Im Porträt: Ein Samariter aus dem Dunkelsteinerwald

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Margareta Pittl Online Redaktion, 25.02.2020 13:32 Uhr

DUNKELSTEINERWALD. Kirche, Marx und Kameradschaftsbund – Franz Sedlmayer schlägt ungewöhnliche Brücken. Der 29-Jährige ist Theologe, Ex-KPÖ-Kandidat, Kameradschaftsbundmitglied und noch vieles mehr. Bei der abgelaufenen Gemeinderatswahl ging er mit der Ein-Mann-Liste „Franz“ an den Start. Geholt hat Sedlmayer allerdings zwei Mandate. Das zweite muss nun unbesetzt bleiben. Tips wollte wissen, wer dieser „Franz“ eigentlich ist und bat ihn zum Gespräch.

Franz Sedlmayer hat eine Nachtschicht hinter sich, als er an einem Donnerstagmorgen in der Tips-Redaktion eintrudelt. Er hatte Dienst beim Samariterbund Dunkelsteinerwald. „Die Nacht war ruhig“, erzählt er, geschlafen hätte er genug. Zu Mittag will er weiter nach Wien, dort holt sich der Fachtheologe sein Abschlusszeugnis in Religionspädagogik ab. „Damit könnte ich künftig auch Religion unterrichten“, erzählt der 29-Jährige. Derzeit ist er Pastoralassistent im oberen Waldviertel und als solcher in der Betriebs- und Jugendseelsorge tätig. Ein alter Pfarrhof in Langegg bei Schrems ist dort sein Dach über dem Kopf. Ein zweites Dach hat er in Gansbach.

Peinlich soll es nicht werden

„Hoffentlich wird das nicht peinlich“, habe er sich 2015 gedacht, als er erstmals für ein Gemeinderatsmandat kandidierte. Er ging allein als Ein-Mann-Liste unter dem Namen „Franz“ an den Start. Peinlich wurde es nicht, Sedlmayer holte aus dem Stand 4,84 Prozent und sicherte sich einen Platz im Gemeinderat. Am 26. Jänner 2020 trat er wieder an. Wieder allein. Peinlich wurde es auch diesmal nicht. Im Gegenteil. Der 29-Jährige schaffte im Vergleich mit den anderen Listen das größte Plus in Dunkelsteinerwald (+7,51 Prozent) und holte sich 12,35 Prozent. Die Folge: ein zweites Mandat für Franz. „Das Ergebnis war für mich ein Wahnsinn, damit habe ich nicht gerechnet“, blickt er zurück und erklärt: „Es ist mir vermutlich auch zugutegekommen, dass die FPÖ nicht mehr angetreten ist.“ Einziger Wermutstropfen: Sedlmayer kann das zweite Mandat nicht besetzen. „Natürlich hat mich das ein bisschen geärgert. Ich hätte sogar jemanden gehabt, den ich auf die Liste setzen hätte können, ich dachte aber, dass das nicht notwendig werden würde“, so der Gansbacher.

Ein fehlendes Talent

Im Gemeinderat bleibt er nun also weiter ohne Parteikollegen. Als Einzelkämpfer sieht er sich aber nicht. „Ich kenn ja die Leute dort alle. Vielleicht bin ich für andere so etwas wie ein Original. Ich lasse mich in keine politische Couleur pressen“, erklärt er. „Ich will nah bei den Menschen sein – in allem, was ich tue“, so das Credo des Theologen. Und zu tun hat der Gansbacher genug. Samariterbund, Feuerwehr, Pfarre, Sportverein, Kameradschaftsbund und Gewerkschaft zählen zu seinen Wirkstätten. 2Beim Musikverein bin ich nur deshalb nicht, weil mir das Talent fehlt2, merkt er schmunzelnd an.

Die Motoren der Gemeinde

Idealist, Humanist und Christ sind Termini, die man Sedlmayer guten Gewissens überstülpen könnte. Er spricht von der Würde eines jeden Menschen, vom Wunsch nach einer gerechteren Welt, von Gemeinschaft und davon, dass er für andere da sein will. 2012 trat der Gansbacher der KPÖ bei, kandidierte in den Jahren darauf bei Landtags- und Nationalratswahlen für die Kommunisten. „Das war eine Reaktion auf die damalige Weltwirtschaftskrise. Ein rein auf Wachstum ausgelegtes Wirtschaftssystem lässt immer mehr Menschen unter die Räder kommen“, kritisiert er. Mitglied bei der KPÖ ist er mittlerweile nicht mehr. Der 29-Jährige versteht sich nicht als Parteipolitiker. „Die Menschen brauchen jemanden, der sie vertritt, nicht eine Fraktion“, sagt er. Im Gemeinderat will er eine Stimme für die Vereine sein. „Wir haben keine großen Betriebe, aber wir haben eine große Dichte an Vereinen. Sie sind der Motor, der die Entwicklung antreibt. Vieles passiert ehrenamtlich“, macht er aufmerksam.

Die Sinnfrage kam früh

Aufgewachsen ist Sedlmayer bei seinen Großeltern, beide verstarben, als der Gansbacher noch keine 15 Jahre alt war. „Ich bin in einfachen Verhältnissen groß geworden, ich weiß, was es heißt, nicht auf die Zuckerseite des Lebens gefallen zu sein.“ Die großen Sinnfragen traten früh in das Leben des Kommunalpolitikers. Antworten fand er im Glauben, der den Weg für seinen beruflichen Werdegang als Seelsorger ebnete. Die Menschen anzunehmen, wie sie sind, sie zu begleiten und auch dorthin zu schauen, wo es weniger schön ist, sei sein Weg, sein Ziel.

Man glaubt es ihm.

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