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ENNS. Entstanden aus einer Initiative rund um die Suche nach der Ennser Familie Friedmann, die David Hersch 1945 das Leben gerettet hatte (Tips berichtete), hat sich vor kurzem das Mauthausen-Komitee Enns gegründet.

Foto: Weihbold
Foto: Weihbold

Einige zeitgeschichtlich interessierte Personen aus Bildungseinrichtungen, Pfarren und politischen Parteien haben sich damit zu einer Organisation zusammengeschlossen mit dem Ziel, die Erinnerung an die Ereignisse zwischen den Jahren 1938 und 1945 in Enns wachzuhalten, historische Recherchen zu machen und Erinnerungsmale zu initiieren. Der Schwerpunkt dieser Gruppe liege aktuell besonders auf den Todesmärschen von Mauthausen nach Gunskirchen, wo in den Apriltagen 1945 viele Menschen auch in Enns ermordet wurden.

Herma Kennel

Für das neue Jahr hat das Mauthausen-Komitee Enns erstmals öffentliche Veranstaltungen geplant, ein erster Höhepunkt wird ein Abend mit der Berliner Autorin Herma Kennel sein, die am 12. April extra nach Enns reisen wird, um ihr Buch „Die Welt im Frühling verlassen“ zu präsentieren. Kennel hat dabei die Geschichte der Bozena Skrabalek recherchiert, die lange in Enns als Tochter des Verwalters der Ennser Zuckerfabrik gewohnt hat und in Mauthausen ermordet wurde.

Buchpräsentation

Bereits für den 20. Jänner lädt das Mauthausen-Komitee Enns zum Besuch einer außergewöhnlichen Veranstaltung in der Gedenkstätte Mauthausen ein. Um 17 Uhr findet dort die Präsentation des Buches „Die Himmel waren vermauert“ statt.

Aufarbeitung

Joseph Fisher erinnert sich in diesen Memoiren an die Zeit von 1937 bis zur Befreiung aus dem Waldlager Gunskirchen, als Überlebender des Ghettos, der Konzentrationslager Auschwitz, Gusen II und I, von Mauthausen und zuletzt Gunskirchen. Dieses bedeutende Dokument der Erinnerungs- und Aufarbeitungskultur verdeutlicht die enorme Anstrengung, die es für KZ-Überlebende bedeutete, Erinnerungen niederzuschreiben und die jahrelang versuchte Verdrängung aufzubrechen.

„Ich war vollkommen apathisch“

Er beschreibt unter anderem den Todesmarsch, bei dem er auch durch Enns getrieben wurde: „Jeder, der für einen Augenblick stehenblieb, wurde erschossen und seine Leiche auf den Wagen geworfen. Ich schritt dahin, weil die anderen dahin schritten, trottete gedankenleer hinter ihnen her. Ich dachte nicht mehr darüber nach, ob ich leben wollte oder nicht. Ich wusste auch nicht, wann dieser Marsch zu Ende sein wird und wohin sie uns bringen würden. Ich war vollkommen apathisch.“ Nach einer kurzen Einführung werden David, Estee, Amnon und Gideon Fisher aus Tel Aviv aus den Memoiren ihres Vaters Joseph Fisher lesen und persönliche Erinnerungen erzählen. Gezeigt werden auch Ausschnitte aus der Filmdokumentation „6 Million and One“ von David Fisher.

Weitere Informationen

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen und zum Mauthausen-Komitee Enns gibt es bei Frau Käferböck unter 0699/10190436 oder unter enns@mkoe.at.


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