt zu uns, sodass wir auch auf Wünsche eingehen können.“ Mitglieder werden übrigens auch zu einer Jahreshauptversammlung eingeladen.


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