Ines Czamler war für „Daraja“ in Kenia
SCHARTEN/LINZ. Ines Czamler hat für knapp drei Wochen den Büroalltag gegen das Hochland Ostafrikas getauscht. Die gebürtige Schartnerin war für „Daraja – die Brücke“ in Kenia unterwegs, wo der Verein HIV-positive Menschen unterstützt.

Für Ines Czamler ist die Arbeit im Verein ein willkommener Ausgleich zum Beruf. Die 29-Jährige studierte Maschinenbau und ist heute in der Entwicklung von Verbrennungsmotoren tätig. Vor zwei Jahren kam sie durch eine Freundin zum Verein, wo sie heute als Vorstandsmitglied für die Projektkoordination zuständig ist.
Erster Besuch in Kenia
Einmal im Jahr fliegen Mitglieder des Vereins in die 10.000- Einwohner-Stadt Emali, um sich vor Ort ein Bild davon zu machen, wie die Zusammenarbeit und die Projekte mit dem dort ansässigen Partnerverein Mt. Zion laufen. Für Ines Czamler war es der erste Besuch vor Ort. „Es war für mich wichtig, mal dort gewesen zu sein, um zu verstehen, wie das Leben in Kenia funktioniert. Denn damit unsere Arbeit Sinn macht, muss sie an die Menschen vor Ort angepasst sein; nur weil etwas bei uns vielleicht sinnvoll wäre, muss es nicht auch dort funktionieren“, erklärt Czamler.
Aufklärung hat Priorität
Derzeit werden in Stadt und Umgebung etwa 95 Erwachsene und an die 30 Kinder betreut, die HIV-positiv sind. „Unsere oberste Priorität liegt in der Aufklärung über die Krankheit. Früher gab es für HIV-positive Menschen im Grunde keine Zukunft. Sie bekamen keinen Job, konnten keine Versicherung abschließen, wurden komplett im Stich gelassen. Dabei kann man heute mit der Krankheit sehr gut leben und vor allem auch alt werden. Wichtig ist, dass die Menschen die Krankheit akzeptieren, regelmäßig ihre Medikamente nehmen und auch auf die Ernährung achten“, erzählt die 29-Jährige.
Die Aufklärung erfolgt in Selbsthilfegruppen und bei Hausbesuchen. „Der Zusammenhalt in den Gruppen ist toll. Die Menschen brauchen sich, helfen sich gegenseitig. Eine Gruppe hatte sich sogar schon vor der Gründung des Vereins zusammengeschlossen und sich gegenseitig unterstützt“, zeigt sich die Wahl-Linzerin beeindruckt.
Sichtbare Erfolge
Besonders nahe ging Czamler die Geschichte einer Familie, die dem Verein schon lange Sorgen bereitet. „Die Mutter und mindestens vier von fünf Kindern sind HIV-positiv. Dazu kommt, dass sie sehr arm sind. Die Mitarbeiter haben die Familie über Jahre besucht, um zu helfen, aber die Mutter hat die Krankheit einfach ignoriert, was das schlimmste ist, was man tun kann. Sie alle waren komplett abgemagert, bis sie zumindest bei den Kindern eine Versorgung erlaubte. Bei unserem Besuch wirkten die Kleinen wie ausgewechselt, sie schauen gesund aus und waren uns gegenüber total offen. Die Mutter selbst ist zwar noch sehr dünn, aber sie besucht sogar eine Selbsthilfegruppe. Sie ist zwar sehr passiv, aber sie geht hin. Für den Verein ist das ein riesiger Erfolg“, so die 29-Jährige. Zwar sei eine Weiterentwicklung der Gesellschaft in Kenia sehr gut spürbar, es gäbe aber immer noch genug HIV-positive Menschen, die sich die Krankheit nicht eingestehen wollen.
Für Ines Czamler war die Reise eine wichtige Erfahrung fürs Leben. „Die Zusammenarbeit mit anderen Kulturen erweitert nicht nur den eigenen Horizont. Man beginnt seine eigenen Prioritäten neu zu ordnen, die Idealvorstellungen zu überdenken. Ich selbst habe meine Ausbildung finanziert bekommen und habe heute einen sehr guten Job, ich bin froh, auf diesem Wege etwas von meinem Glück weitergeben zu können.“


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