FF Einsatz in Alkoven: Schwefelwasserstoff mit über 500 ppm aus Kanal
ALKOVEN. Mit einer ungewöhnlichen Hilfeleistung waren rund ein Dutzend Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Alkoven konfrontiert. Sie wurden zu einem Stoffaustritt gerufen, wo es stark nach faulen Eiern riechen sollte. Es folgte ein mehrere Stunden dauernder Einsatz.

Der Schulungsabend der Freiwilligen Feuerwehr Alkoven zum Thema „Liftöffnungen“ war gerade am Ausklingen, als gegen 21.30 Uhr ein Feuerwehrmann von zuhause aus im Feuerwehrhaus meldet, dass es bei ihm in der Eferdinger Straße massiv nach faulen Eiern riechen würde und man sicherheitshalber mittels Messergerät vor Ort kommen könnte. Eine Fahrzeugbesatzung rückte daraufhin zur nur wenige Hundert Meter entfernte Einsatzstelle ab. Im Inneren des Wohnhauses konnte das Multiwarngerät schlussendlich 40 ppm Schwefelwasserstoff detektieren. Schwefelwasserstoff entsteht unter anderem beim Faulprozess in Abwässern und zeichnet sich durch den intensiven Geruch nach faulen Eiern aus. Ab einer Konzentration von 50 ppm sind Evakuierungsmaßnahmen vorgesehen.
Über 500 ppm aus KanalschachtIm Zuge der weiteren Erkundung öffnete die Feuerwehr einen auf der Zufahrt situierten Kanalschacht. „Merkte man es bereits an der Nase, bestätigte sich der Eindruck einer massiven Konzentration auch per Messgerät“, schildert der erste stellvertretende Feuerwehrkommandant, Markus Unter. „Das Gerät ist in Lage, bis zu 500 ppm Schwefelwasserstoff (H2S) anzuzeigen, eine Konzentration, die bei längerem Einwirken bereits zur Bewusstlosigkeit führt. Genau diese wurde auch anzeigt, so dass von einer noch höheren H2S-Konzentration ausgegangen werden musste. Nach Verständigung der Gemeinde und dem Analysieren der Kanalwege in diesem Bereich wurden, wurden die umliegenden Wohnhäuser kontrolliert. „In Summe haben wir in rund 20 Gebäuden Messungen vorgenommen“, so Unter weiter. „Gefährliche Konzentrationen im Gebäudeinneren konnten wir nirgendwo feststellen, im Kanalsystem wurden jedoch wenige Hundert Meter weiter vorübergehend immer noch 250 ppm Schwefelwasserstoff festgestellt!“.
Absaugarbeiten durch KanalfirmaDa beim erstgemessenen Schacht die höchste Konzentration festgestellt worden ist, wurde ein Kanalsaugwagen an die Einsatzstelle beordert, welcher im Anschluss Absaug- und Reinigungsarbeiten durchführte. Hierbei wurde eine Kanalverstopfung festgestellt. Hierbei dürfte es beim bakteriellen Faulprozess über längere Zeit zu dieser Ansammlung an Schwefelwasserstoff gekommen sein. Aufgrund der Trennung von Regen- und Abwasserleitungen geschlossenen Kanaldeckel konnte das Gas auch nicht entweichen. Ebenso wurde per Tanklöschfahrzeug eine Spülung des Kanalsystems im sekundär betroffenen Bereich der Linifeldstraße vorgenommen, was in Verbindung mit den angelaufenen Absaugarbeiten bereits zu einer markanten Senkung der Gaskonzentration geführt hat.
Belüften des KanalsNach dem Abschluss der Arbeiten durch die Kanalfirma waren an der auslösenden Stelle lediglich noch 5 ppm Schwefelwasserstoff messbar. „Aus Sicherheitsgründen wurde dennoch das in der Zwischenzeit aus Linz abgeholte Be- und Entlüftungsgerät zum Einsatz gebracht, welches seitens der Berufsfeuerwehr Linz zur Verfügung gestellt worden ist“, erzählt Einsatzleiter Markus Unter weiter. „Hiermit haben wir noch über mindestens 30 Minuten die Kanalluft aus dem Schacht gesaugt und gegen 00.30 Uhr auch die restliche Schwefelwasserstoffkonzentration ins Freie gebracht!“ Im Zuge von zwei durchgeführten Nachkontrollen, die letzte in den Morgenstunden des 16. Oktober 2015, wurde der Erfolg der gesetzten Maßnahmen bestätigt. Für die Einsatzkräfte endete die Hilfeleistung schließlich kurz vor 1 Uhr nachts.


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