Prekäre Personalsituation: Janek droht Verlust der Einzelbetreuung
ASTEN/LEONDING. Iris Bruckner wohnt in Asten und ist dreifache Mutter, wobei das jüngste Kind eine schwere Beeinträchtigung aufweist. Janek – der Sonnenschein der Familie – wird in wenigen Tagen neun Jahre alt, hat das Angelman-Syndrom und besucht liebend gerne die „Besondere Schule“ in Hart/Leonding und nach der Schule den Heilpädagogischen Hort in St. Isidor. Wie lange er noch betreut werden kann, hängt jetzt an einem seidenen Faden.

Janek fühlt sich so wohl und sehr gut aufgehoben, liebt den Austausch und die gemeinsame Zeit mit anderen Kindern. Gerade Kinder mit schwerer Beeinträchtigung sind sehr oft von vielen Erwachsenen umgeben. Umso wichtiger ist es, dass sie die Möglichkeit bekommen, auch mit anderen Kindern zu spielen, Feste zu feiern und gemeinsame Ausflüge zu unternehmen. „Diese Hort-Betreuung ist auch dringend notwendig, da sowohl mein Mann, als auch ich berufstätig sind und während der Hort-Betreuung zusätzlich zu meiner Arbeit noch diverse persönliche Termine wie Arztbesuche, Therapien, Einkäufe, diverse Fahrten der älteren Geschwister usw. wahrgenommen werden können“, so Iris Bruckner.
Notwendige Betreuung
Aufgrund Janeks Beeinträchtigung wurde ihm bei Schulbeginn vom Land OÖ eine 1:1 Betreuung bewilligt. Janek hatte nun 2,5 Jahre eine äußerst liebevolle Betreuerin, die sich nun schweren Herzens, da sie inzwischen eine schulpflichtige Tochter hat, eine Arbeit im Behindertenbereich gesucht hat, welche sie am Vormittag ausüben kann. Schnellstmöglich wurde eine Jobausschreibung veröffentlicht, auf die sich bis dato jedoch noch keine einzige Person beworben hat. Eine Situation, die nicht nur im integrativen Bereich seit einiger Zeit die Betreuung besonders schwierig macht. „Wir haben im Vergleich zum Dezember im vergangenen Jahr, was die Gesamtheit der Kinderbildungseinrichtungen der Caritas in OÖ betrifft, derzeit um die Hälfte mehr Jobausschreibungen laufen. Aktuell sind es in den Caritas Kindergärten und Horten um die 60 Stellen, die nachbesetzt werden müssten“, so Doris Jagersberger, Abteilungsleiterin der integrativen und heilpädagogischen Kindergärten und Horte der Caritas OÖ.
Betreuung nicht sichergestellt
In der heilpädagogischen Einrichtung in St. Isidor gibt es sieben Gruppen. Derzeit sind laut Jagersberger alleine hier acht Stellen offen. „Wir haben die Mutter auch frühzeitig über die Situation informiert, damit sie im Fall der Fälle eine Lösung finden kann. Im Jänner können wir größtenteils die Betreuung noch abdecken, weil auch die freigestellte Leiterin extra dafür einspringt. Da haben wir nur an einzelnen Tagen ersuchen müssen, sich um eine andere Möglichkeit der Betreuung umzusehen. Wenn wir bis Februar allerdings noch keinen Nachfolger gefunden haben, dann können wir die Betreuung nicht mehr gewährleisten“, hofft Jagersberger auf passende Bewerbungen, dass bis dahin doch noch jemand gefunden werden kann.
Ansonsten könnte es aufgrund der prekären Personalsituation durchaus sein, dass dann auch andere Kinder betroffen sind, die nicht mehr betreut werden können. „Das ist ein Prozess, der sich schon länger hinzieht. Es mussten schon in der Vergangenheit immer wieder Gruppen geschlossen werden, das ist teilweise auch aktuell der Fall“, erklärt Jagersberger.
Herausfordernde Pflege
„Ich weiß nicht, ob Sie sich vorstellen können, was das für uns als Familie bedeutet. Für mich als Mutter und Frau bedeutet es, meinen Beruf aufgeben zu müssen und wieder in ein klassisches altes Rollenbild zurückgeworfen zu werden“, ist Iris Bruckner verzweifelt. Jahrelang war sie ausschließlich mit der Pflege und Betreuung von Janek beschäftigt, da die ersten Lebensjahre enorm herausfordernd waren. Viele Arzttermine, unzählige Krankenhausbesuche und noch viel mehr Therapietermine standen am Tagesplan. Jahrelange schlaflose Nächte, da Janek aufgrund seines Syndroms kaum Schlaf benötigt, machten eine Rückkehr in die Berufswelt unmöglich. Als Janek eingeschult wurde, stabilisierte sich die Situation.
„Ich habe mich beruflich weiterentwickelt, bin inzwischen selbstständig in eigener Praxis tätig und unterstütze unter anderem Pflegende Angehörige“, so Bruckner. Neben der Schule stellt der Hort eine wichtige Betreuungs-Säule für die Entlastung der Familie dar, denn auch ein Teil der Ferien werden hier abgedeckt. „Wenn Janek keinen Hortplatz mehr hat, ist er 14 Wochen im Jahr zuhause, wo ich mit der Betreuung und Pflege auf mich alleine gestellt bin und zusätzlich meiner Arbeit nicht nachgehen kann“, so die Mutter.
Es wird „alles probiert“ bei der Personalsuche
„Wir schreiben Stellen aus, versuchen diese intensiv zu bewerben und zu teilen. Es gibt sogar schon einen Bonus für Mitarbeiter, die Leute anwerben. Es wird da wirklich viel getan, aber wir haben unsere Möglichkeiten ausgeschöpft. Am Markt gibt es derzeit scheinbar einfach zu wenige ausgebildete Pädagogen, die auch in diesem Bereich arbeiten wollen. Aber auch Bewerbungen von Hilfskräften würden uns weiterhelfen und die Situation in manchen Gruppen deutlich erleichtern“, hofft Doris Jagersberger, dass sich die Anstrengungen auszahlen, und für Janek – aber auch viele andere Kinder – die notwendige Betreuung doch noch sichergestellt werden kann.


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